| Auf der anlässlich der
31. Tagung
der Fachgruppe Historische Hilfswissenschaften des HEROLD am 24. April
2009 im Otto-Warburg-Haus in Berlin-Dahlem durchgeführten Sondersitzung
des HEROLDs-Ausschusses für die Deutsche Wappenrolle zum Thema "Wappen
heute - Zukunft der Heraldik?" ging es um die Frage, was in der Staats-
und Kommunalheraldik wie auch in der Familienheraldik ein "gutes
Wappen" ausmacht. Sie wird dem HEROLD als ältester Fachgesellschaft in
Europa immer wieder gestellt, weshalb er sich in der Pflicht sah, die
Perrspektiven einmal zu bündeln und Empfehlungen bzw. heraldische
Gestaltungsgrundsätze gemeinsam mit rund vierzig geladenen Experten aus
dem In- und Ausland zu diskutieren und zu formulieren, die folgende
Erklärung billigten: |
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Berliner Erklärung des HEROLD
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| 1. |
Fernwirkung: Ein Wappenbild sollte –
wie moderne Verkehrszeichen – aus größerer Entfernung erkennbar sein,
so dass es selbst für eine Verwendung im Siegel noch verkleinert werden
kann. Insofern kommt die heraldische Darstellung mit möglichst wenigen
Farben, Schildteilungen und Figuren aus. |
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| 2. |
Stilisierung: Die Heraldik bewegt
sich auf dem schmalen Grat zwischen natürlicher und abstrahierender
Darstellung, sollte aber stets genügend gegenständlich bleiben. Das
gelingt ihr durch Stilisierung herkömmlicher – seltener von modernen –
Figuren, durch Vereinfachung und Übertreibung der Charakteristika, etwa
der Bewehrung von Tieren (Zähnen, Krallen, Hufen, Hörner, Schnäbel)
oder der Staubgefäße, Blätter und Früchte von Pflanzen. Das führt zum |
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| 3. |
„Pars pro toto“-Prinzip: danach
steht der Teil für das Ganze. Zur leichteren Erkennbarkeit werden
typische Teile vereinfacht abgebildet: statt eines Pfluges eine
Pflugschar, statt eines Wagens ein Rad, statt einer Eiche eine Eichel
usw. |
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| 4. |
Anzustreben ist stets eine feld-
bzw. schildfüllende Darstellung: Große Figuren reichen bis zum Rand,
natürliche Größenverhältnisse bleiben außer Betracht. Überlappungen
durch Mittel- oder Herzschilde sind unerwünscht. |
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| 5. |
Kontrastreichtum entsteht durch die
Verwendung möglichst weniger, auch „verwechselter“ Farben: Die
Einhaltung der heraldischen Farbregel führt zu kontrastreicher
Darstellung, weswegen auch Charakteristika, wie die Bewehrung der
Tiere, anders tingiert werden sollten. Verwendung finden nur ganze
Farben oder Metalle, keine Farbnuancen oder Pastelltöne. |
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| 6. |
Im Schild Landschaften oder Gebäude
(Kirchen, Schlösser, Rathäuser etc.) konkret und perspektivisch
darzustellen, ist unheraldisch (keine Ansichtskartenheraldik!). Die
Wappenkunst fotografiert nicht, sondern verwendet typisierte, flächige
Musterbilder, auch im Profil. Sie ist zweidimensional. Dieser Verzicht
auf Perspektive gilt nur für den Schildinhalt, während die äußeren
Wappenteile „natürlich“, d.h. dreidimensional aufgefasst werden,
insbesondere die plastische Helmzier. |
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| 7. |
Buchstaben oder Zahlen sind nicht
bildhaft und auch nicht unterscheidungskräftig genug, weswegen die
Verwendung von Monogrammen, Ziffern etc. als unheraldisch und auch als
anachronistisch gilt. |
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| 8. |
Größenverhältnisse: sie wechseln in
der Stilgeschichte, doch sollte eine Relation von 3 (Schild) : 2 (Helm)
: 3 (Helmzier) vorherrschen. |
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| 9. |
Die das Schildbild möglichst
wiederholende Helmzier wird nicht „schwebend“ dargestellt, sondern
sichtbar an dem am Schildrand aufsitzenden Helm befestigt und folgt
diesem in seiner Blickrichtung nach vorn oder seitwärts gewendet. Der
(ältere) Stechhelm ist der typisch bürgerliche Wappenhelm, der
(jüngere) Bügelhelm kommt im Allgemeinen dem Adel zu; mit der
Begründung einer heute überholten Unterscheidung wird der Bügelhelm
vielfach prätentiös dazu verwendet, adelige Abkunft vorspiegeln. |
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| 10. |
Die Wappendarstellung folgt der
Wappenbeschreibung (manière de blason) und ist grundsätzlich nicht an
den zur Entstehungszeit gültigen Stil gebunden, auch nicht an die in
der Spätgotik bzw. in der Frührenaissance vorherrschenden Formen.
Unter- und Oberwappen müssen zeitlich und stilistisch zu einander
passen; sie sollten eine künstlerische Einheit bilden. |
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| Zur
weiterführenden Lektüre wird das von Ludwig Biewer für den
HEROLDs-Ausschuß für die Deutsche Wappenrolle herausgegebene „Handbuch
der Heraldik“, die 19. Auflage der sogen. Wappenfibel (Neustadt/Aisch:
Degener & Co. 1998, S. 105 ff.), empfohlen. |
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| Für den HEROLDs-Ausschuß
für die Deutsche Wappenrolle, der Vorsitzende: Dr. phil. Lorenz B e c k, Archiv der Max-Planck-Gesellschaft; Für die Fachgruppe Historische Hilfswissenschaften, der Sprecher: Professor Dr. phil. Eckart H e n n i n g M.A., Humboldt-Universität zu Berlin. |
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© |
HEROLD, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin, |
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| Archivstr. 12-14, 14195 Berlin, Tel.: (030) 26644-7900, Fax.: (030) 26644-7901 | letzte Änderung: 20.10.2010 |