Es ist schon etwas Besonderes, wenn eine Familie, von denen Teile auswandern und sich mit Familien aus aller Welt vermischen noch so intakt ist, dass die Nachfahren der Auswanderer gemeinsam zu einem Besuch in die alte Heimat reisen. Die Familie Völkel ist so ein Fall. 15 Völkel-Nachkommen nahmen die lange Reise auf sich, um das Land zu sehen, in dem ihre Urahnen einst lebten, und um zu erfahren, warum vor mehr als 300 Jahren die Auswanderung erfolgte.
Linien einander wieder näher gebracht.
Schon im vorigen Jahr waren einige Besucher aus Texas in Erndtebrück gewesen und hatten sich die Edergemeinde angesehen - damals als Teil einer Deutschlandreise. Dann entstand die Idee zu einem großen Völkeltreffen. Die beiden Initiatoren Joachim Völkel und Eugene Voelkel hatten sich in den Kopf gesetzt, die beiden Linien einander wieder näher zu bringen - und das mit Erfolg.
Heimatkundliche Einrichtungen besucht
Eugene, der schon mehrfach in Deutschland war, hatte sich bisher sein Reiseprogramm immer selbst zusammengestellt. Diesmal ließ er sich von dem von den Gastgebern erstellten Ablauf überraschen. Auf dem Plan standen die Besichtigung der Freudenberger Altstadt und der Krombacher Brauerei am Donnerstag. Am Freitag ging es nach Girkhausen in die Drehkoite, zur Schmiede in Arfeld und in das Alexander-Mack-Museum in Schwarzenau. Am Abend standen der Eintrag in das Goldene Buch der Gemeinde Erndtebrück und das große Völkeltreffen im evangelischen Jugendheim auf dem Programm.
Amerikaner erfreuten sich am Wetter
Besonders begeistert zeigten sich die Texander von der Drehkoite. Besonders Eugene, der sehr gut Deutsch spricht und alle Fragen geduldig beantwortete, interessierte sich für die Lebensumstände seiner Ahnen. |
Arbeitstechniken zu bewundern, die es schon vor 300 Jahren gab und die in den USA unbekannt sind, sei schon spannend. Nach den größten Unterschieden zwischen Texas und Deutschland gefragt, sagte Voelkel, hier in Wittgenstein sei es klimatisch sehr viel angenehmer als in Texas, nicht so heiß und schwül. Fasziniert zeigten sich alle Besucher auch von dem satten Grün, dass dem einheimischen Wittgensteiner vielleicht eher monoton, dem Texaner aber wie ein riesiger Park erscheint. Aufgrund der ersten Eindrücke konnte sich Eugene Voelkel nicht vorstellen, warum die Völkels seinerzeit ausgewandert waren. Das lange Stöbern in der Geschichte erst brachte ihm den Aufschluss.
Joachim Völkel von der Gastgeberseite bestätigte, dass die Amerikaner sehr aufgeschlossen und interessiert seien und von den typischen Klischees nichts zu merken war. Sehr gut vorbereitet gingen die Texaner die Besichtigungen an. Einmal entdeckten sie einen Frauenparkplatz und bemerkten leicht scherzhaft, dass das doch eine Diskriminierung der Frauen sei. Nach dem Eintrag in das Goldene Buch, der schon das rege Interesse der Erndtebrücker Völkels weckte, wurden im Jugendheim 50 bis 60 weitere Namensträger erwartet, die ihr Wissen über die Familiengeschichte austauschten. Zur Einstimmung hielt Pastor Helmut Krumm einen Dia-Vortrag über Wittgenstein, dem die Besucher aus Übersee mit großem Interesse folgten. Danach wurde beim gemütlichen Beisammensein das Gespräch mit den Auswanderer-Nachkommen gefunden.
Rundreise durch Deutschland begann
Am Samstag wurden der Kohlenmeiler in Walpersdorf und Bad Berleburg und sein Schloss besucht. Nach dem Mittagessen in Züschen ging es zurück durch das Sauerland nach Erndtebrück. In der Heimatstube wurden dann noch einmal alte Geräte und Werkzeuge in Augenschein genommen. Gestern führte die Reise nach Köln, dem Ausgangspunkt einer Rundfahrt durch Deutschland. Irgendwann wollen die Texaner erneut den weiten Weg über den Ozean auf sich nehmen und Wittgenstein besuchen, kündigten sie an. |