Auf den Spuren der Hexen

Von Lehne Adams bis Margarete von Alertshausen
Döppen Krein, die Töpfe-Katharina aus Feudingen wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt

An jenem Tage anno 1590
schloss Adams Lehne wohl mit ihrem Leben ab. Bezichtigt der Zauberei musste sich die Hausfrau aus Weidenhausen, die vermutlich in "Drehers Haus" lebte, vor Gericht verantworten. Und was den Hexen damals blühen sollte, das war bekannt. Adams Lehne stand allein da, sogar Ehemann Adam und Sohn Curt sagten in dem Verfahren aus. Letzter belastete seine Mutter. Er habe gehört, dass "ihr Urvatter Althans sie für eine Zauberei angegeben habe". Curt erzählte außerdem, seine Mutter habe die Menschen im Dorf mit Segenssprüchen belehnt. Während des Prozesses kommt ans Tageslicht, dass Adamas Lehne das kranke Vieh "besprochen" haben soll. Und Sohn Curt legte nach: "Sie sitze oben im Dorff und tue nichts. Sie sehe nur." Manche Menschen, die sie ansehen würde, würden krank - ein starker Vorwurf, der Adams Lehne dies bösen Blicks bezichtigte.

Am Ende, und das stellt Historiker Ulf Lückel in seinem beeindruckenden Artikel "Verzaubertes Weidenhausen" im neuen Heimatbuch für Weidenhausen und Stünzel fest, wird Adams Lehne überraschenderweise frei gesprochen. Das Gericht gibt die Empfehlung an den Wittgensteiner Regenten Ludwig, dass nach intensiver Beschäftigung mit den Anklagepunkten gegen die der Zauberei und Hexerei verdächtigte Person die Sache zu gering sei, um weiter verfolgt zu werden. Ulf Lückel bringt die Angelegenheit auf den Punkt: Die nächsten Jahrzehnte, bis weit in das 17. Jahrhundert hinein, sollten aber nicht alle Wittgensteiner Frauen solch ein Glück wie Lehne haben. Die Hexen- und Zaubereihysterie verschonte auch Wittgenstein nicht.

Viele Anklagen,
die geführt worden waren, hatten oftmals einen tödlichen Ausgang.

Die SZ begab sich auf Spurensuche - wenn auch das Thema für eine derart kurze Abhandlung zu komplex erscheint. Da ist zunächst die "Große Margarete" von Alertshausen. Sie wurde am 21. Juli 1629 durch gräfliche Soldaten verhafet, auf Schloss Wittgenstein nach Laasphe gebracht und dort im Herbst 1629 geköpft und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Margarete von Alertshausen soll sich bei der Herstellung und Anwendung von Arzneien ausgekannt haben. Dabei habe sie die Arzneikunde mit Aberglaube und Frömmigkeit vermischt. Ebenfalls uwrde behauptet, sie habe Menschen hieb- und stichfest machen können und habe die Zukunft vorausgesagt. Zum Verhängnis wurde ihr, so steht es bei "Wikipedia", eine mit Maden verseuchte Salbendose, die ihr als Schadenszauber ausgelegt wurde. Vor ihrem Tode wurde Margarete von Alertshausen gefoltert. Unter dieser Tortur gestand sie, Umgang mit dem Teufel gehabt zu haben. Dieser habe ihr sogar Geld und Lebensmittel gegeben.

Um 1611 muss es im Kirchspiel Feudingen gewesen sein, als sich Döppen Krein, die "Töpf-Katharina" wegen Zauberei vor Gericht verantworten musste. Döppen Krein, eine unverheiratete, "nunmehr ziemlich alte Dirn", verdiente ihren Lebensunterhalt durch den Handel mit Töpfen und "geringer" Ware wie Seide und selbstgestrickten Kleidungsstücken. Als andere Frauen der Hexerei bezichtigt worden seien, soll sich Döppen Krein außer Landes begegeben haben, lautete der Vorwurf. Sie sei nicht eher wiedergekommen, bis diese Frauen entlassen worden seien.

Au▀erdem habe D÷ppen Krein
eine unbekannt Materie in einen Trog gefüllt, der vor dem Viehsterben schützen sollte - wie es auf der gelungenen Internetseite der Ahnenforscher-Familie Hinkel heißt. Die Töpfe-Katharina wurde zum Tode verurteilt, vermutlich hat man sie noch am gleichen Tage auf dem Scheiterhaufen verbannt.

Ein ähnliches Schicksal dürfte die Pfeifer-Else zu Oberndorf ereilt haben. Ihr warf man vor, an Teufelstänzen "bober Amtshausen" (oberhalb von Amtshausen) "auf dem Dornberg" sowie auf dem "Rain zu Feudingen in der Mühle" teilgenommen zu haben.

Inzwischen dürften zahlreiche alte Gerichtsprotokolle von so genannten Hexenprozessen vorliegen. Bei manchen Schicksalen tappen Forscher noch im Dunkeln - etwa im Falle der Diedenshäuserin Anna Saßmannshausen, die am 4. Juni 1630 erklärte, sie sei wegen Zauberei vom Grafen in Haft genommen, verhört und gefoltert worden. Anna schwor der Zauberei ab und versprach dies mit ihrer Unterschrift.

Der wohl tragischsts Fall ereignete sich am 4. Mai 1630 im benachbarten Sauerland, in Oberkirchen, unweit von Bad Berleburg. Dort verhörte das Gericht das neunjährige Kind Christine Teipel, das 15 Menschen angab, die an einem Teufelstanz teilgenommen hatten. Christine selbst wurde in der dritten von sieben Prozesswellen hingerichtet. Zwischen 1595 und 1685 fielen so den Hexenprozessen in Oberkirchen 75 Personen, darunter auch Männer und weitere Kinder, zum Opfer.


Heute erinnert übrigens

eine Skulptur an die Oberkirchener Hexenverfolgung, die in engem Zusammenhang mit dem Wittgensteiner Land steht: Der Hexenplatz der Hamburger Künstlerin Lilli Fischer auf dem Waldskulpturenweg zwischen Kühhude und Schmallenberg.


Quelle

Siegener Zeitung, Ausgabe vom 17.04.2009
Den Originalartikel können Sie hier [178 KB] nachlesen
Siegener Zeitung
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Holger Weber für die Übersendung des Artikels!

Externer Link

Waldskulpturenweg: Der Hexenplatz

Kontakt/contact

Hinkel, Gabi
http://www.ahnenforschung-hinkel.de/

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