Auf acht Quadratmeter Heimatgeschichte

Erstes Buch in portugiesischer Sprache steht ab sofort im Sonderschul-Archiv in Bad Laasphe

Ob Rodrigo Tresbach weiß, wo Wittgenstein liegt?

Immerhin: Der junge Mann aus dem brasilianischen Ort Osorio hat jüngst dafür gesorgt, dass der Wittgensteiner Heimatverein das allererste Heimatbuch in portugiesischer Sprache sein Eigen nennen darf. Rodrigo Tresbach freut sich über die Bereicherung des Archivs in der Bad Laaspher Sonderschule, hat der 30-Jährige doch Wittgensteiner Wurzeln – wie der Klang seines Namens verrät. Tresbach – das sind die Dreisbachs. Und Rodrigo ist einer davon.


Zustande gekommen war der Kontakt

über Andreas Saßmannshausen, ein Genealoge aus Hilchenbach. Auf der Suche nach Verwandten war Andreas Saßmannshausen auf der Dreisbach-Internetseite gelandet. Wenig später bekam der Siegerländer Post von Rodrigo Tresbach – ein Päckchen aus Brasilien. Tresbach ist ein Professor einer brasilianischen Universität. Dort beschäftigt er sich mit Geschichte und Ahnenforschung. Und so lautet der Titel des Buches »Passageiros no Kranich«, Historia a Genealogica da familia Dreßbach.« Die Passagiere der »Kranich«, wie das Auswandererschiff einst hieß: Sie waren es, die um 1845 ihre Wittgensteiner Heimat nach Brasilien verließen und in Südamerika eine neue Heimat fanden.


Das Buch von Rodrigo Tresbach

enthält einige interessante genealogische Verbindungslinien der Dreisbach-Familie, dessen Stammvater Abraham Dreisbach aus Balde war. Heimatvereins-Vorsitzender Gerhard Karpf, Heimatforscher Eberhard Bauer, Schriftleiter Eckhard Linke und Genealoge Andreas Saßmannshausen freuten sich jetzt bei der Übergabe des Buches und nutzten sogleich die Gelegenheit, das neue Archiv des Wittgensteiner Heimatvereins vorzustellen: »Auf acht Quadratmeter die gesamte Landeskunde Wittgensteins« – so treffend beschrieb Gerhard Karpf den Raum, den früher die Reinigungskräfte nutzten und putzten und der ihnen heute – so erfuhr die SZ am Rande – vom Lohn abgezogen wurde, weil ja der Heimatverein der neue Nutzer ist. Immerhin muss sich Eberhard Bauer nicht mehr die Mühen machen, seine privaten vier Wände für das Archiv zur Verfügung zu stellen.


Seit 1963

nämlich traf sich der Heimatverein regelmäßig im Bauer'schen Keller, wo das Archiv untergebracht war. Heute stehen vier Schränke im Sonderschul-Archiv in Bad Laasphe, dazu ein Schreibtisch mit Rechner. Mehr passt nicht hinein. Eckhard Linke hat ihr noch reichlich Arbeit. Schließlich wollen alle Bücher und Schriften demnächst erfasst, dokumentiert und archiviert werden.


Quelle

Siegener Zeitung, Ausgabe vom 27.09.2008
Siegener Zeitung

Siehe auch

Brasilianer mit Wurzeln in Balde

Kontakt/contact

Saßmannshausen, Andreas

Druckbare Version