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Amerikaner auf den Spuren ihrer Vorfahren |
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Weidenhausen/Feudingen. |
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Wenn er einen Ehrgeiz im Leben gehabt habe, dann sei es der gewesen, hierher zu kommen: »It was my life's ambition to come here.« Das hört man in Wittgenstein doch gern aus amerikanischem Munde. Gesagt hat es Bill Stinger, der seit etwa einer Woche in einem Weidenhäuser Gasthof wohnt und im Altkreis auf den Spuren seiner Vorfahren unterwegs ist. Nun mögen Sie sich wundern: Stinger? So heißt hier doch niemand! Machen Sie aus dem »i« ein »e« – und Sie haben namenstechnisch eine Punktlandung in Wittgenstein.
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Ur-Ur-Ur-Ur-Opa kam aus Weidenhausen |
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Ein echter Weidenhäuser Junge namens Daniel Stenger war es, der sich 1796 auf den Weg nach Amerika machte. Und der war der Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater von Bill Stinger. Der 36-jährige Computer-Fachmann Stinger lebt heute noch immer in der Nähe von Philadelphia, wo seine Vorfahren vor gut 200 Jahren ankamen. Bei ihm begann die Sache mit der Ahnenforschung schon früh, als Zwölfjähriger beschäftigte er sich in einem Schulprojekt damit. Über die Jahre hinweg schaffte er es, seinen amerikanischen Stammbaum zu recherchieren. Probleme gab es erst, als es auf den alten Kontinent ging.
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Internet eine enome Hilfe für Forscher |
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Ein professioneller Ahnenforscher grub dann wenigstens zwei weitere Generationen in Deutschland aus, dabei stolperte Bill über den Namen »Weidenhausen«. Und mit Hilfe des Internets – das heute die Kommunikation und die Forschung auf diesem Gebiet ja wahnsinnig erleichtere – stieß er auf die Homepage des Wittgensteiner Weidenhausens. Ob er gewusst habe, wie unwahrscheinlich es eigentlich gewesen sei, unter unzähligen direkt das richtige Weidenhausen zu finden? Die Frage konterte der Amerikaner ganz amerikanisch entspannt: »I got lucky.« Da habe er wohl Glück gehabt.
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Erster Kontakt im vergangenen Februar |
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Und Bill Stinger hatte gleich noch mal Glück, denn über »www.weidenhausen-nrw.de« kam er in Kontakt mit Heinrich Imhof. Ein ohnehin versierter Heimatfreund, der sich besonders ausgiebig mit der Auswanderung der Wittgensteiner beschäftigt hat. Und nach dem ersten Eintrag des Amerikaners ins Weidenhäuser Gästebuch im Februar, ging alles ganz schnell: Reisepläne wurden geschmiedet und in die Tat umgesetzt. So landete der amerikanische Ahnenforscher in Wittgenstein, im Schlepp hatte er seinen Neffen, den 20-jährigen Studenten John Rapini. Der angehende Englischlehrer teilt das Interesse an den fernen Vorfahren schon seit Jahren mit seinem Onkel.
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Herkunft gut erkennbar bei Festen |
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Wobei die Ahnenforschung in Amerika sowieso »a big thing« – eine große Sache und schwer in Mode – sei. Wenn man sich in Amerika vorstelle, tauche immer mal die Frage nach der Nationalität auf, erläuterte Bill Stinger. Gemeint sei dann nicht die alles überspannende amerikanische, sondern die der ursprünglichen Wurzeln. Er sei zwar nur zu drei Achteln Deutscher, gebe aber immer Deutsch an. Ansonsten finde sich auch Englisches und Schottisches in ihm. Besonders spürbar würden unterschiedliche Abstammungen beim Feiern: Vor allem bei den alt tradierten Bräuchen zu Weihnachten und Ostern fühle er seine deutsche Herkunft.
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Ausgeklügelte Tour durch Wittgenstein |
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Dieses Gefühl bekam dann noch etwas mehr Bodenhaftung, als die beiden Touristen in Sachen »Spurensuche« mit Heinrich Imhof und dessen Sohn Achim – Fahrer und Übersetzer – einen ganzen Tag lang in Wittgenstein unterwegs waren. Erste Station war ein Haus am Feudinger Bornweg. Bei Hansjosts – so der Hausname – war 1590 Arnold Stenger gestorben, sozusagen der Stammvater der Sippe. Von hier ging es für die beiden Amerikaner und die beiden Wittgensteiner weiter zum Rüpperhäuser Dille, nach Erndtebrück, Schameder, Leimstruth, Sassenhausen. Überall auf der von Heinrich Imhof liebevoll ausgeklügelten Tour gab es ehemalige Wohnhäuser der Stinger-Vorfahren zu sehen. Zur vollständigen Gäste-Tour gehörte dann natürlich auch der Besuch des Berleburger Schlosses sowie des Schwarzenauer Alexander-Mack-Museums, dessen Church of Brethren in den USA noch immer bekannt ist.
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Nette Menschen, wundervolle Landschaft |
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Und außerdem traf Bill Stinger dann auch noch einen leibhaftigen Stenger: Heinrich Stenger aus Stünzel. Der hat seinerseits übrigens Kontakt zu Fred Stenger, einem Nachfahren des schon 1749 ausgewanderten Stünzelers Johann Konrad Stenger. Die Zahl der Amerikaner mit Wittgensteiner Wurzeln ist wohl heutzutage kaum noch zu berechnen, denn in Massen flüchteten die Auswanderer vor der Armut. Und wirtschaftliche Gründe waren auch die einzigen, die Bill Stinger für solch einen Schritt gelten ließ. Der Amerikaner, der morgen aus Wittgenstein mit ein wenig Wehmut abreist, unterstrich nämlich im Gespräch mit der Siegener Zeitung: Er könne sich ansonsten keinerlei Gründe denken, die netten Menschen und die wundervolle Landschaft von Wittgenstein zu verlassen.
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Quelle |
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