 |
 |
 |
|
|
Wo die Lerche trillert froh ihr Morgenlied |
|
|
Walter Birkelbach, 15.03.1940 |
|
|
Gesungen wird das Lied nach der Melodie: "Wo die Nordseewellen stoßen an den Strand …"
|
|
|
Wittgenstein, mein Heimatland |
|
|
Wo die Lerche trillert früh ihr Morgenlied, Wo man Birken, Tannen und die Eichen sieht, Wo gar mancher Wandrer ruht am Waidmannshaus, Da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.
Früh am Morgen schleicht der junge Förstersohn mit dem Drilling und dem Hund hinauf zur Höh’, Sucht dort Hirsch und Reh, sieht manches Mägdelein, Doch wer’s Herz verloren, kann kein Waidmann sein.
In der Heimaterde schafft der Ackermann, während im Gebüsche balzt der Auerhahn. Und das Rotvieh weidet auf der grünen Flur, Bis der Herbstwind wehet rauh durch die Natur.
Fragst du nun, wer hat dies schöne Lied erdacht? Ein Soldat aus Wittgenstein der hat’s gemacht; Der nach Haus sich sehnet in gar schwerer Zeit, Ach du teure Heimat! – Bist so weit, so weit.
|
|
|
Die nachfolgenden beiden Strophen |
|
|
des Liedes wurden nach dem Tod von Walter Birkelbach hinzugefügt:
|
|
|
Der nun hat für uns dies schöne Lied erdacht, |
|
|
ruht im fernen Osten still im Heldengrab. Und sein letzter Wunsch sollt’ nie erfüllet sein. Niemals sah er wieder sein lieb Wittgenstein.
Fern im Osten, da ist ein Soldatengrab, darin ruhet ein gefall’ner Kamerad. Doch sein letzter Wunsch sollt’ nie erfüllet sein, Niemals sah er wieder sein lieb Wittgenstein.
|
|
|
In Memoriam |
|
|
Walter Birkelbach - Der Dichter des Wittgensteiner Heimatliedes Nachfolgender Artikel stammt von Edgar Dietrich, Ortsheimatpfleger in Erndtebrück, erschienen in „Wittgenstein“, Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins e. V., Jahrg. 90, September 2002, Bd. 66 H. 3.
|
|
|
Wo die Heimat noch Schauplatz |
|
|
unseres alltäglichen Lebens ist, empfinden wir ihren wahren Wert weniger stark, als wenn wir in der Ferne oder aus der Fremde an sie denken. Dann decken wir mit dem Mantel des Heimwehs zu, was uns in der Nähe vielleicht unschön, hart oder gar abweisend erscheint. Dann steigen wieder Bilder und Erinnerungen auf, die in jenem Fleckchen Erde wurzeln, das wir als Kinder durchstrolchten und durchstreiften. Anlässlich unseres am 13. September 1997 in Dotzlar durchgeführten Wittgensteiner Heimattages bin ich wieder auf das Wittgensteiner Heimatlied gestoßen, welches zum Schluss der Veranstaltung gesungen werden sollte.
|
|
|
Während eines Zeltlagers |
|
|
das Tambourcorps Erndtebrück in Heiligenborn hörte ich zum ersten Mal das Wittgensteiner Heimatlied am Lagerfeuer. Damals gehörten Fahrtenlieder wie selbstverständlich zum Lagerleben. Überrascht war ich über den auf einem verteilten Handzettel gedruckten Text, der doch einige abweichende Passagen vom Originaltext erhielt. So wie die Wittgensteiner Mundart, die von Ort zu Ort verschieden ist, so unterscheiden sich auch die textlichen Versionen des überall in Wittgenstein bekannten Heimatliedes, welches auf fast allen Volksfesten von den Blaskapellen gespielt und von der Bevölkerung bei fröhlichen Veranstaltungen gesungen wird. Doch wer von den vielen Wittgensteiner Bewohnern, ob jung oder alt, kennt eigentlich den Dichter und sein Schicksal, das in den letzten Strophen des Liedes besungen wird?
|
|
|
Der Dichter des Wittgensteiner Heimatliedes |
|
|
ist Walter Birkelbach. Er wurde am 22. Februar 1917, im vierten Kriegsjahr des ersten Weltkrieges, in Birkelbach zu Neuhaus als Sohn der Eheleute Maurer Karl Birkelbach und Anne, geborene Dörnbach, geboren. Er besuchte die im Jahr 1926 erbaute Volksschule und wurde am 27. März 1931 durch den Schulleiter und Klassenlehrer Adolf Dickel entlassen. Am darauffolgenden Sonntag, dem 29. März 1931 wurde er durch Pfarrer Karl Edelhoff in der evangelischen Kirche zu Birkelbach konfirmiert. Sein Konfirmationsspruch (Joh. 6 Vers 35) lautete: „Jesus, aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“
|
|
|
Nach seiner Schulzeit |
|
|
trat er in die elterliche Landwirtschaft ein. Auch verdiente er sein Geld im Sägewerk Spies in Birkelbach-Bahnhof. Der Besuch der Landwirtschaftsschule in Erndtebrück gehörte im Winterhalbjahr 1931/32 zu seiner weiteren Ausbildung. Die Schule wurde am 25. März 1933 erfolgreich beendet.
|
|
|
Aufgrund der schlechten Arbeitslage |
|
|
im Wittgensteiner Land verpflichtete er sich freiwillig zum Dienst als Soldat der deutschen Wehrmacht. Es war eine alte preußisch-deutsche Tradition, dass „gelernte Jäger“, d. h. Forstlehrlinge mit Abschlussprüfung beim Gardeschützenbataillon oder einem der Jägerbataillone ihrer Militärpflicht genügen mussten. Erst nach mehreren Jahren Truppendienst erhielten die jungen Forstleute ihre Anstellungsberechtigung im staatlichen Forstdienst. So war es auch bei den „Fürstlichen Forstbeamten im Kreis Wittgenstein“, die vornehmlich beim hessischen Jägerbataillon Nr. 11 in Marburg an der Lahn dienten. Als es keine „kaiserlichen“ und „königlichen“ Jäger mehr gab, dienten sie beim Traditionstruppenteil der Reichswehr, der 16. (Jägerkompanie) oder später bei der 12. (MG-Jägerkompanie) des Infanterie-Regimentes 15 in Marburg oder Kassel. Am 28. Oktober 1935 rückte Walter Birkelbach zum Jägerbataillon im Infanterie-Regiment 15 in Kassel ein.
Als Oberjäger nahm er mit seiner Einheit an der Besetzung des Sudetenlandes, der Rest-Tschechoslowakei und am Polenfeldzug teil. In der Fremde, mit den Gedanken an seine vertraute Heimat, schrieb er im April 1940 die ersten vier Strophen des Wittgensteiner Heimatliedes.
|
|
|
Ein Foto in meinem Besitz |
|
|
zeigt ihn mit seinem Bruder Erich zu Pfingsten 1941 bei Dijon in Frankreich. Erich Birkelbach ist im Alter von zwanzig Jahren als Gefreiter am 19. Dezember 1941 in den Reihen der 7. Kompanie des Infanterieregiment 181 bei den Kämpfen zwischen Kaluga und Kalinin bei der Ortschaft Poktino vor Moskau gefallen. Auch seine letzte Ruhestätte liegt wie so viele der gefallenen Wittgensteiner Soldaten im fernen Osten.
|
|
|
1943 heiratete Walter Birkelbach |
|
|
Aus der Ehe ging ein Sohn hervor, der heute in Olpe lebt. Im Laufe des Krieges folgte am 25. August 1941 seine Beförderung zum Oberfeldwebel und die Zulassung zur Offizierslaufbahn. Für seine erwiesene Tapferkeit und umsichtige Führung seiner Gruppe wurde er bereits am 22. Oktober 1940 durch Generalleutnant Mattenklott mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. An der Schule für Fahnenjunker der Infanterie in Dresden sollte er an einem Offizierslehrgang teilnehmen. Die Kriegslage im Osten ließ eine Beendigung des Lehrgangs nicht mehr zu und die Fahnenjunker wurden auf die Feldeinheiten verteilt.
|
|
|
In den Reihen der 1. Kompanie |
|
|
im Füsilier-Bataillon 185 wurde er schwer verwundet und vier Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist er am 7. April 1945 an den Folgen der erlittenen Verwundung im Reserve-Lazzarett 101 in Döberitz verstorben. Eine Grablage ist nicht bekannt und wohl in den Wirren auch nicht registriert worden.
|
|
|
Am 22. Februar |
|
|
diesen Jahres wäre Walter Birkelbach 85 Jahre alt geworden. Er hat den Erfolg seines Liedes „Wittgenstein, mein Heimatland“ nicht mehr erleben dürfen. Sein Name steht heute mit vielen anderen auf den Marmorplatten des Ehrenmales auf dem Kriegerplatz am Wege zwischen Birkelbach und Womelsdorf.
|
|
|
Walter Birkelbach |
|
|
ist auch heute nicht in unserer Heimat vergessen. Möge er durch sein Lied in Wittgenstein unvergessen bleiben. Zu seinem ewigen Gedenken wurde von der Wittgensteiner Bevölkerung eine fünfte Strophe hinzugefügt.
|
|
|
Herr Herbert Klose aus Girkhausen |
|
|
übermittelte uns folgende ergänzende Informationen zum Wittgensteiner Heimatlied von Walter Birkelbach, die zum Nachdenken anregen sollen:
|
|
|
In dem Begleittext von Albrecht Sauer |
|
|
wird die Frage nach der Herkunft des eigentlichen “Ur-Liedes” bzw. seiner Melodie gestellt. Eine Antwort darauf könnte sein, dass Walter Birkelbach während des Krieges mit Oberschlesiern zusammen war. Diese haben seit ca. 1922 dieses Lied bzw. diese Melodie verwendet für ihr sehr oft gesungenes Lied:
|
|
|
Oberschlesier Lied |
|
|
Oberschlesien ist mein liebes Heimatland, wo vom Annaberg man schaut ins weite Land. Wo die Menschen blieben deutsch in schwerster Zeit; :: für dies Land zu kämpfen bin ich stets bereit. ::
Wo die Schalen sausen in den Schacht hinein, wo der dunkle Himmel glüht im Feuerschein, wo die Häuser grau und hell die Herzen sind, :: dorthin geht mein Sehnen, bis ich Ruhe find. ::
Wo die Kumpel schau'n dem Tod ins Angesicht, wo die Mädchen lieblich und die Frauen schlicht, wo an dunkler Halde steht mein Vaterhaus, :: dort ist meine Heimat, da bin ich zu Haus. ::
|
|
|
Entstanden |
|
|
ist das Lied in Oberschlesien nach den Scharmützeln mit nationalistischen Polen nach dem 1. Weltkrieg, u. a. 1922 bei der Schlacht am Annaberg, als jeweilige deutsche und polnische Freikorps kriegerisch aufeinander trafen und die Oberschlesier diesen Angriff siegreich zurück schlugen.
|
|
|
An dieser Stelle |
|
|
ein herzliches Dankeschön an Herbert Klose, der uns diese Informationen übermittelte.
|
|
|
Quelle |
|
|
 |
„Wittgenstein“, Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins e. V., Jahrg. 90, September 2002, Bd. 66 H. 3, Albrecht Sauer
|
|
|
|
Heimatlieder - Texte |
|
|
|
|
Druckbare Version
|
 |