Heimatlieder - Wittgenstein folksongs

Das Wittgensteiner Heimatlied

wird so oft und bei vielen Gelegenheiten gesungen. Das Wittgensteiner Heimatlied? Vor dem letzten Krieg war in Wittgenstein kein Heimatlied bekannt. Überall wo Menschen (Wittgensteiner) zusammenkamen, wurde zwar gerne gesungen. Das waren aber meistens Volkslieder oder die „Lieder aus der Küche“. Das Lied „Im grünen Wald, dort wo die Drossel singt“ gehörte meistens dazu.


Im November 1941

erschien das Wittgensteiner Liederbuch „Kathrinche, komm met mer!“ der Florentine Goswin-Benfer. Bei den Jugendtreffen der damaligen Zeit wurde das Lied „Wanns mol drebbeld – räänts ö lichde“ gesungen, jede Strophe endete mit „O dü mei Wittgestee best dü“: In den Schulen des nördlichen Kreises Wittgenstein sang man nach 1945 das Lied "Wittgestee, mei Heimatlandche". Es wurde dadurch allgemein bekannt.


Um 1950

tauchte plötzlich das Lied „Wo die Lerche trällert froh ihr Morgenlied" auf und wurde bald als das Wittgensteiner Heimatlied bekannt. Kaum jemand wusste, woher es kam und wer es bekannt gemacht hatte. Seitdem wird es überall und voller Inbrunst gesungen. Herr Edgar Dietrich, Ortsheimatpfleger von Erndtebrück, nennt uns als Dichter des Liedes Herrn Walter Birkelbach aus Birkelbach. Walter Birkelbach wurde 1935, als 18-Jähriger, Soldat nahm an vielen Kämpfen des Zweiten Weltkrieges teil und wurde als tapferer Soldat im Frühjahr 1945 schwer verwundet und starb an den Folgen dieser Verwundung am 7. April 1945.

Fern der Heimat hat er im April 1940 die vier Strophen des Liedes gedichtet, in dem wir seine große Liebe zur Wittgensteiner Heimat erkennen. Er selbst wünschte, dass dieses Lied nach der Melodie „Wo die Nordseewellen schlagen an den Strand“ gesungen würde. Nun singt man das Lied aber nach einer ganz anderen Melodie und glaubt, damit ein Wittgensteiner Lied zu besitzen. Schaltet man aber das Fernsehgerät ein, kann man bei Übertragungen von Heimatfesten oder Sendungen wie „Kein schöner Land“ diese Melodie aus allen deutschen Gauen hören, jeweils mit dem Heimatbezogenen Text. Es ist also nichts mit dem echten Wittgensteiner Heimatlied.


Und wie ist es mit dem Text?

Lerche, Birke, Tanne und Eiche gibt es überall, hier und da auch ein Waidmannshaus, man kann das doch nicht nur für Wittgenstein beanspruchen. Der junge Förstersohn (wie viele gibt es in Wittgenstein?), der mit Drilling und Hund zur Höhe schleicht und Hirsche und Rehe sucht, ist nicht typisch für Wittgenstein, und wenn er bei diesem Vorhaben auch noch manch Mägdelein sieht, ist es mit der Jagd nicht mehr weit her. Und warum soll der, der sein Herz verloren hat, kein Waidmann mehr sein können? Der Auerhahn balzt schon lange nicht mehr in Wittgensteins Wäldern, und das Rote Höhenvieh sucht man in Wittgenstein heute fast vergeblich. Wir besingen also etwas, was es so gar nicht mehr gibt, wir sind gegen uns selbst unehrlich geworden und trällern etwas vor uns hin ohne Überlegung und innere Anteilnahme. Für ganz schlimm halte ich die beiden dazu gedichteten Strophen. Glaubt man damit das Andenken des Dichters zu würdigen?


Ein weiteres

Wittgensteiner Heimatlied stammt aus der Feder von Prof. Lutz Jung. Es wird nach der Melodie „Wo die Nordseewellen…“ gesungen.
Das in diesem Lied gesagte dürfte für viele deutsche Landschaften zutreffen. Die Beispiele mussten auch hier des Reimes willen gesucht und zusammengestellt werden. Böse Zungen würden sagen „Herz-Schmerz-Poesie“. Es hört sich ja so schön an. Allein es fehlt die Echtheit, die Wahrhaftigkeit des Gefühls.


Das Jahr 1940

muss ein besonderes Jahr gewesen sein. Im Herbst dieses Jahres beschert uns Herr Kurt Georg Roth vom Forsthaus Foßnacker sein Wittgensteiner Heimatlied, zu dem Herr Fritz Loos eine Melodie komponiert und auch einen Klaviersatz verfasst hat. Es ist im Marschtempo gesetzt und kann beim Wandern gesungen werden. In diesem Heimatlied klingt der Zeitgeist mit, Blut und Boden, Bauernstand, Zucht und Sitte, die Arbeitswelt werden besungen. Aber wir merken auch, dass der Dichter diesem Zeitgeist noch nicht erlegen ist, sondern sich in der Hand eines Höheren geborgen weiß.


Quelle

„Wittgenstein“, Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins e. V., Jahrg. 90, September 2002, Bd. 66 H. 3, Albrecht Sauer

Heimatlieder - Texte

Wittgenstein mein Heimatländchen Das Heimatlied der Heimatdichterin Florentine Goswin-Benfer. Hier handelt es sich um die hochdeutsche Fassung.

Wittgestee, mei Hemetlandche Das Heimatlied der Heimatdichterin Florentine Goswin Benfer in der Originalfassung.

Wo die Lerche trillert froh ihr Morgenlied Wittgenstein, mein Heimatland - das Heimatlied eines Soldaten aus Birkelbach, der seine Heimat Wittgenstein nie mehr sehen sollte.

Wenn im Wittgensteiner Land Das Heimatlied von Prof. Lutz Jung

Wittgensteiner Heimatlied Wittgensteiner Heimatlied von Kurt Georg Roth, Foßnacker

Wanns mol drebbeld ... Ergänzungen zum Heimatlied "Wanns mol drebbel ..."



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