Günther Bock: Bericht über den Vortrag "Schleswig-Holsteinischer Adel zwischen Landesherren und Bauern im Hoch- und
Spätmittelalter" im März 2006 in Kiel:
Im frühen 14. Jahrhundert begegnet in zahlreichen Urkunden aus dem ländlichen Schleswig-Holstein ein klares
gesellschaftliches Schema. An der Spitze steht das in mehrere Linien aufgespaltene Haus der Schauenburger Grafen, das die
Landesherrschaft in Holstein beanspruchte und ansatzweise durchgesetzt hatte. Den Grafen untergeordnet ist eine in den
Urkunden weitgehend homogen erscheinende Schicht von Gefolgsleuten, die als Ritter und Knappen auftreten. Diesen
Herrenschichten nachgeordnet ist eine breite Bauernschaft, die neben den genannten weltlichen Herren auch kirchlichen
Institutionen als Trägern der Grundherrschaft unterstellt sein kann. Dieser Gesellschaftsaufbau besaß im frühen
14. Jahrhundert noch keine lange Gültigkeit, da er sich in dieser Form erst im Laufe des 13. Jahrhunderts
herausgebildet hatte.
Schwerpunktmäßig wird der Stormarner Raum behandelt, der im ausgehenden Mittelalter zum Umfeld Hamburgs werden
sollte. Dies ist sowohl der vergleichsweise günstigen Quellenüberlieferung als auch den vom Referenten
vorgenommenen Forschungen geschuldet, die teilweise als Veröffentlichungen vorliegen. In diesem Raum zeigt sich um 1300
ein hoher Anteil niederadligen Besitzes, der nahezu ausschließlich gräfliche Lehen darstellt. Ein Jahrhundert
später ist der nieder Adel aus dem weiteren Umfeld Hamburgs nahezu vollständig verschwunden, während sich an
der oberen Alster und im Einzugsbereich der Trave ein Schwerpunkt niederadligen Besitzes herausgebildet hat. Parallel zu
dieser räumlichen Konzentration ist die Arrondierung einstigen Streubesitzes zu territorial weitgehend geschlossenen
Arealen zu beobachten. Während zahlreiche kleinere und wenig begüterte Familien aus der Überlieferung
verschwinden, schaffen Geschlechter wie die Hummersbutle, Heest oder von Buchwaldt große Besetzkomplexe, aus denen sich im
frühen 16. Jahrhundert fallweise adlige Güter bilden.
In die Zeit ab etwa 1315 fällt die Krise des Spätmittelalters, die sich in dem untersuchten Gebiet durch massive
Rückgänge bäuerlicher Höfe in den Dörfern festmachen läßt. Der Raum zwischen Hamburg und
Lübeck verliert etwa ein Fünftel der dort vorhandenen Dörfer und etwa drei Viertel aller Bauernstellen. Die
Faktoren, die zu diesem tiefsten historisch bezeugten Siedlungsrückgang des Raumes beitrugen, werden in der Forschung
kontrovers diskutiert. Es sind neben gesellschaftlichen Umbrüchen vor allem die nachlassende Bodenfruchtbarkeit,
ökologische Zwänge, klimatische Verschlechterungen und nicht zuletzt wiederholte Pandemien, so ab 1350 die Pest,
zu berücksichtigen.
Der niedere Adel, der um 1300 als vergleichsweise geschlossene gräfliche Gefolgschaft auftritt, beruht auf
unterschiedlichen sozialen Gruppen. In Stormarn sind edelfreie Familien von den Schauenburger Grafen zu Gefolgsleute
degradiert worden, während bislang unfreien Dienstleuten der Aufstieg in die Ritterschaft gelang. Hinzu kommen aus dem
Weserraum mit den Schauenburgern ins Land gekommene Vasallen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich eine erhebliche Dynamik
gesellschaftlicher Veränderungen, die in ähnlicher Weise auch die Bauernschaft betraf. Sie bildete sich aus
einstigen freien Bauern, aus hörigen Hintersassen adliger Herren, aus verarmten Niederadligen und aus Zuwanderern aus
anderen Regionen Norddeutschlands und der Niederlande.
Neben gesellschaftlichen Veränderungen trugen vor allem wirtschaftliche Faktoren zum Untergang viele niederadliger
Familien bei. Der tendentiell sinkende Wert insbesondere der kleineren Scheidemünzen ist ebenso in Rechnung zu stellen
wie erhebliche langfristige Veränderungen der Getreidepreise, die die Wertschöpfung von der Eigenwirtschaften der
Niederadligen ähnlich betreffen konnten wie die bäuerlichen Produzenten. Zur Mitte des 14. Jahrhunderts zeigen
verschiedene Testamente Hamburger Bürger viele Bauern des ländlichen Umfelds als deren Schuldner, was durchaus als
Ausdruck der krisenhaften Entwicklung zu verstehen ist.
Rahmenprogramm der Jahreshauptversammlung 2006:
Unsere Jahreshauptversammlung führte uns, nachdem sie in den vergangenen beiden Jahren eher am Rande unseres
Vereinsgebietes stattfand, diesmal ins zentral gelegene Bordesholm. Auf dem Plan stand die Besichtigung der dortigen
Klosterkirche. Die Geschichte dieser Kirche beginnt im Jahr 1327 mit der Verlegung des Klosters Neumünster an diesen
Ort. 1332 wurden die mittlerweile verschollenen Gebeine des Missionars Vicelin nach Bordesholm überführt.
Die Führung unter Leitung von Niels Claussen, Mitglied des Kirchenvorstandes, führte die knapp 30 Teilnehmer in die
Baugeschichte des Kirche und die berühmtesten dort beigesetzten Toten und ihre Rolle in der Geschichte ein. So
fällt dem Besucher gleich beim Betreten der Kirche der Kenotaph von Anna von Brandenburg, Ehefrau von Herzog Friedrich
ins Auge, welcher sich seit der letzten Renovierung nicht mehr vorne im Altarraum, sondern in Mitten der Besucherreihen
befindet. Darüber hinaus befindet sich in einem Seitenraum, der sogenannten Russischen Kapelle, der Sarkophag von Herzog
Carl Friedrich (1700 -1739), dem Schwiegervater von Katharina der Großen, Ehemann von Anna Petrowna, einer Tochter von
Peter des Großen von Russland. Weitere Berühmtheiten sowie Lehrkräfte der Kieler Christian-Albrechts-Universität befinden sich in einer Gruft unterhalb des Altars, welche während der Führung ebenfalls besichtigt
werden konnte. Ebenso bestand die Möglichkeit, sich die Kirche einmal von einer ganz ungewohnten Seite her anzuschauen:
Über enge und ausgetretene Wendeltreppen und ausgesprochen steile Holztreppen konnte auch einmal der Dachstuhl der
Kirche besichtigt werden. Ein Großteil der Teilnehmer nahm diese Angebote auch gerne in Anspruch. Der wohl
berühmteste Einrichtungsgegenstand der Klosterkirche, der Bordesholmer Altar des Meisters Hans Brüggemann von 1521,
befindet sich seit 1666 im Schleswiger Dom.
Die Führung schloss mit der Besichtigung des Gewölbekellers in einem Nebengebäude der Kirche. Dieser Keller
ist - ebenso wie der oben angesprochene Seitenraum in der Kirche - eines der letzten Überbleibsel des alten Bordesholmer
Klosters, welches im Rahmen der Säkularisierung aufgegeben wurde. Ein Anzeichen dafür, daß die Kirche in Zusammenhang
mit einem Kloster entstand, ist ihr äußeres Aussehen: Statt eines Glockenturms hat sie lediglich einen kleinen
turmartigen Aufsatz mit Glocken. Durch diese Bauweise sollte die Bescheidenheit und Demut der Chorherren deutlich gemacht
werden. Die Chorherren als Bewohner des Klosters hatten als Priester - anders als Mönche - auch die Verpflichtung, den
Gottesdienst in den umliegenden Gemeinden - bis hin nach Kiel und Westensee zu leiten.
Im Gewölbekeller bestand die Möglichkeit, sich über die Geschichte der Klosterkirche und des Klostergebäudes
zu informieren. So wurde das Gebäude nach der Aufgabe des Klosters noch knapp 100 Jahre als Lateinschule genutzt, bis
diese 1665 in der neu gegründeten Christian-Albrechts-Universität aufging.
Die diesjährige Mitgliederversammlung endete mit einem gemeinsamen Mittagessen in der nur wenige hundert Meter
entfernten Verwaltungsakademie und der anschließenden eigentlichen Versammlung.
Kurt-Günther Jörgensen: "Woher stammt die Familie Cochoy aus der Ulmenstraße in Flensburg?":
Ausgangspunkt war für Kurt-Günter Jörgensen die Erzählungen seiner aus Posen stammenden Urgroßmutter
in Flensburg, wonach sie aus einer hugenottischen Familie stammen würde. Die Spur endete für Jahrzehnte mit dem
Ahnenpass seines Onkels in Straßburg in der Uckermark, die nach Entvölkerung durch Pest und Krieg im 17. Jh.
bekanntermaßen durch den Großen Kurfürst mit Hugenotten wieder besiedelt wurde.
Erst die Wiedervereinigung und die Entwicklung der genealogischen Forschungen im Internet brachten die Wende. So existiert
z.B. eine Homepage, die sich nur mit Hugenotten in der Uckermark beschäftigt (
http://www.hugenotten-uckermark.de/) und deren Betreiberin u.a. Kirchenbuchverfilmungen von Prenzlau und der Uckermark
besitzt und daraus Auskunft erteilt.
Erstaunlicherweise führte die weitere Spur dann weiter nach Schweden. Der Aufenthalt von Hugenotten in Schweden ist in
Deutschland eher weniger bekannt. Mit Hilfe der Literatur gelang es Herrn Jörgensen jedoch, eine Erklärung zu
finden: Die Bewohner der Wallonie waren in früheren Jahrhunderten für ihre gute Eisenbearbeitung bekannt. Der
schwedische König benötigte Waffen für seine Kriegführung im 30-jährigen Krieg. Mit Hilfe
finanzstarker Augsburger und Holländer wurden nun durch Anwerber in Wallonien Fachleute zur Entwicklung der schwedischen
Stahlproduktion gesucht. Als Köhler ging der letzte bekannte Vorfahre - ebenso wie zahlreiche andere Wallonen - im
Rahmen eines ersten 3-Jahres-Kontraktes bereits 1621 nach Schweden in die Erzgruben und Hüttenwerke nord-westlich von
Uppsala. Viele Wallonen blieben in Schweden und verschmolzen mit der einheimischen Bevölkerung. So gibt es auch heute noch
eine schwedische Gesellschaft, die sich mit den Nachfahren der Wallonen beschäftigt. (
http://www.vallon.se).
Auch, wenn der Nachname "Cochoy" in Schweden nicht mehr vorkommt, lebt er als zweiter Vorname "Cosswa" der männlichen
Mitglieder des nun adeligen Geschlechts Ankarsvärd weiter. Der nicht in Schweden gebliebene Vorfahr Jean Cochoy zog
aufgrund eines Kontraktes mit dem holländischen Investor Marselis um 1640 für einige Jahre in ein Eisenwerk,
"20 Wegstunden von Moskau entfernt". Von Russland ging er, begütert, aber krank, zurück in die Pfalz. Als
Hugenotte konnte er nicht mehr nach Frankreich einreisen. Als die damals wittelsbachische Pfalz von den Truppen des
französischen Königs heimgesucht wurde, machten sich die dort ansässigen Hugenotten auf die Flucht und folgten dem
Ruf des Großen Kurfürsten nach Straßburg in der Uckermark.
Auch, wenn sich in Schweden und Russland, aufgrund stets sich wiederholender, gleicher Vornamen bei den Wallonen, vieler
Kinder, unterschiedlichster Schreibweisen des Namens und mangelhafter Kirchenbuchaufzeichnungen die genaue Filiation nicht
mehr eindeutig belegen lässt, kann man die Spur am Ende doch bis zum ersten Jean Cochoy zurückverfolgen, der 1621
in Amsterdam den Kontrakt für Schweden unterzeichnete und aus dem wallonischen Dorf Francheval bei Sedan stammte.
Am 03.07.2006 hatten Mitglieder, die seit dem letzten Treffen 2003 neu in den Verein eingetreten waren, die
Möglichkeit, sich und ihre Forschungen einmal vorzustellen und evtl. vorhandene Fragen dazu oder zum Verein loszuwerden.
Dies erfolgte in kleiner Runde in Kiel. Neben den unterschiedlichsten Fragen zur Genealogie und angrenzenden Gebieten auch
über Schleswig-Holsteins Grenzen hinaus bezog sich ein Großteil der Fragen auf die Rolle des PC und des Internets
in der Ahnenforschung. Auch wenn sicherlich einiges geklärt werden konnte, wird dieses Thema in den kommenden Mitteilungen
aufgreifen.
Rund ein gutes Dutzend Mitglieder und Gäste nutzten am 10.10.2006 die Möglichkeit, sich einmal die Unterbringung
unserer Vereinsbibliothek im Landesarchiv Schleswig-Holstein (LASH) im Rahmen einer Führung, durchgeführt
durch Herrn Dr. Georg Asmussen und andere Mitarbeiter aus den Werkstätten, anzusehen. Nach einem kurzen Einblick in die
Geschichte des Prinzenpalais und des Landesarchivs und einem Gang durch die älteren Räumlichkeiten mit ihrer
Deckengestaltung wurde der Rundgang mit den verschiedenen Werkstätten des LASH fortgesetzt. Den Anfang machte die
Fotowerkstatt, wo von Glasplattenaufnahmen bis hin zu großflächigen Landkarten alles fotografiert werden kann. Nach
einigen weiteren Erläuterungen der zuständigen Mitarbeiterin zur Arbeit in der Fotowerkstatt ging es weiter zur
Sicherungsverfilmung, wo den Mitarbeitern bei ihrer Arbeit über die Schultern geschaut werden konnte. Ziel ist es hier,
historisch wertvolle Originale auf Mikrofilm zu bannen, und die Mikrofilme in einem atombombensicheren Salzbergwerk im
Schwarzwald unterzubringen. Im LASH verbleiben die Originale und ein Duplikatfilm. Bei konservatorisch bedenklichen Beständen
wird dann nur der Film zur Benutzung vorgelegt.
In der Restaurierungswerkstatt werden nicht nur beschädigte Bestände restauriert, sondern auch die verschiedenen
Zeitschriften für die Bibliothek und die Findbücher für das Findbuchzimmer des LASH gebunden. Der momentane
Schwerpunkt bei der Restaurierung liegt auf den Akten des 17. und 18. Jhs. Die Restaurierung wird aufgrund der schlechteren
Papier- und Tintenqualität ab dem 19. Jh. in den folgenden Jahrzehnten vor erhebliche Probleme gestellt werden. Eine
nicht unerhebliche Rolle bei der Entscheidung, welche Werke zuerst restauriert werden, spielt auch die Nachfrage durch die
Benutzer. Der Ablauf einer Restaurierung soll im Folgenden einmal kurz dargestellt werden:
- Zerlegung der Akte in ihre Einzelteile
- Trockenreinigung des Papiers
- Desinfektion, wenn notwendig
- Wässerung und Pufferung des Papiers in normalem und dann abschließend in angereichertem Wasser
- Fehlstellenergänzung durch Anfaserung mit eingefärbtem Hadernganzstoff und anschließende Trocknung
- Zur weiteren Stabilisierung wird mit einem dünnen Japanpapier kaschiert
- Zurückschneiden auf das ursprüngliche Format
- Zusammenfügung der Akte
Bei der Siegelrestaurierung werden die Fehlstellen ergänzt, Bruchstücke zusammengefügt und abblätternde
Siegelschollen gefestigt.
Danach führte der Rundgang zur Anlieferung, wo die Magazinmitarbeiter u.a. aus den verzeichneten Akten alle Klammern und
andere Metallteile entfernen, die Akten dann in säurefreie Umschläge einbetten und in säurefreie Kartons
legen, bevor sie ins Magazin überführt werden, wo sie bei möglichst konstant 18 Grad Celsius und ca. 70 Prozent
Luftfeuchtigkeit liegen. Das Magazin verteilt sich auf Untergeschoß, Erdgeschoß sowie 1. und 2. Stockwerk. Zur
Zeit umfaßt der Gesamtbestand des LASH ca. 35.000 lfd. Regalmeter, 12.000 Urkunden und 40.000 Karten. Sollte der Platz
in ferner Zukunft einmal nicht mehr reichen, wäre auch Platz für einen Anbau. Der Bestand der SHFam verteilt sich
im 2. Stockwerk auf ca. 25 Regale mit je 6 Böden.
Nach einem Zwischenstop in der Bibliothek mit ihrem Präsenzbestand von über 115.000 Bänden, die den
Mitarbeitern und Benutzern bei ihren Forschungen und ihrer Arbeit zur Verfügung stehen und die Schwerpunkte Justiz,
Ortskunde, Heraldik und Genealogie enthalten, ging es weiter in den Raum mit den Findbüchern. Dabei besitzt das LASH
nicht nur Findbücher über die im LASH befindlichen Bestände, sondern auch Findbücher von vielen anderen
Archiven Schleswig-Holsteins und des Reichsarchivs in Kopenhagen. U.a. gibt es hier auch Findbücher einzelner
Kirchspielsarchive, die zum Teil noch in den Pastoraten verwahrt werden. Von welchen Archiven im einzelnen Findbücher
vorhanden sind, kann man einem dort ebenfalls vorhandenen, besonderen Verzeichnis entnehmen.
Den Schluß der Führung bildete der Lesesaal, in dem Herr Dr. Asmussen nochmals einen Einblick gab, wie der Bestand
der SHFam eingesehen und ausgeliehen werden kann. Nach gut zwei Stunden endete die sehr informative Führung, für die
Herrn Dr. Asmussen an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt sein soll.
Der Vortrag von Herrn Reinhard Laszig am 20.10.2006 über das Thema "Johann Friedrich Struensee (1737 - 1772) -
ein Vorreiter in Politik und Medizin" beschäftigte sich mit dem Leben und Wirken Struensees, geboren 1737 in Halle
und hingerichtet 1772 in Kopenhagen: Bereits mit 14 Jahren begann Struensee sein Medizinstudium. Nachdem er mit 20 Jahren als
Medicus ( entspricht in etwa unseren heutigen Amtsärzten) seine berufliche Tätigkeit im damals dänischen
Altona angesetzt wurde, konnte er sich schnell einen Namen machen: Anders als die alt eingesessenen Ärzte, deren
Heilmethoden auf dem "Prinzip der verdorbenen Säfte" (z.B. Aderlässe, Einläufe, Schwitzkuren etc.) beruhten,
war Struensee ein Verfechter der Präventivmedizin. Da zu Beginn seines Wirkens in Altona mehrere Seuchen grassierten,
zeigte sich auch schnell der Erfolg seiner Maßnahmen. So führte er z.B. die Pockenimpfung ein, verbot die
Quacksalberei oder baute die Geburtshilfe komplett neu auf. Da sich unter seinen Patienten nicht nur Angehörige der
ärmeren Bevölkerung, sondern auch des Adels befanden, machte er trotz Widerstands der anderen Ärzte schnell
Karriere. So wurde er zum Reisearzt für den dänischen König Christian VII. ernannt, als dieser auf einer
längeren Reise die Familie seiner Frau in England besuchte. Nach Ende der Reise wurde Struensee dessen Leibarzt, bevor
er auch Einfluss auf die Politik nehmen konnte. So führte er zahlreiche Reformen durch, für die beispielhaft
genannten werden sollen: Abschaffung der Folter, Gleichstellung aller Bürger, verschiedene Armengesetze,
Einschränkung des Frondienstes, Pressefreiheit u.v.m. Allerdings war gerade die Pressefreiheit Ursache für seinen
Untergang: Während der Adel ihn zunächst gefördert hatte, stießen seine umfangreichen Reformen bald auf
dessen Widerstand. So wurde ihm unterstellt, eine Liaison mit der Königin zu haben. Auch wenn dies nie bewiesen werden
konnte, so reichten die entsprechenden Äußerungen in den Zeitungen doch für seinen Sturz: Struensee wurde wegen
Majestätsbeleidigung hingerichtet und die meisten seiner Reformen rückgängig gemacht. Bis heute sind es nicht
seine Reformen, sondern die angebliche Affäre mit der Königin, die sein Bild in der Öffentlichkeit prägen.
Der Vortrag schloß mit zahlreichen Dias aus dem Leben Struensees, untermalt durch medizinische Dias.
Den Bericht über das Nordelbische Genealogentreffen 2006 finden Sie hier.
Im November 2006 bestand an 3 Abenden in Neumünster die Möglichkeit, sich in der Veranstaltung "Einführung in
die Familienforschung" über unser gemeinsames Hobby zu informieren. Folgende Themen wurden behandelt:
- Sammlung genealogischen Materials und Quellenkunde
- Kirchenbücher
- Fundorte familiengeschichtlichen Materials
- Das Internet in der Ahnenforschung
- Möglichkeiten der Genealogischen Forschungsstelle Neumünster für die Ahnenforschung
- Genealogieprogramme
- Einführung in die alte Handschrift
- Genealogische Vereine als Hilfe für die Familienforschung am Beispiel der SHFam
- Familienforschung in den ehem. deutschen Ostgebieten
Den Abschluss bildet ein Vortrag, welcher den Teilnehmern einen guten Einblick in die Bandbreite der Genealogie und
angrenzende Gebiete gewährte.
Letzte Änderung/Last update: Dezember 2006
Kommentare zu dieser Webseite bitte an die Schleswig-Holsteinische Familienforschung e.V.
Comments and suggestions regarding this page should be
sent to:
Schleswig-Holsteinische Familienforschung e.V.