Ein Einführungskurs in die Familienforschung fand an 3 Abenden im April statt. Insgesamt nahmen gut 100 Personen,
ca. 60 pro Abend, teil. Verschiedene Referenten gewährten Einblicke in Bereiche wie "Quellen und Fundorte
genealogischen Materials", "Internet in der Ahnenforschung", "Kalender, Latein und Abkürzungen", "Schriftkunde" u.v.m.
Einen Einblick in unseren Verein gab es natürlich auch. Die Jahreshauptversammlung 2005 in Flensburg verlief bei strahlendem Sonnenschein und begann mit der Besichtigung des
Archivs des Kirchenkreises Flensburg (Anschrift: Mühlenstr. 19, 24937 Flensburg) unter der Leitung von Herrn Dr. Pust.
Die vorhandenen Kirchenbücher sind zwischenzeitlich vollständig verfilmt und können samstags von 10.00 - 12.00
Uhr eingesehen werden; Findbücher liegen vor. Kopien der Kirchenbücher befinden sich jedoch auch im Flensburger
Stadtarchiv [Anschrift: Am Pferdewasser 14 (Rathaus ), 24937 Flensburg], welches mittwochs - freitags von 08.30 - 12.30 Uhr
geöffnet ist.
Die anschließend geplante Besichtigung der 3 Kirchen St. Nikolai, Heiligengeistkirche und St. Marien beschränkte
sich aus zeitlichen Gründen auf St. Nikolai.
Das Rahmenprogramm schloß mit einer Führung durch die Dänische Zentralbibliothek durch Herrn Dr. Hennigsen.
Zusammenfassend sei nachfolgend der Inhalt seines Vortrages kurz wieder gegeben:
Seit Ende des 19. Jh. entstanden in Dänemark allgemeine dänische Volksbibliotheken, die sich mit der Geschichte und
der Sprache der Dänen beschäftigten. Dies geschah als Folge des Verbots der dänischen Sprache in Schulen u.ä.
durch Preußen. Für weiterführende Literatur wurde 1891 zu den allgemeinen dänischen Volksbibliotheken die
Dänische Zentralbibliothek in Flensburg eingerichtet. Bis zur heutigen Grenzziehung 1920 lag der Schwerpunkt auf der
dänischen Geschichte, anschließend war es die Bibliothek der ca. 12.000 Menschen umfassenden dänischen
Minderheit in Schleswig-Holstein. Seit 1959 befindet sich die Dänische Zentralbibliothek an ihrem heutigen Standort in
der Norderstr. 59 in 24539 Flensburg, um einen Anbau 1986 erweitert. Zweigstellen gibt es u.a. in Husum und Schleswig, und
es findet eine rege Zusammenarbeit mit den Schulen im Schleswiger Landesteil statt.
Zur reinen Bibliothek kamen 1983 eine Studienabteilung sowie 1989 ein Archiv für den Schleswiger Teil hinzu. Die
Bibliothek umfaßt heute über 50.000 Bände und behandelt u.a. Themengebiete wie Ortschroniken, Zeitschriften,
Bibliographien, Ahnentafeln uvm. Z.T. gibt es auch Literatur aus dem holsteinischen Landesteil. Das Archiv enthält neben
Kopien aller dänischen Kirchenbücher und Volkszählungen nur Unterlagen, die die dänische Minderheit
betreffen. So z.B. über 650 Nachlässe von Privatpersonen, über 450 Vereinsnachlässe ab 1850, mehrere
tausend Briefe sowie Verwaltungsangelegenheiten.
In seinem anschaulichem Vortrag hat Dr. Henningsen vorgetragen, wie die "Dansk Centralbibliotek" im Internet-Zeitalter sofort
aufgesucht und "betreten" werden kann, aber für den Laien vergessen, zwei wichtige Hinweise zu geben. Das strukturell
besser fortentwickelte dänische Bibliothekswesen, dem die "Dansk Centralbibliotek" angeschlossen ist, hat seinen
Vorsprung im Zeitalter des "online" vor dem deutschen ausgebaut. Im Gegensatz zur "Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek"
, die die landeskundliche Literatur erst ab 1987 durch die EDV erschließt, versucht die "Dansk Centralbibliotek" auch
die ältere und alte landeskundliche Literatur, insbesondere die Zeitschriftenaufsätze aus den landeskundlichen
Jahrbüchern und Zeitschriften nachzuweisen. Wer Literatur vor 1987 im Raum des alten Herzogtums Schleswig - von der
Eider bis zur Königsau - sucht, ist deshalb gut beraten, über das Internet in der "Dansk Centralbibliotek" zu
suchen. Der Suchende wird bei der Literatur, die in der Dansk Centralbibliotek nicht vorhanden ist, automatisch zur
"bibliotek.dk" geführt, die gemeinsame Datenbank der dänischen wissenschaftlichen und öffentlichen
Bibliotheken. Die Datenbank (www.bibliotek.dk) enthält die
Bestände der dänischen Bibliotheken, die in Dänemark erschienen Bücher, Zeitschriften und Zeitungen seit
1970 sowie größere Zeitschriftenaufsätze und Zeitungsartikel seit 1945. Sie bietet für den Nutzer
"narrensichere" elektronische Recherchemöglichkeiten und, wenn er Benutzer einer dänischen Bibliothek in
Schleswig-Holstein ist, auch eine sofortige - und unbegrenzte - Bestellfunktion. Für den Familienforscher sind vor allem
die Bibliotheksbestände interessant, d.h. die Personalschriften, Leichenpredigten u.a. des 17.-19. Jahrhunderts in den
Kopenhagener Bibliotheken, die sich über www.bibliotek.dk leicht
finden lassen. Die Kongelige Bibliotek in Kopenhagen hat die "Biblioteca Danica", das Verzeichnis der von 1482 bis 1830
erschienen dänischen Literatur und dazu gehörige Supplement mit der "Bibliotheca Slesvico-Holsatica til 1840"
über das Internet zugänglich erfaßt. Rolf Rickers: Das Leben eines Seemannes in der Mitte des 19. Jahrhunderts - Suche nach einem Verschollenen
Am 16. Januar 1874 heiratet in Brunsbüttel Oscar Emil Ferdinand Erdmann - geboren 1842 als Sohn eines Gutsbesitzers bei
Königsberg/Ostpr. - die einer Dithmarscher Schifferfamilie entstammende Mathilde Maass.
Am 14. November wird in Altona ihre Tochter Emilie Erdmann geboren, meine Großmutter. Vater und Tochter haben einander
nie gesehen. Denn schon im Dezember verunglückt Oscar Erdmann - erst 32 Jahre alt - als Steuermann mit der in Hamburg
beheimateten Brigg CATO, auf dem Weg von Sunderland nach Boulogne. Schiff und Besatzung gelten als verschollen.
Aus dem Nachlass der Eltern von Emilie Erdmann haben sich eine Reihe Papiere erhalten:
Heuerunterlagen über Fahrten mit insgesamt 6 Schiffen zwischen 1857 und 1873 - überwiegend mit in
holsteinischen Häfen beheimateten Segelschiffen.
ein "Militairpass" der "Bundes-Kriegsmarine" von 1868, nach dem sich der Inhaber ab 2.1.1864 für 3 Jahre als
Freiwilliger verpflichtet hatte, aber 4 3/4 Jahre Dienst getan hatte. Außerdem habe der Inhaber die Königliche
Dankmünze von 1864 erhalten, weil er am 30.4.1864 auf der VINETA an einem Gefecht mit 2 dänischen Schiffen vor
Danzig teilgenommen habe.
ein Zeugnis einer "Längenprüfung" der Navigationsschule in Kiel von 1869
ein Nachweis über eine "Befähigung als Schiffer auf großer Fahrt" von 1873
31 Briefe eines Schriftverkehrs zwischen der Mutter bzw. Schwester des Seemannes und der Witwe bzw. deren Tochter
(meiner Großmutter) von 1874 bis 1891.
Im Jahr 1980, 25 Jahre nach dem Tode meiner Großmutter, habe ich diese Familienpapiere erhalten, konnte aber erst ab
1997 mit der Auswertung beginnen. Seither habe ich versucht, den Lebenslauf von Oscar Erdmann nachzuvollziehen.
In der Erdmann-Familie gab es keine Seefahrttradition und für den Vater des Oscar Erdmann, bei der Heirat Lieutnant in
einem ostpreußischen Infanterie-Regiment und später Gutsbesitzer, war es eher ungewöhnlich, den Sohn im Alter
von 14 Jahren als "Decksjungen" auf ein dänisch beflaggtes holsteinisches Schiff zu schicken. Es muß aber vor allem
der Wunsch des Sohnes gewesen sein, denn seine Mutter schreibt später dazu " ... hatte als Kind schon den einzigen
Wunsch, Seemann zu werden und sein bestes Spielzeug war, Schiffchen zu schnitzen ..."
Und so wurde aus dem Preußen über den Seemann schließlich ein Holsteiner: " ... in dem von meinem lieben Sohn
gerühmten und gesegneten Holstein, ... hat er es stets besungen und war sehr entzückt daran." (Brief der Mutter)
Die noch nicht abgeschlossene Suche in Archiven und Bibliotheken förderte viele Details der Reisen mit den
Kauffahrtschiffen zutage, ferner eine weitere bisher nicht dokumentierte Reise nach Mittelamerika. Auch die
Unglücksfahrt mit der CATO ließ sich rekonstruieren. Außerdem wurde über das Militär-Archiv Freiburg
ermittelt, daß Oscar Erdmann seine gesamte Marine-Dienstzeit auf der VINETA verbracht hatte, die 1865 zunächst in
die Krisengebiete Südamerikas geschickt wurde, um deutsche Interessen zu schützen. Von dort mit einer weiteren
Order nach China und Japan. Erst im Oktober 1868 kehrte die VINETA zurück. Über die Reise existiert umfangreiches
amtliches Material bis hin zu den Logbüchern, aber auch private Briefe des Kapitäns sowie ein Reisebericht eines
ehemaligen Schiffsjungen der VINETA haben sich erhalten.
In seinen Vortrag "Bibliothek und Bibliographie - oder die Schwierigkeit, zur eigenen Familien- und Personengeschichte
in Bibliotheken fündig zu werden" am 13.09.2005 gewährte Jürgen Kawalek einen Einblick über die
Entwicklung von Bibliographien und gab einen Überblick über die wichtigsten, Schleswig-Holstein Betreffenden.
So gibt es neben landeskundlichen auch regionale oder themenbezogene Spezialbibliographien für Schleswig-Holstein.
Schleswig-Holstein meint in dem Fall nicht nur unser heutiges Bundesland, sondern auch die Teile, die mittlerweile zu
Dänemark oder Hamburg gehören. Deshalb befindet sich auch ein Großteil der für Familienforscher
interssanten Literatur nicht nur in der Landesbibliothek in Kiel, sondern auch z.B. in Kopenhagen. Der Vortrag ging daher
auch auf die Unterschiede der Bibliotheken in Schleswig-Holstein und Dänemark ein. So ist in Dänemark vorhandene
Literatur online wesentlich besser erschlossen als z.B. in der Landesbibliothek, wo nur neuere Jahrgänge online
durchsucht werden können.
Am 01./02.10.2005 fand das bisher 31. Nordelbische Genealogentreffen im Tannenhof in Rickling statt. Diesjähriger
Ausrichter war der Lübecker Verein. Die sehr gut aufeinander abgestimmte Vortragsreihe beschäftigte sich mit dem
Thema "Güter und bäuerliche Besitzverhältnisse"; ein Thema, mit dem sich ein Großteil der
Familienforscher im Rahmen ihrer Forschungen beschäftigen müssen. Die insgesamt 5 Vorträge beschäftigten
sich von der Entstehung und dem Aufbau eines Gutes über deren Bewirtschaftung und die Situation der darauf Lebenden bis
hin zu einem praktischem Beispiel aus der eigenen Forschung. Einen detaillierteren Bericht finden Sie
hier.
Das 32. Nordelbische Genealogentreffen findet am 21./22.10.2006 statt und wird vom Hamburger Verein veranstaltet.
Vor knapp 30 interessierten Zuhörern - darunter vielen Gästen - stellte Frau Meike Kruse, Archivarin im Archiv der
Hansestadt Lübeck, am 11.10.2005 ihr Buch "Wo finde ich was? - Tips und Tricks zum Suchen und Finden bei der Familien-,
Personen- und Hausforschung im Archiv der Hansestadt Lübeck" vor. Anhand der Gliederung des Buches gewährte Frau
Kruse einen Einblick in das seit 1298 bestehende Archiv selber und die dort vorhandenen Quellen zur Personen- und
Familienforschung sowie zur Hausforschung. Durch die lange Eigenständigkeit der Hansestadt bis 1937 befinden sich
für ein heute kommunales Archiv sehr viele für den Familienforscher interessante Quellen dort. Sie hier alle
aufzuzählen, würde den Umfang dieses Berichts überschreiten. Leider sind durch Auslagerungen im II. Weltkrieg
nicht alle ursprünglich vorhandenen Quellen zugänglich oder mehr vorhanden. Die Archivalien selber umfassen nicht
nur das heutige Stadtgebiet Lübeck, sondern auch die ehemaligen Exklaven, wie z.B. Nusse, sowie über das gesamte
Land verteilte Stiftungsgebiete Lübecker Kirchen. Das Buch gehört zur Reihe "Kleine Hefte zur Stadtgeschichte,
Heft 18" und wurde vom Archiv der Hansestadt herausgegeben; es kann auch über den Buchhandel bezogen werden. Die
ISBN-Nr. lautet 3-7950-3117-6. Das Archiv kann wie folgt erreicht werden: Archiv der Hansestadt Lübeck, Mühlendamm
1-3, 23552 Lübeck, Tel. 0451/122 4152, Mail, Homepage
und ist Montags bis Donnerstags von 08.00 - 16.00 Uhr und Freitags von 08.00 - 12.00 Uhr geöffnet. Teilnahme des Vereins am Deutschen Genealogentag und der Norddeutschen Computerbörse