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Salza bei Nordhausen
Orte des AK-Nordhausen

AMF-Arbeitskreis Nordhausen


Zeittafel und Kurzchronik von Salza

(Quelle: Der  Heimatbote, Heft 6, Druck & Verlag Steffen Iffland, Nordhausen, 2002, ISBN: 3-9807032-6-6)

Um 786 wird bei der altthüringischen Siedlung Salzaha (am Salzbach) im Verlauf der fränkisch-karolingischen Markensetzung das Reichsdorf Salza mit Reichshof, Burgmannssitz, christlicher Kirche "St. Laurentius", einem Heereslagerplatz und zwei Mühlen angelegt und wahrscheinlich mit fränkischen Bauernkriegern belegt.

Am 15.09. im Jahre 802 bestätigt Kaiser Karl dem Kloster Hersfeld auf Bitte des Erzbischofs Richolf von Mainz Güter in Thüringen (Thoringia), im Helmegau (Helmegawe) zu Salza (Salzaha) und im Altgau (Altgawe) in der Villa Körner (Corneri), die sein Knecht (des Kaisers) weiland Maginfredus, rechtmäßig erworben und urkundlich, aber widerrechtlich, "ideo quia servus noster erat" dem genannten Kloster vermacht hatte.

Nachdem um 910 die Burg Nordhausen errichtet wurde, ist der Burgmannssitz nach der Burg Nordhausen verlegt worden. Die Salzaer waren nun damit beauftragt, die Burg mit Lebensmitteln und Tieren zu versorgen. Weiterhin mussten die sogenannten Bauernkrieger die Flur zur Burg schützen.

Anno 932 tauschte König Heinrich von dem Abte Maingoz von Hersfeld mehrere Orte im Frisenfelde gegen verschiedene Güter in Thüringen ein, darunter Salzaha im Westgaue (nicht sicher, ob es sich dabei um unseren Ort handelt).

Am 25.05. im Jahre 1009 schenkt König Heinrich der Bamberger Kirche unter B. Eberhard, auf Verwendung seiner Gemahlin, der Königin Chunigunde, den königlichen Hof Salza im Gau... in der Grafschaft des Grafen Wilhelm zu freien Eigen.

Anno 1047-1050: Günther, Edler, tritt von seinem Erbgute und dem Gute der Söhne seines Bruders Sizo an Lamprecht, Ritter des Abts Meinherr von Hersfeld, und seinen eigenen Vasallen Rudolf 10 Hufen zu Salzaha und Ottinscvoha unter der Bedingung ab, dass sie dieselben demjenigen übergeben, den der Abt bestimmen wird, und dass er, seine Söhne und die Söhne seines Bruders die Vogtei über Ohrdruf, Wechmar, Cölleda, Waltsazi und Zubehör von dem Kloster Hersfeld zu Lehen erhalten, dafür aber der jeweilige Inhaber der Vogtei Ritter des Abts sei und 5 Beschildete "ad Orientales partes in expiditionem " sende, deren Unterhalt der Abt zu bestreiten hat. Günther besaß 1005 - 1012 von seinen Erbgütern und aus der Erbschaft der Kinder seines Bruders Sizo mehrere Grundstücke in den Dörfern Thüringens, in der Goldenen Aue an der Helme, wie Günzerode, Hausen und Eschenberg. Deshalb ist unter dem Orte Salzaha das Dorf bei Nordhausen zu verstehen.

Anno 1074 bekennt der Erzbischof zu Köln, dass er auf den ihm von der Richezza überlassenen Besitzungen in Saalfeld ein den Aposteln Peter und Paul geweihtes Kloster gestiftet, dieses ursprünglich mit Domherrn, nunmehr aber, um die in der christlichen Religion noch ganz unwissenden Bewohner der dasigen Gegend weiter auszubilden, mit Mönchen besetzt und denselben unter anderen Gütern auch vier Besitzungen in Salza, welche er gegen Überlassung anderer Güter von Ditterich erhalten, überwiesen und zugeeignet habe (Salza bei Nordhausen ???).

Anno 1142 bekennt Gertrud, dass ihre Großmutter Gertrud dem auf ihrem Grund und Boden gelegenen Stifte des heiligen Christopherus zu Homburg unter anderen auch fünf Hufen in dem Dorfe Salzaha, eine Mühle und fünf Schillinge Erbzins von Ländereien bei Heyligen zu Lichten für die Kirche geschenkt habe, mit dem Bemerken, dass sie das, was jene im frommen Eifer getan und wovon sie glaubhaft Nachricht erlangt, bestätige und genehmige und der Kirche den freien Besitz der genannten Güter einräume. (Gertrud die Ältere ist die Tochter des Markgrafen Eckbert von Meißen und Gemahlin des Sachsenherzogs Heinrich von
Northeim.)

Anno 1160: Der Abt Willibold zu Hersfeld bekennt, dass sein Ministerial Adelbert, als er im Kloster Mönch geworden, unter anderen Gütern, welche er teils vom Stifte in Lehn gehabt, teils erblich besessen, auch ein acht Solidi zinnsendes Gut in Salza dem Kloster überlassen und zugeeignet habe.

Anno 1162: Die Äbte Willibold von Hersfeld und Wirinus von Homburg vergleichen sich wegen einer Mühle in Salza, dass die Fruchtzinsen in gleiche Teile verteilt, die Oblationen aber an den Abt zu Hersfeld entrichtet werden und bloss drei Solidi Zins für zwei Schweine dem zu Homburg verbleiben sollen.

Anno 1174: Die Brüder Hugo von Salza, Ministerialer und Voigt von Salza, Günther und Hermann von Salza sind Zeuge bei einem Besitzwechsel zwischen dem Edlen und Freien Namens Ludiger und dem Abte Hermann von Reinhardsbrunn. 

Nach 1195: Der Pfalzgraf am Rhein, Heinrich, bezeugt, dass er dem Hugo von Salza weder Güter, so dem Kloster Homburg eigen seien, noch Güter, so seine Dienstleute innegehabt hätten, namentlich nicht die Güter des Friedrich von Openstedt, die er, nachdem der letztere sie aufgelassen, dem Kloster überwiesen habe, und die Güter des Wiegand und seiner Kinder, Wiegand, Heinrich, Gerlach, Irmentrud und Walter von Reinsdorf, zu Lehen gegeben, sondern nur die, welche sein Vater Burchard von seinen Vorfahren zu Lehn gehabt.

Anno 1197: Heinrich, Herzog zu Sachsen und Pfalzgraf am Rhein, bekennt, dass in seiner und seines Bruders Gegenwart sein Ministerial Albert von Salza mit Genehmigung seiner Brüder Alexander und Ludwig, seiner Schwestern Oda und Petersche, sowie seiner Mutter Petersche, zwei Güter in Badra (im Amt Sondershausen) dem Kloster Walkenried für 19 Mark verkauft habe. (Bei Lesser wird dies mit anno 1199 vermerkt.) 

Bis 1230 stand der Ort mit seiner Landschaft unter der Herrschaft der Grafen von Clettenberg, die auch vor dem Siechentor zu Nordhausen Gericht abhielten.

Anno 1235 verfügt bereits ein Graf von Hohnstein Dietrich II. 1219/1249 als Lehnsherr über die Salzaer Obermühle.

Anno 1238: Ludovicus von Salza hat von etlichen Gütern in Hörningen vor sich und seinen Erben ein Seelen-Geräthe im Kloster Walkenried angeordnet. Conrad, ein Sohn des Vorigen, war mit seines Vaters Vermächtnis nicht zufrieden, musste aber doch die Intraden dazu, nach Ausspruch des Rates zu Mühlhausen, dem Kloster Walkenried überlassen.

Anno 1275: das Frauenberger Kloster bekommt Salzaer Landbesitz. Günther von Salza war Zeuge, als Albert, Landgraf zu Thüringen, Friedericum, Grafen zu Beichlingen, mit der Wildbahn in der Herrschaft Lohra belehnte.

Anno 1288: Werner von Salza, ein Sohn des Kaiserlichen Kammerherrn Conrad von Salza, erhandelte für sich und die Seinigen einen Ort zum Begräbnis im Kloster Walkenried.

Anno 1290: Thiedrich und Friedrich von Salza werden vom Kaiser Rudolpho mit Reichsgütern belehnt. Sie nannten sich reichsunmittelbar und ließen sich diese Art der Lehnstellung von Kaiser Rudolf von Habsburg bestätigen, um damit vor den Angriffen der Hohnsteiner Grafen sicher zu sein.

Anno 1294 wird das Dorf Niedersalza bei der Salzamündung von den Kriegsscharen Kaiser Adolfs von Nassau niedergebrannt. Die unterschiedlich gebrauchte Bezeichnung "Ober-Salza" (Salza Superior) geht damit bald ein.  

Vom 12.-14. Jh. steht das Dorf Salza unter den Ministerialen mit dem Geschlechternamen "von Salza". Jene haben das Gericht inne, den ganzen Kohnstein sowie großen Besitz an Äckern, Weiden und Ansprüche auf Naturalzinsen im Dorfe. Um 1250 verkaufen sie einen Teil des Kohnsteins, und zwar den Südostrand des Kohnsteins in der Nähe der heutigen Schnabelsmühle, an Nordhausen.

Anno 1308: Das Frauenberger Kloster zu Nordhausen bekommt einen Halben Hof, drei viertel und ein halbe Hufe Land zu Sundhausen von Friedrich von Salza, der sie besaß.

Anno 1316: Herrmann von Salza war ein Mönch des Minoriter-Ordens und Beichtvater des Grafen Heinrich von Stolberg.

Anno 1362 müssen die Herren von Salza wohl die Absicht gehabt haben, ihre Besitztümer in Salza sowie den Kohnstein an die freie Reichsstadt Nordhausen zu verkaufen. Das aber missfiel den Hohnsteinern, die selbst Teile des Kohnsteins besaßen und errichteten eine Zwingburg auf dem Schnabel. In dieser Position schädigten sie den Handelsverkehr auf der Heerstraße zwischen der Dietfurt und der Stadt Nordhausen.

1362-1368: Streitereien zwischen Nordhausen und den Grafen von Hohnstein, die den gesamten Kohnstein für sich inne haben wollen.

11. Februar 1368 verkauft Friedrich von Salza seine ihm vom Reich gegebenen Besitzungen in Ober-Salza und den halben Kohnstein an die Stadt Nordhausen. 

1. Mai 1368 verkauft Johannes von Salza seine ihm vom Reich gegebenen Besitzungen in Ober-Salza und ein Viertel des Kohnsteins an die Stadt Nordhausen (die beiden Kaufverträge wurden nicht vollzogen). 

24. August 1368: Friedrich (der Strenge), Balthasar und Wilhelm (der Erste), Landgrafen zu Thüringen, vergleichen den Grafen von Hohnstein mit der Stadt Nordhausen wegen der Schnabelsburg.

1368 wird die „Ullrichsburg" (Schnabelsburg) von den Hohnsteinern geräumt und an Nordhausen verkauft. Die Nordhäuser Bürger, die in den letzten Jahren viel Leid durch diese Zwingburg erleben mussten, legten die Burg nieder bis auf die Grundmauern, so wie es im Vergleich vom 24. August festgelegt wurde. 

9. Oktober 1368: Brief des Markgrafen von Meißen an die Stadt Nordhausen auf Befehl des Kaisers wegen des Streites mit dem Grafen von Hohnstein (Heinrich VIII. 1367-1408)

21. Januar 1370 quittieren die Herren von Hohnstein dem Rat der Stadt Nordhausen über 500 Mark Silber, abgezogen von den l.500 Mark Silber für die Schnabelsburg.

19. Juli 1370: Die Grafen von Hohnstein vergleichen sich mit der Stadt Nordhausen wegen des Kohnsteins. 

1398 wird Günther von Salza als ein Geistlicher erwähnt.

2. April 1432: (IR) Heinrich und Ernst, Brüder, v. d. G.G. Grafen von Hohnstein, Herren von Lora und Klettenberg, haben einen Tag in ihrem Dorfe Salza gehalten, auf Bitte Tyle Begkers, Abts des Stifts und Klosters zu Ilfeld, wegen eines Irrtums zweier Müller.

1460: Heydenreich von Salza verschrieb der Gottesacker Kirche zum Heiligen Kreuz in Stolberg eine Wiese zu Harzungen und ein Schock Groschen.

Anno 1486 belehnen die Grafen von Hohnstein, Herren zu Klettenberg und Lare, ihren getreuen Bernharden von Germarshusen nebst seinen Brüdern Jacoffen, Gorgen und Heinrichen von Germarshusen mit dem Gut in Salza. 

Anno 1501 wird ein Hermann von Salza erwähnt. 

Anno 1534 wird ein Caspar von Salza angeführt. 

1541 wird vom Grafen von Mansfeld eine Kupferschmelzhütte angelegt. Sie ist Jahrzehnte in Betrieb (näheres dazu im Heimatboten, Heft 4) 

Anno 1565 war Heinrich von Salza Capitain zu Walkenried. 

1593: Beim Aussterben der Grafen von Hohnstein mit Ernst VII. fällt die Landschaft an den Herzog von Braunschweig, der das „Desesionswerk" einrichtet.

1611 starben bei einer Pestseuche 27 Einwohner (sonst im Durchschnitt nur 3 im Jahr), in Herreden sogar 67 Menschen. Die Zahl der Pesttoten von 1626 sind nicht bekannt, von Herreden betrug sie 79, von Nordhausen 3.283. Die letzte Pest 1682 forderte in Salza nur 5 Opfer, in Nordhausen aber 3.309 und in der Grafschaft Hohnstein 1.284. 

1625: Sieben Jahre nach Ausbruch begann für unsere Heimat der Dreißigjährige Krieg, am schlimmsten waren die Jahre 1633-35, gegen Ende lag im Orte Jahre hindurch der schwedische Kommandant Bergheuer, der in dieser Zeit in der Kirche St. Laurentius ein Kind taufen ließ. 

1650-1699: Zwischenherrschaft der Grafen von Sayn-Wittgenstein. Der Junker Hans Christoph von Thomas, der letzte seines Geschlechts, überträgt August von Wittgenstein 1696 seinen Ritterhof auf Anwartschaft, von Thomas stirbt 1717. 

Anno 1691 fand eine Schlägerei zwischen Werbern und Nordhäuser Stadtsoldaten, die bewaffnet in das Dorf eingedrungen waren, in der Salzaer Schenke statt. 

Anno 1700: auf dem Gelände der ehemaligen Kupferschmelzhütte entsteht eine Ziegelhütte, die bis 1900 bestand. 

Anno 1701 wird Salza preußisch, und 1706 wird die Feldflur eingehend vermessen: Sie umfasst 38 Hufen, fünf drittel Äcker, wovon der „Wettenseesche Hof" fast zwei Drittel besaß. 

1716 wird gegen den Einspruch des Nordhäuser Rats bei der Feldschmiede an der Heerstraße Salzas „neue Schenke" angelegt, das spätere Schurzfell. 

Um 1720 geht das von Wettensee dem Hauptmann Niebecker verkaufte Gut als verschuldeter Besitz an den preußischen Domänenfiskus über. 

Am 15.06.1754 wird an der Preußischen Landesgrenze König Friedrich der Große von den Hohnsteiner Landständen und Beamten empfangen. Im Siebenjährigen Kriege hat Salza viel unter feindlicher Besatzung zu leiden und hohe Lieferungen und Kriegssteuern zu tragen. So war es 1759 Standquartier eines österreichischen Generals, der von da aus die hannoverische Grafschaft Hohnstein um 15.000 Tlr. presste und zahlreiche Geiseln aushob. Salza musste unter anderem in den Jahren 1758 600 Taler, 1759 1.018 Taler, 1760 300 Taler und schließlich 1761 nochmals 300 Taler an Kriegssteuern entrichten. 

Anno 1767 wurden die ersten Kolonisten zu Salza zwischen Domäne und Junkerhof angesiedelt. 

1777/78 wurden nochmals 24 Kolonisten angesiedelt, die restlichen 6 jedoch in Woffleben. 

Am 30. Nov. 1777 durchreiste Goethe auf seiner ersten Harzreise unsere Gegend. 

1789-1832 war Georg Friedrich Heinrich Plieth, gebürtiger Inspektorssohn aus Latzig in Hinterpommern, Pfarrer zu Salza und Herreden, ihm werden hier 2 Söhne und 4 Töchter geboren. (Zu seiner Person und seinem Leben wurde bereits im Heimatbotenheft 2 berichtet.) 

Anno 1800: Zur Jahrhundertwende gehörte Salza zu dem preußischen Anteil der Grafschaft Hohnstein und stand unter der Gerichtsbarkeit des Amtes Woffleben. Ortsschulze war Christoph Kühnemund, der von den Schöppen oder Vorstehern Christian Teistung, Mathias Ullrich, Andreas Kellner und Christoph Ulrich unterstützt wurde. Die Gemeinde führte in diesem Jahr einen Prozess gegen den Kalkbrennereibesitzer Panse, der eigenmächtig einige Schock Weidenpflanzen auf Grund und Boden der Gemeinde einpflanzen ließ. Das königliche Justizamt erkannte das Unrecht und ordnete das Beseitigen der Weidenpflanzen an. Die Pflanzen wurden daraufhin auf anderen Grund und Boden der Gemeinde umgesetzt. Ebenfalls gegen die Gemeinde Salza klagte in jenem Jahr die Amts-Kammerrätin Diederichs, Pächterin der königlichen Domäne Woffleben mit dem hier in Salza befindlichen Vorwerke, wegen eines unterm Kohnstein gelegenen und an die Diederichs als Domänenwiese stoßenden Buschholzes, welches die Diederichs seit mehreren Jahren eigenmächtig abgetrieben und benutzt hatte. Durch die im Jahre 1802 durchgeführte Separation wurde das Buschholz der Gemeinde zuerkannt.

2. Juni 1805: „Früh neun Uhr kamen seine Majestät, unser allgeliebter König Friedrich Wilhelm III. mit Hochdero Gemahlin, den königlichen Prinzen und Prinzessinen auf einer Reise über Ellrich nach Erfurt" und durchreisten mit 8 Kutschen unser Salzaer Dorf. Dieses allgemein unfruchtbare Jahr war auch für Salza wegen seiner Dürre sehr drückend. Die Ernte fiel schlecht aus, was zur Folge hatte, dass die Preise für Lebensmittel rasant stiegen. So kostete der Scheffel Roggen 5 Reichstaler (Rth.) und 6 Gutegroschen (Ggr), der Weizen 5 % Rth., die Gerste 4 Rth., der Hafer 2 Rth., Erbsen 4 Rth, 16 Ggr. und der Scheffel Kartoffeln 2 Taler. In dieser Zeit hörte man oft von Raub und Brand. 

17. - 21. Okt. 1806: Einfall der Franzosen und Ausplünderung des Ortes, achdem die geschlagene preußische Armee vorangezogen war. Die Schicksale, die das Dorf Salza in diesem und in den nachfolgenden Jahren in Folge der französischen Invasion trafen, waren sehr hart. Das französische Militär und seine Verbündeten plünderten das Dorf und nahmen vielen das Letzte, was sie besaßen.
Der Ortspfarrer Plieth, der sich durch seine Anhänglichkeit an das preußische Vaterland und das Königshaus ausgezeichnet hatte, musste nach Homburg entfliehen, um der Verhaftung zu entgehen. Von dort ist er erst am 22. Januar des folgenden Jahres zurückgekehrt.
Als Vaterlandsverteidiger fiel im Oktober dieses Jahres bei Jena der Ortsschulze unserer Gemeinde, Christoph Ziez, im Regiment Herzog von Braunschweig. Ein zweiter Scharfschütze desselben Regiments, Friedrich Höfer aus Salza, wurde am 18. November 1806 zu Erfurt im Hospital von den Franzosen gefangen genommen, durch bayrisches Militär bis Mainz und von da durch Frankreich über die Pyrenäen auf die Festung Figueras in Spanien am Mittelmeer gebracht. Von dort ist er nach17monatiger Gefangenschaft mit einem siechenden Körper zurückgekehrt. An Lieferungen und Brandschatzungen musste jeder Acker der Gemeinde 5 1/2 Groschen und jedes Haus l Rth. dem Feinde zahlen. 

Anno 1807 betrug die den Franzosen von der Gemeinde Salza zu leistende Lieferung 250 Rth. mit Ausschluss der hiesigen Domäne. Dieses Kapital musste sich die arme Gemeinde Salza borgen. In dem selben Jahr wurde der hiesige Kirchturm repariert und mit einem neuen Knopf versehen, in den Pfarrer Plieth ein schriftliches Dokument nebst einiger damals gebräuchlicher Münzen legte. Anschließend hielt Pfarrer Plieth auf dem Kirchhofe im Freien eine schöne Rede, in der die von den Einwohnern bei
besagter Reparatur geleisteten Dienste gewürdigt wurden. 

Am 28. Februar 1808 wurde dem König von Westphalen, Hieronymus Napoleon, auch von der Gemeinde Salza gehuldigt, bei welcher Feierlichkeit das Schießen ausdrücklich verboten wurde. Vom Jahre 1806 bis 1808 hat die Gemeinde Salza durch die überzogenen Abgaben und Liquidationen an Wagen, Pferden, Schlachtvieh, Getreide und Futter mit Ausschluss der Domäne, einen
Verlust von 9.573 Rth. 4 Groschen (Gr.) erlitten.
 

Anno 1809: Im Februar musste die Gemeinde Salza für das vergangene Jahr l .344 Franken 81 Centimen Personalsteuer, im Juli von den Häusern und vom Lande eine Steuer von 958 Franken 53 Centimen, im November zur Verpflegung der durchmarschierenden Truppen und für Kriegsfuhren 34 Rth. 3 Gr., sowie an Personalsteuer 336 Franken 40 Centimen und letztlich zur Erhaltung der Departements Company und Gendarmen 132 Franken 65 Centimen zahlen. Zum Ortsmaire wurde ernannt Andreas Ellmann und zum Adjutant Carl Weber. Der Munizipalrat bestand aus Heinrich Bauerschäfer, Heinrich Busch, Valentin Peter, Heinrich Gerlach und Christoph Boelitz. In diesem Jahr wurde wieder ein Prozess geführt. Diesmal gegen den Pächter der Domäne zu Woffleben, den Oberamtmann Wallmann. Dieser weigerte sich, das Nachtwächter- oder Erblehn mit 14 Scheffel Roggen zu entrichten, wurde aber zur Abtragung verurteilt. Wichtig für dieses Jahr ist noch zu erwähnen, dass im hiesigen Ort eine Gemeinde-Polizei errichtet wurde, deren Mitglied der Salzaer Einwohner und damalige „Zwangsbefehlsträger" Gottfried John war.

Anno 1812 mussten aus hiesiger Gemeinde Johann Schmidt und Adam Heinrich Wille an dem unglücklichen Feldzug nach Russland teilnehmen, von dem sie nicht zurückkehrten. 

Am 29. April 1813 wurde der hiesige Ortspfarrer Plieth wegen seiner Äußerungen, die er als preußischer Patriot in dem von ihm herausgegeben „Hohensteinischen Erzähler" gegen die Westphälische Regierung veröffentlichthatte, durch die Gendarmerie verhaftet und nach Kassel in das dortige Kastell abgeführt. Erst am 17. Oktober ist er durch einen Streifzug russischer Kosaken befreit worden. In diesem Jahr kam es in Salza zu einer großen Feuersbrunst, bei der verschiedene historische Gebäude vernichtet wurden. So wütete das Feuer im Heinrich Bolitzschen Erbpacht-Backhause Nr. 52, welches neben der Erbpachtmühle mit zwei Mehlgängen und dem Schriftsassen-Gute des Oberamtmanns Diederichs in kurzer Zeit zerstört wurde. Aus unserer Gemeinde zogen viele Freiwillige unter preußischen Fahnen in den Befreiungskrieg. So sind zu nennen: Friedrich Ellmann, Hornist im Hellwig'schen Korps, Friedrich Plieth, Leutnant im 1ten brandenburgischen Husarenregiment, der in der Schlacht bei Belle Alliance verwundet wurde; Friedrich Probst, Husar beim Hellwig'schen Korps. Als Vaterlandsverteidiger sind aus hiesiger Gemeinde gefallen; Heinrich Knorr, Hauptmann beim 1ten Elb-Landwehrregiment, blieb am 16. Januar 1815 bei Signi; Johann Andreas Meister, Füsilier beim 18. Infanterie Regiment blieb am 18. Juni 1815 bei Belle Alliance; Johann Fischer, Soldat, starb an seinen Wunden, am 21 November 1814 zu Lüttich. Zur Landwehr wurden aus Salza 46 Mann ausgehoben, von denen der Unteroffizier Salomon Kaufholz sich bei Belle Alliance auszeichnete. Für diese Vaterlandsverteidiger wurden in hiesiger Gemeinde „Leygehträge" gesammelt und so viel aufgebracht, dass jeder Landwehrmann eine wollene Winterhose bekommen konnte. Der Landsturm wurde in diesem Jahr in der Gemeinde Salza recht gut organisiert unter dem Kapitän Förster Kleemann. Zu dem Landsturm zählten außer den Offizieren und Unteroffizieren 146 Mann, von denen das 1te und 3te Glied mit Feuergewehren, das 2te Glied mit Picken bewaffnet war. Bei den Übungen des Landsturms tat sich immer die freudigste Anhänglichkeit und Begeisterung für König und Vaterland kund. 

Am 14. Oktober 1814 zog zum Andenken an die Schlacht bei Leipzig der Landsturm mit Fackeln auf den Hesseröder Berg hinauf, wo unter Anwesenheit vieler Grenznachbarn ein großes Feuer angezündet und von Pastor Plieth eine schöne Rede gehalten worden ist. Von da an wurde wöchentlich eine Kriegs-Betstunde gehalten. Zum neuen Schulzen erwählt wurde Christian Ullrich, zu Schöppen Konrad Kruse und Christian Wernecke. 

1822 wurde die hiesige Schule (Küstereischule) neu erbaut Sie verfügte bei 150 schulpflichtigen Kindern über nur einen Klassenraum und die Wohnung des damaligen Lehrers König. Das Holz zum Bau gab seine Majestät der König, die übrigen Baukosten wurden aus dem Kirchenvermögen bestritten. 

Am 15. September 1823 erhielt die Salzaer Kirche durch die Gnade Seiner Majestät des Königs ein schönes Kruzifix aus Gusseisen zum Geschenk. 

Anno 1824 wurden die derzeitigen Ortsvorsteher angeklagt, „Defect gemacht zu haben", und wurden zusammen mit dem Einnehmer Wernecke abgesetzt. Aufs neue wurde Friedrich Höfer zum Schulzen, Herr Peter und Herr Kellner zu Schöppen und Felix Eisfeld zum Einnehmer erwählt. „In diesem Jahr ersäufte sich innerhalb der hiesigen Dorfgrenze der Zimmermeister Engelhardt aus Nordhausen in der Salza." 

Seit 1825 haben sich die Ziegel- und Kalkgewerbe am hiesigen Ort sehr verbessert. Außerdem kamen ein Wirtshaus („Friedenseiche ", siehe Heimatbote Heft 3) und drei Anbauhäuser zum hiesigen Orte hinzu. 

Am 4. Januar 1827 verkauften die Gebrüder Günther zu Nordhausen die alte, hier gelegene „Grünhagensche Oelmühle" mit drei Ölpressen. Zwei Ölgänge wurden in sechs Tuchscher-Maschinen, je eine Rauchmaschine, Krempelmaschine und einen Wolf, der das Wasser treibt, umgewandelt. Hierbei befanden sich noch fünf Spinnmaschinen, welche 19 Arbeiter beschäftigten und wöchentlich 550 Meter wollenes Garn biederten. Für diese Arbeit wurde ein wöchentlicher Arbeitslohn von 22 Rth. 18 Silbergroschen (Sg.) und 9 Gr. ausgezahlt. 

Anno 1829 sind lediglich drei Personen erwähnt, die sich im „Salzabach" durch Ertrinken das Leben nahmen. Selbige waren: der Huthmann Franz Bauersfeld aus Salza, der Böttchergesell Sanftleben aus Nordhausen und der Kolonist Heinrich
Brennecke aus Ellrich.
 

Am 21.04.1832 verstarb der hiesige Pastor Georg Friedrich Heinrich Plieth, nachdem er 42 Jahre das hiesige Pfarramt bekleidete. Ende dieses Jahres wurde der bejahrte Schullehrer Friedrich Wilhelm König durch seinen Sohn Friedrich König, welcher seit dem 4. Dezember feierlich ins Schulamt eingeführt wurde, in den Ruhestand gesetzt.

Am 18. Juni 1833 wurde Johann August Siegesmund Girschner, bisher Pfarrer zu Wolkramshausen, zum hiesigen Pfarrer und zugleich zum Superintendenten der Diözese Kleinwerther-Clettenberg, dann „Diözese Salza", durch den Herrn Bischof und General-Superintendenten Dr. Draeseke unter Anwesenheit sämtlicher Prediger der Diözese feierlich eingeführt. Zugleich wurden auch mehrere notwendige Reparaturen an den Pfarr-, Wohn- und Stallgebäuden ausgeführt, für welche dem hiesigen Zimmermeister Kahn statt der Summe von 430 Rth., Entenprise gegeben wurden. 

Von 1833 bis 1932 war Salza Sitz eines Superintendanten.

Anno 1835 nahm die Gemeinde einen südlich von den Kolonistenhäusern gelegenen, der Kirche gehörenden Acker gegen eine jährliche Rente von 6 Talern in Pacht, um das Grundstück zum Begräbnisplatze zu benutzen. Dies war notwendig, nachdem der alte Kirchhof mit Gräbern überfüllt und für die stark wachsende Gemeinde zu klein geworden war. Am 8. November nachmittags fand „die feierliche Einweihung des Begräbnisplatzes statt, indem zugleich die erste Leiche, das verstorbene Kind des hiesigen Baumzellwebers Heyer, beigesetzt wurde". 

Anno 1836: In diesem Jahr legte der derzeitige hiesige Ortsschulze Friedrich Höfer sein Amt wegen schwächlicher Gesundheitsumstände nieder. Das Amt übernahm der hiesige Ziegelbrennereibesitzer Johann Christian Friedrich Credo am l. Juli des Jahres. 

1837 erfolgte der Abbruch der alten Kirche, weil sie für die stark gewachsene Bevölkerung zu klein geworden war. Der Grundstein für die neue Kirche wurde Pfingsten desselben Jahres gesetzt. Die neue Kirche wurde nach dem Schlüterischen Normalbauplan errichtet und erhielt im Vergleich zur alten Kirche keinen Glockenturm. 

Anno 1838 konnten erst nach dem anhaltenden und strengen Winter im April die Arbeiten an dem Kirchengebäude fortgesetzt werden. Der Bau wurde aber erst Mitte des Monats September vollendet. Kein Arbeiter hat bei diesem Bau an Leib und Leben Schaden erlitten. Zwar stürzte der Maurergesell Sauer, aus hiesigem Orte, beim Abbruch der alten Kirche aus einer Höhe von 23 Fuß (7,21 Meter) in die Tiefe, blieb aber durch Gottes gnädigen Schutz unversehrt. Am 23. September dieses Jahres fand die feierliche Einweihung statt. Viele Gäste und Einwohner aus den Nachbarorten waren herbeigekommen. Ungefähr 1000 Leute waren in die neue Kirche geströmt, welche natürlich für diese große Anzahl nicht ausgelegt war. Näheres zum Kirchenabbruch und Neubau erscheint separat zum 165jährigen Bestehen der Kirche. 

Anno 1839: Am 2. Juni kamen hier der Herr Bischof und Generalsuperintendent Dr. Johann Heinrich Bernhard Draeseke an, um eine Visitation zu halten. Am 13. Juni hielt er Schulvisitation, am 13. Juni war auch Synodal-Gottesdienst vor den versammelten Geistlichen der Diözese, am 15. Juni hielt der Herr Bischof einen Wachengottesdienst mit Altargebet und Predigt. Am 16. Juni wurde in hiesiger Kirche dreimal Gottesdienst gehalten. Den Tag darauf unterredete sich der Bischof mit den konfirmierten jungen Leuten der letzten Jahre von Salza und Herreden am Altar in der Kirche und reiste bald darauf, morgens 10 Uhr wieder ab. Am 21. Juni nachmittags und 22. Juni früh vier Uhr wurde die hiesige Feldflur, besonders der Strich entlang von der Saugrube am Kohnstein (KZ Gedenkstätte), über den Salzaspring hinweg, nach dem „Dorfe Krimderode" zu, von einem starken Hagelwetter heimgesucht, das bedeutenden Schaden anrichtete. Dieses Jahr zeichnete sich überhaupt durch starke und häufige Gewitter mit heftigen Platzregen aus.

Anno 1840: Am 7. Juni starb „unser ewig unvergesslicher" König Friedrich Wilhelm III. Vierzehn Tage hintereinander dauerte das Trauergeläute! Von 12 Uhr bis 13 Uhr wurde täglich in 4 Pulsen geläutet. Am 19. Juli „wurde die Predigt zum Gedächtnis des verstorbenen hochseligen" König gehalten. 

Anno 1842 wurde das hiesige „Göttingsche Gut" (Junkerhof) an den königlich preußischen Major a.D. Herrn Weigelt zu Magdeburg verkauft. Derselbe bezog das Gut am 3. Oktober. Im November bis Dezember wütete hier eine sehr bösartige Masern-Epidemie, die größtenteils tödliche Brust- und Halsentzündungen verursachte. „Sie raffte 12 Kinder dahin, sämtlich unter 10 Jahren." Das Jahr 1842 zeichnete sich außerdem durch große Dürre aus, welche einen Misswuchs der Kartoffeln und Futterkräuter zu Folge hatte und eine Teuerung der Lebensmittel herbeiführte.

Anno 1843, den 14. März, früh acht Uhr, wurde die hier wohnhaft gewesene alte Witwe Apel geborene Jacobi im Sedegraben unter der Wiese, Wolfsgalgen genannt, unweit des Hörninger Fußstieges ermordet aufgefunden. Der Täter hat nicht ermittelt werden können. Am 6. August wurde hier, wie auch im ganzen preußischen Vaterland, das 1000jährige Erinnerungsfest des Bestehens der Einheit und Selbstständigkeit der deutschen Nation durch kirchliches Dankgebet und Lobgesang gefeiert mit Bezug auf den Vertrag zu Verdun im Jahre 843. 

Anno 1844: Von dem hiesigen Gutsbesitzer, Herrn Major a.D. Weigelt, war ein Antrag auf Spezial-Separation ausgegangen, und es wurden am 13. Februar und 26. Juli Termine in dieser Sache gehalten, die aber fruchtlos abliefen, weil keine Einigung erzielt werden konnte. Gegen eine Erkenntnis der königlichen Generalkammer zu Stendal, die den Antrag des vorgenannten Weigelt für begründet erklärte, wurde beim betreffenden Ministerium Widerspruch eingelegt. 

Anno 1845 ging das Ministerium auf den Widerspruch der Gemeinde ein, und es wurden am 22. Mai und 17. November Termine vor dem oberl. Gem. Assessor Eckhardt abgehalten, ohne dass etwas entschieden wurde. Die Ernte in diesem Jahr war gut, nur brachte die durch ganz Deutschland verbreitete Kartoffelfäule auch hier manchen Verlust zu Wege. 

Anno 1846: Mittels Erkenntnis vom 12. Juni 1846 erklärte das königliche Revisionskollegium für Landeskultursachen zu Berlin die Provokation des Gutsbesitzers Weigelt auf Spezialseparation für unzulässig und änderte die Erkenntnis der königlichen Generalkammer zu Stendal ab. Am 7. Mai wurde der Handarbeiter Christian Sachse im „Böttcherschen Steinbruche" im Kohnstein beim Steinbrechen von einem Felsstücke erschlagen. Am 3. September verunglückte ebendaselbst auf ganz ähnliche Art der Handarbeiter Heinrich Günther. „Seit Menschengedenken hat es einen so heißen Sommer, verbunden mit anhaltender großer Dürre nicht gegeben, als den gegenwärtigen. Die Sommerfrüchte wuchsen hier schlecht; Erbsen, Linsen und Wicken gediehen gar nicht. Am 20. August war die Ernte schon vorüber, die am 15. Juli anfing. Das ganze Feld, das Gemüse ausgenommen, war leer.

Anno 1847: In Folge der missratenen Kartoffelernte suchte Hungersnot das Land heim. Der Scheffel Weizen kostete 6 Rth. 80 Sgr. und der Scheffel Roggen 5 Rth 80 Sgr, Gerste 3 Rth, Hafer 2 Rth, der Scheffel Kartoffeln über l Rth. Ein bösartiges Nervenfieber, das im Hirtenhause ausgebrochen war, „raffte viele Menschen hin. Einige Häuser starben fast aus." Überhaupt war die Sterblichkeit sehr groß. Vom 1. Januar bis 30. April starben 46 Menschen." 

Anno 1848: In diesem Jahr welthistorischer Umwälzungen blieb es hier ruhig. Am 27. Juli und dem folgenden Tage hielt der Generalsuperintendent Dr. Möller in hiesiger Parochie Kirchenvisitation und Synode. 

Anno 1849: Am 31. Juli rückten hier 100 Mann von der 5. Kompanie des 2. Bataillons vom I. Ostpreußischen Landwehr-Regiment ins Standquartier und blieben in Salza bis zum 21. September, weil Nordhausen überfüllt war. Achtzig Mann derselben Kompanie lagen in Herreden. Die Cholera brach hin und wieder im hiesigen Kreise aus. Auch in Salza starben an dieser Krankheit vom l. bis 13. Oktober sechs Personen, fünf allein ein einem Haus. Einige kämpften kaum 12 Stunden, andere 24 Stunden. Der letzte, bei dem Nervenfieber auftrat, lag mehrere Tage, bevor er starb. Im Herbst dieses Jahres wurde die Vermessung und Bonitierung der hiesigen Feldflur zwecks Ausführung der Spezialseparation vorgenommen. 

Anno 1850 wird die Gemeinheitsteilung (Seperation) der Feldmark eingeleitet. Es erfolgen Vermessungen und Güterabschätzungen infolge verschiedener Umstände. Außerdem wurde auf dem hiesigen Pfarrhofe ein Wagenschuppen gebaut. Der hiesige Domänenpächter, Hermann Schneidewind, verstarb, so dass Hermann Berga an dessen Stelle die Pachtung der Domäne übernahm. Die Cholera brach wieder in unserer Gegend aus, diesmal stärker und früher als zuvor. Besonders in Bleicherode waren viele Menschen erkrankt. Hier in Salza starben neun Einwohner an der schweren Krankheit. 

Anno 1851: Von diesem Jahre ist weiter nichts zu berichten, als dass ein militärisches Manöver in der hiesigen Gegend stattgefunden hat, bei dem an den ersten beiden Tagen, am 8. und 9. September, der hiesige Ort eine Rolle spielte, die sich später bis nach Bleicherode hin erstreckte. Unser Ort hatte 120 Mann vom 32. Infanterieregiment bis zum 16. September einzuquartieren. In der Pfarre war ein Offizier untergebracht. Außerdem ist zu bemerken, dass in hiesiger Parochie die neue Kirchenordnung nach dem Entwurf vom 20. Juni 1850 eingeführt und ein Kirchenrat gewählt wurde. 

Anno 1852: Die Kartoffelkrankheit hat sich wenig oder gar nicht in der hiesigen Flur gezeigt. In der Separationsangelegenheit ist kein einziger Termin zu Stande gekommen. 

Anno 1853 wurden einige Vermessungen zur Separation durchgeführt und anerkannt. Die Ernte an Stroh und grünem Futter war reich, jedoch an Körnern nur mittelmäßig. Die Kartoffelkrankheit zeigte sich wieder, so dass die Lebensmittel teurer wurden. 

Anno 1854 wurden wieder mehrere Termine in Separationsangelegenheiten abgehalten. Die Ernte an Stroh, Grünfutter und Körnern war gut. Auch die Kartoffelernte fiel gut aus, da sich die Krankheit des Vorjahres nur gering zeigte. 

Anno 1855 wurden die Termine in der hiesigen Separationsangelegenheit fortgesetzt. Der alte Amtsschulze Credo legte sein Amt nieder und am l. Juli wurde der hiesige Besitzer der Untermühle, Herr Aschenbach, sein Nachfolger. Im Gemeindeforst Kohnstein brach ein Feuer aus, das aber bald gelöscht wurde. Die Getreideernte war wegen des nassen Sommers nur mittelmäßig. Dies hatte eine Teuerung der Lebensmittel zur Folge: Ein Scheffel Weizen kostete 4 1/2 Rth., ein Scheffel Roggen 3 Rth 20 Sgr., Gerste 2 Rth 20 Sgr., Hafer l Rth 7 1/2 Sgr. und ein Zentner Rübenöl 20 Rth. Am 15. und 16. September wurden hier in Salza wegen des Manövers bei Wülfingerode Einquartierungen vorgenommen. 

Anno 1856 wurde im Herbst die Flurseparation ausgefüllt, wobei jeder seine Pläne zugewiesen bekam. 

Anno 1857: Das außerordentlich dürre und heiße Jahr brachte nur dem Wiesenwuchs und Grünfutter bedeutenden Nachteil. Die Kartoffeln blieben gesund und mehlreich und hatten nur im Steinfelde (heute bebaute Fläche Hauptstraße/Bochumer Straße) kleine Knollen. Die Getreidepreise fielen. 

Anno 1858 war das Jahr wiederum sehr trocken. Auf Futterkräuter und Wiesenwuchs musste man verzichten, die Sommerfrüchte wuchsen nur mittelmäßig. Die Kartoffelernte war dagegen sehr gut. Anfang Oktober gab es am Himmel eine kleine Sensation. Dort zeigte sich der große „Donat'sche Komet". Ende Oktober verkaufte der Herr Major Weigelt aus unserem Ort sein Gut, „den Junkerhof", für 63.000 Reichstaler an Herrn Sommerguth aus Magdeburg. Major Weigelt hatte das Gut im Jahre 1842 für 30.000 Reichstaler erworben. Anfangs Dezember verließ er mit seiner Familie Salza und zog nach Berlin. Der neue Eigentümer, Herr Sommerguth, fing gleich an, die zum Junkerhof gehörenden Äcker zu parzellieren und zu verkaufen. Somit verlor der Junkerhof seine dazugehörende große Anzahl an Äckern.

Anno 1859 wurde im Frühjahr hinter Bölitz seinem Garten, gegenüber der Salzabrücke, der Gemeindebrunnen angelegt. August Höfer und Friedrich Wieseler wurden Schöppen. Am 14. März riss das Feldwasser vor Nordhausen die mittlere Joche (Stütze) des Altendorfer Steges hinweg. Mittags standen mehrere Menschen an der beschädigten Stelle, wobei von dem beschädigten Steg noch mehr Teile zerbarsten und einige Menschen ertranken. Unter den Opfern war auch der hiesige Mietmann und Handarbeiter Söllner. Der Marmordrechsler Schulze aus Charlottenburg, wohnhaft in Nordhausen, „stürzte von einem Felsen des Kohnsteins und blieb todt auf der Stelle". Infolge der Mobilmachung wurden mehrere Reservisten und Landwehrleute zum Kriegsdienst einberufen, kehrten aber bald zurück, nachdem in Italien der Frieden geschlossen wurde. Im Oktober trat der Herr Leutnant Berga die von ihm erpachtete königliche Domäne an den Ökonom Herrn Spötter ab. Das Jahr war wieder ein sehr heißes und trockenes. Die Ernte war im allgemeinen gut, nur was den Roggen betrifft, arm an Körnerertrag. 

Anno 1860 ist weiter nichts bemerkenswertes hier vorgekommen, als dass der Ökonom Friedrich Bölitz sein Haus am Wasser mit Garten verkaufte und mit seinem Schwiegersohn, Herrn Bley, die von ihm erworbenen „Weigeltschen" Gutsgebäude bezog. 

Anno 1861: am 5. Dezember, abends sieben Uhr, brannte das Gehöft des Müllers Robert Peter, der Obermühle gegenüber, das derselbe von Friedrich Bölitz gekauft hatte, bis auf die Grundmauern nieder. Zum Glück im Unglück war Nord-Ostwind, der die Flammenbrunst vom Dorfe abtrieb. Zur gleichen Zeit war eine starke Feuersbrunst in Hesserode. Es wurden in diesem Jahr vier neue Häuser gebaut. Die hiesige Spinnfabrik des Kaufmanns Steinecke, früher Günther, wurde in eine Mahlmühle verwandelt. 

Anno 1863: Am 17. März wurde der 50jährige Gedenktag des Anfangs der Befreiungskriege 1813-1815 auch hier durch eine Schulfeierlichkeit begangen. Gegen Mittag wurden „die alten Krieger aus jenen Zeiten" auf einem festlich geschmückten Wagen in das Gutshaus auf den Schern gefahren, wo eine festliche Zusammenkunft war. Am 15. Februar war schon vorher die 100jährige Gedächtnisfeier des Hubertusburger Friedens 1763 und der 50jährigen Gedächtnisfeier der Erhebung des preußischen Volkes 1813 kirchlich begangen worden. Im Herbst diesen Jahres wurde der Bau der zweiten Schule angefangen, aber nicht vollendet. Gleichzeitig wurde eine Fahrbrücke neben dem Steg über das Feldwasser vor dem Alten Tore zu Nordhausen zu bauen angefangen, aber erst nur die steinernen Tragpfeiler zum Teil hergestellt. Die Ernte war in jeder Hinsicht gesegnet. 

Anno 1864: Im Monat März wurde das hierselbst unter Nr. 62 belegene Ackergut Kellner, 38 Morgen Länderei enthaltend, nach dem Tode des letzten Besitzers Friedrich Kellner verkauft und zerstückelt. Die eine Hälfte kaufte der hiesige Ackermann Friedrich Petermann. Die andere Hälfte der hiesige Ortschulze und Mühlenbesitzer Aschenbach. Am 22. März wurde der bei der Flurseparation zur Erweiterung des früheren hiesigen Gottesackers ausgeworfene Platz, nachdem er mit einer jungen, lebenden Hecke umfriedet und mit einem Tore versehen war, von dem Ortspfarrer und Superintendenten Girschner feierlich eingeweiht und in Gebrauch genommen. Zugleich wurde die erste Verstorbene, Luise Becker, Tochter des Böttchermeister Karl Becker, auf demselben beerdigt. Am 14. Oktober weihte der Pfarrer und Superintendent Girschner die neuerbaute zweite Schule ein. Zugleich wurde auch der zweite hiesige Schullehrer, Herr Samuel Gottfried Pantow von Mühlhausen gebürtig, feierlich vor versammelten Schulknaben und in Gegenwart des Orts- und Schulvorstandes in sein Amt eingeführt. Im Herbst wurde die neue Fahrbrücke vor dem Alten Tore bei Nordhausen vollendet und der bis dahin vorhandene Steg abgebrochen. Der hiesige Diedelt'sche Gasthof (Friedenseiche) wurde nach dem Tode des letzten Besitzers an den Ackerbürger Konrad Friedrich Isleib von Nordhausen verkauft. Am 18. Dezember, als dem vierten Advent, wurde auch hier nach der glorreichen Beendigung des Schleswig-Holsteinischen Krieges durch die Preußen das angeordnete Sieges- und Dankfest kirchlich gefeiert. Die Ernte war in jeder Hinsicht gesegnet an Körnern, Stroh, Kartoffeln und Wiesenwuchs. 

Anno 1865: Im Frühjahr war fast im ganzen Deutschland, wie auch hier, ein unerhört reichlicher Schneefall eingetreten. Der Sommer zeichnete sich durch eine anhaltende, fast beispiellose tropische Hitze im Juli und August aus. Die vorhergehende Dürre bewirkte eine sehr schlechte Ernte. Am 8. August verstarb der hiesige Ortschulze und Mühlenbesitzer Karl Aschenbach, dessen Amtsnachfolger der hiesige Gutsbesitzer Bley wurde und zwar noch im Monat September. 

Anno 1866: In diesem Frühjahr wütete hier der Unterleibstyphus, der besonders junge Leute befiel.Im Februar trat der hiesige Ortsschulze Bley nach kurzer Dienstverwaltung vom hiesigen Schulzenamte zurück. Der Obermüller Friedrich Gerlach wurde sein Amtsnachfolger. Sonnabend, den 7. April standen mehrere anhaltende Gewitter mit etwas Hagel und starkem Platzregen von 5 bis 8 Uhr abends, vom Westen kommend, am Himmel, und um 6 Uhr erfolgte auf der Höhe des Weges nach Herreden vor dem Holze und etwas zu beiden Seiten ein Wolkenbruch, so dass das herabstürzende Wasser in die hiesige Untermühle drang und sich sogar über den vor dem Dorfe gelegenen Begräbnisplatz bis an das Kreuz (stand an der Bochumer Straße) und in der Umgegend verbreitete. Hätte sich dasselbe in der Nacht ereignet, so hätten leicht Menschen und Vieh zu Schaden kommen können. Forellen aus der Salza wurden in den Häusern gefangen. Tags darauf, am Sonntag, war der Fahrweg nach Herreden für Fuhrwerke nicht zu passieren. „Die junge Mannschaft, die aus hiesiger Gemeinde an dem diesjährigen, ewig denkwürdigen Kriege mit Österreich und dessen Bundesgenossen kämpfend teilnahm, kehrte mit Ausnahme eines einzigen, der leicht verwundet wurde, wohlbehalten zurück". Siegesfeste und das Friedensfest wurden hier, wie auch im übrigen preußischen Vaterlande feierlich begangen. Die Ernte an Wiesenwuchs, Futterkräutern, Körnern und besonders am Stroh war reichlich. Nur die Kartoffeln haben an der Nässe gelitten. Dem vormals Jödecke'schen, jetzt Rieze'schen Gasthofe (Goldener Löwe) wurde ein neuer Tanzsaal bis an die Kirchhofsmauer angebaut.

Anno 1867: Die Getreideernte fiel in diesem Jahr schlecht aus, dagegen waren Futterkräuter, Wiesenwuchs und Kartoffeln gut geraten. Am Stadtwege (untere Hauptstraße) wurden vier neue Häuser gebaut, auch zwei dem Isleibschen Gasthofe gegenüber, am Wege nach der Salza (Theo-Neubauer-Straße). Das Bataillon des 56. Regiments, das bis Dezember in Nordhausen lag, hielt häufig Schießübungen im „Hirschenthale" auf hiesiger Flur. 

Anno 1868: Am 15. Januar, nachts l Uhr, brannte das Wohnhaus des Schuhmachers Ferdinand Weber an der Salza nebst Stallgebäude ab und das danebenstehende, kaum neuerbaute andere Wohnhaus desselben wurde am Dachstuhl beschädigt. „Die Weberschen Eheleute wurden, als der vorsätzlichen Brandstiftung verdächtig, gefänglich eingezogen". Das bösartige Nervenfieber, der Typhus, wütete hier stark. Ganze Familien erkrankten, viele überlebten dies nicht. Im Oktober wurde die Strecke für die Eisenbahn abgesteckt und vorbereitet, die von Nordhausen nach Nüxei durch unsere östliche Flur geht. Am 7. November ließ die hiesige Gemeinde den Brunnen an der Kirchhofsmauer graben.

Anno 1869: Am 1. August wurde die durch die hiesige Flur führende Nüxeier Eisenbahn eröffnet. Im Monat Juni hielt der Generalsuperintendant Dr. Möller in hiesiger Gemeinde die Kirchen- und Schulvisitation. Zugleich wurde eine Synode mit den Geistlichen und Schullehrern der Diözese Salza hier gehalten. Die zwölfjährige Ernestine Hoffmann ertrank im Dezember im Feldwasser bei Krimderode.

Anno 1870: Am l. Oktober wurde der bisherige Ortspfarrer Girschner emeritiert (pensioniert), der Pfarrer Riedel in Hesserode war Vikar für Pfarre und Superintendantur. „Am 19. Juli kam die Kunde von der Kriegserklärung Frankreichs gegen uns ins Land. Gott war aber mit uns. Ihm sei die Ehre. Die Salzaer Krieger kamen alle gesund und unverwundet nach Hause. Eine Gnade Gottes, die die Gemeinde nicht vergessen sollte. Der bei Sedan gefallene Jäger Schrader, war zwar von hier gebürtig, aber wohnte in Tettenborn." 

Anno 1871: Der ersehnte Frieden wurde mit Loben und Danken gefeiert. „Gott wecke aber viel Gottesfurcht, als die beste Frucht seiner reichen Gnaden, die wir erfahren haben" (Worte von Pfarrer Riedel). Am 8. April ertrank die Witwe Hagen in der Salza. Am 18. Februar ertränkte sich der Handarbeiter Hentrich im Grundlosen Loch. Am 23. April hielt Pfarrer Riedel die Lokalprobe in Salza und wurde am 25. Juni von Sup. Vicar Wagner in Nordhausen eingeführt. Am 10. Mai wurde endgültig der Friede zu Frankfurt am Main geschlossen. Im Sommer wüteten die Pocken, die von Frankreich eingeschleppt wurden, in schrecklicher Weise. Es starben 50 Personen ungeimpft. Die Notwendigkeit des Impfens wurde hier wieder nachweisbar. Am 10. August verunglückte der Handarbeiter Müller im Kalksteinbruch des Zimmermeisters Hoff durch Herabstürzen einer gewaltigen Kalkwand mit noch zwei Arbeitern. Müller verstarb sofort, die anderen beiden wurden leicht verwundet.

Anno 1872 wurde der Amtsbezirk Salza gebildet, bisher gehörte der Ort zum Amt Woffleben. Am 18. Februar wurde eine Eiche (Friedenseiche) auf dem Platz vor dem Gasthaus des Herrn Isleib gepflanzt. Der Pfarrer hielt unter Beteiligung der ganzen Gemeinde und aller Vereine die Festrede. Am 18. August wurde mit einer Gedenkfeier an den 1. Sieg bei Gravelotte und am 2. September an den Sieg bei Sedan gedacht. Der Pfarrer erzählte im Garten des Gasthauses von Herrn Isleib über die Schlacht bei Sedan. Ebenfalls am 18. August wurde die Gaststätte „Schnabelsburg" feierlich eingeweiht. Am 28. Februar feierte der frühere Bäckermeister Görlach sein 50jähriges Ehejubiläum in der Kirche. Der König schenkte aus diesem Anlass 10 Mark und Majestät Königin Elisabeth eine Bibel. Am ersten Mai zahlte der Forstfiskus an die Pfarre 56 Mark 20 Groschen für die Meterbruchteile des Holzes, das aus dem königlichen Forst an die Pfarre zu liefern ist. Die Ernte war gesegnet, bis zum Jahresschluss herrschte mildes Wetter. 

Anno 1873: Im Januar unerhört mildes und warmes Wetter. Am 16. Januar wurde der Arbeiter Reinhardt im Kalksteinbruch des Herrn Große verschüttet und „blieb auf der Stelle todt". Er war den ersten Tag in dieser Arbeit und von dem Ziegelstreicher August Credo weggegangen, weil ihm der Lohn von 11 Thaler 3 Silbergroschen zu gering war. Am 7. Oktober beendete der Armenhändler Bauersfeld sein Leben dadurch, dass er sich zwischen dem Bahnwärterhaus Nr. 282 und Nr. 283 auf die Eisenbahnschienen legte und sich durch den letzten Abendzug überfahren ließ. Bei dem Brunnenneubau auf dem Schulhofe wurde ein Stein mit der Jahresnummer 1735 gefunden. (Wobei es sich hier handelte wurde nicht näher erläutert. Vermutlich ein Grenzstein.)) Die Ablösung des Holzes aus dem königlichen Forst Kohnstein, des Roggens, der Ölbuchen, der Weihnachtgelder und sämtlicher sonstiger Einrichtungen der Pfarre und Küsterei (Schule I) wurde in Salza, desgleichen in Herreden, eingeleitet und in Salza zum l. April 1876 vollendet. 

Anno 1874: Am 30. März verstarb der langjährige Rendant der Kirchenkasse von Salza und Kirchenältester August Höfer. An seine Stelle wurde der Kirchenälteste und 2. Lehrer Pantow als Rendant gewählt. Am 4. Mai war so starker Frost, dass die reiche Baumblüte großenteils erfror. Im Oktober und November herrschte großer Wassermangel. Mit dem l. Oktober trat das „leidige Civilstandsgesetz" in Kraft. Damit verlor die Kirche die Vormachtstellung, Dokumente auszustellen. Alle Geburten, Trauungen und Sterbefälle mussten nun erstrangig beim Standesamt gemeldet und beurkundet werden. Herr Ortsschulze und Amtsvorsteher Gerlach war nun auch Standesbeamter. Durch seine Bemühungen und sein „dankenswertes Entgegenkommen" wurde in Salza vorläufig noch die „auflösende Einwirkung" dieses Gesetzes (gegenüber der Kirche) aufgehalten.

Anno 1876: Der Winter 1875/76 war streng und lang. Es wollte kein Frühling werden. Bis Anfang Juni musste in den Stuben geheizt werden. Außerdem war der Winter sehr wasserreich, was den Weg nach Herreden unbefahrbar machte. Ein sehr trockenes Frühjahr schloss sich an, so dass das Wintergetreide eine spärliche Ernte versprach. Am 10. März 1876 wurde in den Schulen des Landes der Gedenktag an den l00jährigen Geburtstag der unvergesslichen Königin Louise gefeiert. Am 9. Juni verstarb an Altersschwäche der 1. Lehrer und Cantor, Organist und Küster Friedrich Wilhelm König. Dieser hatte fast 50 Jahre an der hiesigen Schule gedient und allezeit seine Treue im Schul- und Kirchendienst erwiesen. Am 27. Mai hätte er sein 50jähriges Dienstjubiläum feiern können. Am 11. Juni wurde Cantor König unter allgemeiner Teilnahme der Gemeinde und Schulmädchen, auch der Konfirmierten, beerdigt. Am 3. August „um die Mittagsstunde ersäufte sich der Handarbeiter Levin im Delirium (Irrsinn) im Grundlosen Loch." Am 10. August wurde die alte Dorfspritze (Löscheinheit der Feuerwehr), die im Jahre 1753 von Brauhoff gebaut wurde, verkauft, da eine neue Spritze beschafft war. Am 22. August zerstörte eine Feuersbrunst 16 Wohnhäuser und einige Nebengebäude. Viele Salzaer standen vor dem Ruin. Aufrufe in den Zeitungen führten zu Spenden von Geld, Kleidern, Bettwäsche und Lebensmitteln sowie sonstigen Gaben. Näheres zu diesem Brand wird später berichtet. „Am Sonntag, dem 15. Oktober 1876, vormittags 7 Uhr, entstand ganz plötzlich ein schweres Gewitter, so dass alles ringsum verdunkelt war. Man sah keinen Blitz und hörte nur ganz schwache, sehr kurze Donnerschläge, wie entfernte Kanonenschläge. Nur ein Blitz fuhr herab, schlug in das Haus des Zimmermeisters Carl Hoff, am Stadtwege, zertrümmerte dort das Dach, verschiedene Wände und Öfen, warf die Möbel um und auch die Menschen." Einige Personen trugen Lähmungen davon. Am 8. Dezember erhielt der Lehrer Sander aus Erfurt, der bereits vom 1. November an, „während des Gnadenfalljahrs" der Witwe König Unterricht erteilte, die 2. Lehrerstelle. Die 1. Lehrerstelle, zugleich Cantor-, Organist- und Küsterstelle, erhielt der bisherige 2. Lehrer Gottfried Pantow, der vom 8. Dezember an in hiesiger Stelle fungierte. Die Küsterei war zu diesem Zweck ausgebaut und wohnlich hergerichtet worden. 

Anno 1877: Am 7. Juni wurden Gustav Bley, Louis Etzrodt und Friedrich Mehler in den Gemeindekirchenrat gewählt. In die Gemeindevertretung wurden wiedergewählt: Arthur Credo, Wilhelm Eisfeld, Heinrich Hartmann, Gottfried Lutze und Wilhelm Gerlach. Neugewählt wurden: Louis Mehler und Moritz Peter. Zum Jahreswechsel wurde die Küsterei mit der 1. Schule gründlich repariert, nachdem der Cantor Pantow das Amt angetreten hatte. Die Kirchenuhr, die seit dem Tode des Cantors König nicht mehr gehen wollte, wurde von dem Mechanikus Hammer gründlich repariert.

Anno 1881 Vom 11. bis 14. Juni visitierte Herr General-Superintendant Dr. Möller das Pfarramt zu Salza und Herreden.

Anno 1882 wurde die Chaussee von der Nordhäuser Grenze bis zum Mühlwege gebaut. (Dabei handelt es sich um die Hauptstraße, die an der Bochumer Straße beginnt und sich bis Richtung Herreden erstreckt.) 

Anno 1882/83 wird der im Vorjahr begonnene Straßenbau bis zur Herreder Grenze fortgeführt, wodurch die Herreder Landstraße entsteht. Sie ist 1885 fertig. Anno 1883, am 10. Juni nachmittags 2 Uhr, schlug „ein sagenwerter kalter Blitz" in das Stalldach auf dem Gehöft des Herrn Bley ein und zerstörte einige Ziegeln und Sparren.

Anno 1884: Das Kirchendach wurde im Herbst 1884 vom Dachdeckermeister Worbis zu Salza neu eingedeckt und in Zement gelegt. Am Sonnabend, dem 13. September, wurde der Grundstein zu der neuen Schule unter Beteiligung der Orts- und Kirchenvorstände von der Gemeinde gelegt. Der Bau wurde durch die Ansprache des Superintendenten Riedel geweiht. 

Anno 1885: Am 1. April wurde der Gutsbesitzer Gustav Bley zum Schulzen gewählt und das bis dahin verbundene Schulzen- und Amtsvorsteher-Amt getrennt. Der königliche Oberamtmann Schmalfuß blieb Amtsvorsteher. Im Sommer wurde die eiserne Brücke über die Salza, in der heutigen Herreder Straße, im Zuge der Salza Herreder Chaussee gebaut. Der Pfarrer und Superintendent Riedel, der am 25. Juni 1871 hier in Salza und zu Herreden sein Amt antrat, ließ sich zum 1. Oktober 1885 pensionieren und hielt am 20. September seine Abschiedspredigt.

Anno 1891: „Den 09. Januar abends um 18.00 Uhr waren wir durch den Feuerruf der Glocken erschreckt. Es brannte das Kesselhaus der Dampfschmiedemühle des Herrn Carl Hoff am Stadtwege. Den anstrengenden Bemühungen der hiesigen Feuerwehr, die bald auf dem Platz erschien, gelang es in Kürze Herr des Feuers zu werden und die Feuerstelle auf seinen Herd zu beschränken. Der Dampfkessel war noch rechtzeitig abgelassen. Es ist dies bislang das erste große Feuer seit dem großen Brande 1876."

Anno 1893: Schon seit einiger Zeit wurde nach einem Pfarrer für unsere Gemeinde gesucht. Doch die mittlerweile schlechten Zustände in unserer Gemeinde ließen die Bewerber mit Schrecken wieder abreisen. Ein Schreiben aus dem Jahre 1893, das von dem Pfarrer Friedrich Wilhelm Bernhard Höhndorf (1849-1919) stammt, lässt nur einiges erahnen. Höhndorf war Pfarrer zu Sangerhausen und wollte wegen der Schließung des dortigen Gymnasiums seine Arbeitsstelle wechseln, damit seine Kinder das Gymnasium in Nordhausen besuchen konnten. Doch in seinen Schreiben war folgendes zu lesen: „Inzwischen zog wie eine Gewitterwolke die Aussicht, von Sangerhausen nach Salza bei Nordhausen versetzt zu werden, über mich hin. Als ich aber selbst in Salza gewesen war und die dortigen kirchlichen Zustände kennengelernt hatte, bekam ich einen solchen Schrecken, dass ich das Konsistorium bat, von seiner freundlichen Absicht abzusehen und mich in Sangerhausen zu lassen, bis ich etwas anderes fände. Die Verhältnisse erschienen mir in Sangerhausen schon miserabel genug, dass ich mich nicht gern in noch miserablere begeben mochte."

Anno 1900 bekam unsere Gemeinde dann doch einen neuen Pfarrer und Superintendenten. Das lange Warten hatte sich gelohnt. Denn dieser Pfarrer brachte unsere Gemeinde wieder "auf Vordermann". Dass auch er die Zustände in unserem Dorf vorab kannte, zeigen die Aufzeichnungen seiner Tochter Grete aus dem Jahre 1900, als die Familie Gallwitz ihren bisherigen Wohnort Sigmaringen verließ. Sie schrieb dazu: "Der Abschied wurde ihnen nicht leicht und den Sigmaringern auch nicht. In Scharen waren sie zum Bahnhof gekommen, ihren Pfarrer und seine Familie nochmals zu sehen. Vater würde am Südharz eine durch das lange Fehlen eines Pfarrers verwahrloste Gemeinde übernehmen, die ihm ein viel größeres und auch schwierigeres Arbeitsgebiet werden würde, das zu entwickeln und zum Blühen zu bringen er sich erhoffte." Grete Gallwitz, die später ihre Tagebücher und Erinnerungen unter ihren Namen Grete Paquin veröffentlichte, wurde eine weltbekannte Schriftstellerin, die durch ihr Buch "Mohr und blinder Kater" unser kleines Dorf Salza weit über die europäischen Grenzen hinaus bekannt machte. Der neue Pfarrer, Friedrich Johannes Theodor Gallwitz, war bis 1914 Pfarrer zu Salza und Herreden, sowie Superintendent der Diözese Salza. In seiner Amtszeit entwickelte sich Salza wieder zu einer ansehnlichen Gemeinde. Das gesamte Umfeld der Kirche wurde neu gestaltet.
Letzte Änderung: 04.03.03 (UG)
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