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Thüringen
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Gehofen

Der Marktflecken Gehofen (1815: 120 Häuser, 650 Einw.; 1890: 1059 Einw.) mit seiner weithin sichtbaren neugebauten gotischen Kirche wird bei dem Straßensteine 2,7 erreicht. Die Entfernung von der Ritteburger Unstrutbrücke beträgt also genau 2 km. Gehofen ist ein uralter, schon 786 im Brevarium des Lullus unter den Besitzungen des Klosters Hersfeld aufgezählter Ort.


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Der Name (786 Hovun, 1188 Gehoven) bedeutet "zu den Höfen"; demnach muss der Ort schon von Anfang an aus mehreren Höfen bestanden haben. Ob darunter die noch jetzt vorhandenen 3 Rittergüter zu verstehen sind, muss dahin gestellt bleiben, doch ist es wahrscheinlich. Da Gehofen zu dem Burgbezirke Ritteburg, bzw. zu der Herrschaft Artern gehörte, so hat es politisch das Geschick derselben geteilt. Lehnsherren waren nach einander die Grafen von Hohnstein (bis 1391), seit 1391 die Edlen von Querfurt, seit 1448 wieder ein Graf von Honstein, der 1449 eine Hälfte an die Grafen von Mansfeld verkaufte. 1483 wurden die Grafen von Mansfeld alleinige Besitzer.

Ein Geschlecht von niederem Adel, dessen Mitglieder von der Mitte des 13. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts in den Urkunden erwähnt werden, nannte sich nach dem Orte.

Als im Jahre 1448 der Edle Bruno IX. von Querfurt die Herrschaft Artern mit Vockstedt und Gehofen verkaufte, waren bereits die Familien v. Hacke und v. Kannewurf in Gehofen ansässig. Letztere besaßen den Hauptrittersitz, das Schloss, auch blauer Hof genannt, welcher später an die Familie von Harras überging und darum auch jetzt noch im Volksmunde der Harrashof heißt; erstere besaßen ein freies Siedelgut, welches nach ihnen bis auf heutige Zeit der Hackenhof oder auch, weil eine Zeitlang ein Domherr, Anton Albrecht v. Eberstein, der Besitzer war, der Domhof genannt wird.
Außerdem gab es aber noch ein drittes Rittergut, welches der Familie von Trebra gehörte und darum der Trebraische Hof genannt wurde; nachdem jedoch 1662 auch dieser, wie (seit 1529) die übrigen beiden Güter in den Besitz der freiherrlichen Familien von Eberstein übergegangen und das Herrenhaus neugebaut worden war, empfing es den Nebennamen "der neue Hof". Im Jahre 1720 wurde von dem Hackenhof auch noch das Teichdammgut abgezweigt.
Auf den Antrag des Feldmarschalls Ernst Albrecht von Eberstein, welcher im 17. Jahrhundert ganz Gehofen erworben hatte, erhielt nach 1671 das bisherige Dorf zwei Jahrmärkte und wurde seitdem ein Marktflecken. Den Übergang des Trebraischen Hofs an die Familie von Eberstein hat eine Sage1) festgehalten, nach welcher der Feldmarschall Ernst von Eberstein den Besitzer des Trebraischen Hofes ums Jahr 1656 im freien Felde erschlagen hätte, obwohl ihn derselbe knieend flehentlich um sein Leben gebeten habe. Zum Andenken daran sei dem Ermordeten dann in der Gehofener Kirche ein Denkmal gesetzt worden, auf welchem derselbe knieend dargestellt ist. Dieser knieende Ritter heißt in Beziehung auf jene Sage allgemein der Betmann von Gehofen. Natürlich ist die Sage ohne geschichtlichen Grund; Tatsache ist nur, daß ein Ritter namens Betmann von Trebra, ein Zeitgenosse des Feldmarschalls, mit diesem über Besitzverhältnisse in Gehofen Streit gehabt hat.
Auf dem Trebraischen oder Neuen Hofe hat sich auch im Jahre 1683 mit der Ehefrau Georg Sittigs von Eberstein jene von Zeugen beschworene Gespenstergeschichte zugetragen, die drei Universitäten in Aufregung und viele Federn in Bewegung gesetzt hat. Auch Gellert gedenkt ihrer in seinen Fabeln mit den Worten:

"Ein solches Tier
Als zu Gehofen ehedessen
Die Küch┤ im Edelhof besessen,

Dies sind Gespenster, glaube mir."
Der erwähnten Edelfrau soll nämlich ein Gespenst in Gestalt einer weißgekleideten Nonne erschienen sein und sie sowohl bei Tage wie bei Nacht gebeten haben, ihr zu folgen, damit sie einen in wilder Kriegszeit von ihr vergrabenen Schatz hebe. Aber weder Bitten noch Drohungen noch Misshandlungen konnten die Monate lang Gepeinigte bewegen, mit dem Gespenste nach der bezeichneten Stelle zu gehen oder sich den Schatz, von welchem drei Ringe dem Eberstein┤schen Geschlechte beständiges Glück bringen sollten, durch Werfen irgendeines Gegenstandes auf den sich zeigenden zu sichern, bis endlich der Geist, weil er einsah, daß er bei der Frau von Eberstein doch nichts ausrichten würde, im Frühjahr 1684 plötzlich und für immer Abschied nahm.2)

Früher besaß Gehofen eine uralte romanische Kreuzkirche mit rundbogigen Fenstern und Türen, welche dem h. Johannes dem Täufer geweiht war. Als dieselbe bald nach 1825 einer Reparatur unterzogen wurde, beging der erst kurz zuvor eingeführte Pastor Wollweber eine Tat unglaublicher Rohheit. Dem königlich dänischen Feldmarschall Ernst Albrecht von Eberstein, welcher im Jahre 1659 den Sieg der Dänen über die Schweden bei Nyborg auf Fünen hatte erfechten helfen, war nämlich nach seinem Tode (9. Juni 1676) in dem Erbbegräbnisse der Familie an der Südseite des hohen Chors der alten Kreuzkirche und mit ihm seiner Gemahlin Ottilie Elisabeth von Ditfurt ein prachtvolles Grabdenkmal aus Marmor und Alabaster errichtet worden, welches von einem Schüler des berühmten Bildhauers Norseni gearbeitet worden war und die für jene Zeit außerordentlich hohe Summe von 6000 Talern gekostet hatte. Dies herrliche Werk ließ der Pastor Wollweber, der dem ihm entgegengebrachten Wohlwollen der Familie von Eberstein seine ungewöhnlich einträgliche Stelle verdankte, von dem zum Abbruch der Kirche bestellten Arbeitern in Stücke schlagen, und nur dürftige Bruchstücke davon sind noch vorhanden. Schade, daß dieser Barbar im Chorrocke nicht gerichtlich belangt worden ist!
Am 1. Febr. 1859 wurde mit dem Abbruch der alten Kirche begonnen und in den Jahren 1866-1868 eine neue in gotischem Stil nach einem Entwurfe des Oberhofbaurates Persius in Berlin, des Vollenders der Burg Hohenzollern, aus Nebraer Sandstein ausgeführt. Übrigen ist die Flur von Gehofen mit höchster Wahrscheinlichkeit die Stätte, auf welcher im Jahre 933 König Heinrich I. seinen herrlichen Sieg über die Ungarn erfochten hat, da verschiedene Namen der Flur auf dieses Ereignis hinweisen. Zwischen dem Gasthofe zur goldenen Aue und dem Bahnhofe führt von der Heerstraße "der lange Rain", der zuletzt als ein Talgrund verläuft, nach Süden. Östlich von demselben, etwa ¼ Stunde von der Chaussee entfernt, erhebt sich der Schlachtberg, welcher aus dem Gebirge der Finne bastionsartig hervorspringt, und früher einige Erhöhungen trug, welche man für Schanzen hielt. Ostwärts schließt sich an denselben die Leichengebreite an, an deren Fuße eine erhabene Stelle die Kanzel heißt. Der westliche Abhang führt den Namen Totenberg. Alle diese Namen deuten offenbar auf eine Schlacht hin, welche vorzeiten hier stattgefunden haben muss. Eine solche behauptet auch die Sage. (Vgl. "Der h. Bonifatius in der Ungarnschlacht", Größler, Sagen der Grafsch. Mansfeld, Nr. 254, S. 212.) Waffen in Mengen sollen auf dem Schlachtberge gefunden worden sein. Aber auch auf einer andern nahegelegenen kleinen Anhöhe, der Bickingergebreite, sind im Jahre 1833 viele Gräber aufgedeckt worden, in denen man Schädel fand, die auf einer oder beiden Seiten, anscheinend durch Streitäxte, eingeschlagen waren. Die Gräber selbst waren sehr klein, an den Seiten mit Steinen ausgesetzt; die Körper waren zusammengedrückt beigesetzt worden, so daß die Kniescheibe das Kinn berührte, und lagen auf der rechten Seite so, daß das Gesicht gegen Morgen gewendet gewesen war. – Der Schlachtberg ist jetzt zu Ackerland gemacht und ohne irgendwelche sichtbare Merkwürdigkeit.
Zwischen Gehofen und Nausitz (1890: 283 Einw.) bei dem Steine 4,3 führt ein Fahrweg südwärts zu dem etwa 7 Minuten entfernten, mit Bäumen bepflanzten, terrassierten Galgenberge, von welchem man eine schöne Aussicht auf das Unstruttal haben soll.

1) Größler, Mansfelder Sagen, Nr. 258, S. 215
2)
Ausführlich behandelt diese Geschichte Düval in "Thüringen und der Harz" V, S. 237-240-

Quelle: Prof. Dr. Hermann Größler, Freyburg 1904; "Führer durch das Unstruttal von Artern bis Naumburg"

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Letzte Änderung: 17-Oct-99 (UG)
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