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Täufer, Neutäufer, Widertäufer, Anabaptisten ... Letzköpfe

Viele Namen für eine alte, geistige Bewegung.
Wenn man heute bloss bei "bluewin" im Internet nach dem Wort Täufer sucht, so erhält man mindestens zweihundert Verweise auf mehr oder weniger aktuelle Literatur zum Thema.
Meine Seite hier stellt eine Zusammenstellung einiger Elemente dar. Damit möchte ich Familienforscher/innen, die wie ich, plötzlich in der Familiengeschichte auf diese, oft verschwiegenen Vorfahren stossen, erste Information bieten.

Ums Jahr 1500:

Das Täufertum ist im Aufbruch der frühen Reformation um 1520 entstanden. In ihm verbinden sich spätmittelalterliche Volksfrömmigkeit, humanistische Zeitkritik und Abneigung gegen Obrigkeit und Pastorentum.

Auf die Niederschlagung des Schweizerischen Bauernaufstandes 1525, wurde das Täufertum zum Sammelbecken von Männern und Frauen, welche sich in ihrem Bemühen um Wiederherstellung des "wahren Christentums" für eine radikalere Reform einsetzten.

Als Täufer, Wiedertäufer oder Anabaptisten wurden dabei diejenigen Vertreter der Bewegung bezeichnet, deren gemeinsames Kennzeichen die Verweigerung der Kindertaufe (in der Bibel nirgends erwähnt) und die Praxis der Glaubenstaufe im Erwachsenenalter war (siehe Johannes der Täufer). Sie erkannten nur einen Herrn über sich und weigerten sich darum einer Obrigkeit einen Treueid zu schwören. Zudem war ihre erklärte Gewaltfreiheit entgegengesetzt zur obrigkeitlich geforderten Wehrhaftigkeit.

Am 21.1.1525 praktizierten erstmals ehemaliger Schüler und Freunde Zwinglis, in Zürich, eine gegenseitige Glaubenstaufe unter sich.
Zwinglis Dilemma war: soll das Christentum angepasst dem Obrigkeitlichen Nutzen für alle sein, oder stark und rein für eine ausgewählte, kleine Gruppe.
Er entschied sich, zusammen mit der Obrigkeit zu gehen und begründete die Reformierte Landeskirche.
Damit wurden seine früheren Freunde zwangsweise zu seinen Gegnern. Oder leider - er wurde ihr Verfolger.

Die Täufer Bewegung verbreitete sich, gerade wegen flüchtigen Verfolgten, bald in die Ostschweiz und in den Süddeutschen Raum, durch Graubünden nach Südtirol, über Basel ins Elsass und nach Bern. Manchenorts vermischten sich diese Impulse mit anderen radikalen und täuferischen Anschauungen.

Für die Täufer auf eidgenössischem Territorium kommt der in Schleitheim verabschiedeten "Brüderlichen Vereinigung" von 1527, den sog. Schleitheimer Artikeln, besondere Bedeutung zu. Mit diesem Bekenntnis grenzte sich eine fortan als Schweizer Brüder bezeichnete grössere Gruppe sowohl gegen andere Täufer als auch gegenüber den Volkskirchen ab und konstituierte sich als erste Freikirche.

Merkmal der Schweizer Brüder war ihre Verpflichtung auf die Bibel. Darum ihr Streben nach sichtbarer "Besserung des Lebens" von der Welt abgesonderten, gewaltlosen Gemeinschaft. Durch die radikale Kritik der Täufer an der religiös-sozialen Situation ihrer Zeit, sowie der in ihren Augen unheilvollen Allianz von Kirche und Obrigkeit, zogen sie den Zorn und die Repression der Mächtigen auf sich.

In der Eidgenossenschaft befanden sich im 16. Jh. die meisten Täufer in den reformierten eidgenössischen Orten Bern und Zürich, ferner in Solothurn, Basel, Schaffhausen, St. Gallen und Graubünden.

Wer der Obrigkeit den Treueid nicht schwört, war als Staatsfeind gezeichnet. Wer die Landeskirche nicht wie verordnet besuchte, war ein Abtrünniger.
Gefängnis, Folter, Güterkonfiskation, Verbannung und Hinrichtung wurden ihnen auferlegt. Doch eine komplette Ausrottung gelang nie.

Ein periodisches Nachlassen der Verfolgungen sowie Einflüsse aus Pietismus und Erweckungsbewegung liessen die Gemeinden später wieder anwachsen, führten teilweise aber auch zu ihrem Rückzug als "Stille im Lande". Nachdem sich bis ins 18. Jh. v.a. die Niederländischen Mennoniten vehement für ihre verfolgten Glaubensgeschwister in der Schweiz eingesetzt hatten, brachten erst die Aufklärung, ab 1740 und die Französische Revolution den Schweizer Täufern einige Erleichterung.

Eine kontinuierliche Präsenz täuferisch - mennonitischer Gemeinden von den Anfängen bis in die Gegenwart gibt es in der Schweiz nur im Kt. Bern, v.a. im Emmental. Dies obwohl sich gerade die Gnädigen Herren zu Bern, mehr als zwei Jahrhunderte lang durch eine beispiellos harte Linie hervorgetan und Hunderte von Täufern gejagt, verfolgt, ausgewiesen, auf Venezianische Galeeren verbannt hatten oder hinrichten liessen.

Zum Beispiel:

Wichtigste Fluchtorte für verfolgte Schweizer Täufer waren Mähren (heute Tschechien), später das Elsass und die Pfalz (D), ab dem 18. Jh. zudem das Fürstbistum Basel, der Neuenburger Jura, die Region Montbéliard (F), die Niederlande und Nordamerika. In den meisten dieser Regionen und Länder finden sich auch am Ende des 20. Jh. noch Nachkommen dieser Schweizer Täufer.

Viele von ihnen wissen sich noch immer ihrem Täufer Erbe verbunden und gehören zur mittlerweile weltweit als Mennoniten bezeichneten und 1 Mio. Mitglieder zählenden Freikirche.

Aus heutiger Sicht scheint vieles unverständlich. Für uns heutige Schweizer ist Glaubensfreiheit ein Verfassungsrecht. Doch sind wir ehrlich, erst mit meiner Generation wurde der Zivildienst in der Schweiz eingeführt. Auch Glaubenskriege gibt es noch, sogar in unserer Nähe.

Kommentar, Ergänzung oder einfach Alles aus Geschichte und Religion bitte an Karl Eichenberger - Seengen, am besten mit E-Mail: kamarea@gmx.net.
Herzlichen Dank.


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