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Das Fürstbistum Basel: Neue Grenzen (1566 - 1608)

Die Konsolidierung des Fürstbistums in den neuen Grenzen (1566 - 1608)

1566 Bischof Melchior von Lichtenfels beruft in Delémont zur Erhebung der vom Reich geforderten "Türkensteuer" eine Versammlung ein, aus der sich später die Landstände entwickeln; eine für die Herrschaft des Kleinstaates bis zu den 1730er Jahren bedeutungsvolle Institution.
  Auf den bei seiner Wahl erst 33-jährigen Bischof Jacob Christoph Blarer von Wartensee (1575-1608), den jüngsten der zur Wahl versammelten Domherren, wartet die bisher noch kaum in Gang gekommene kirchliche Reform im Sinne der Beschlüsse des Konzils von Trient innerhalb des politisch und konfessionell bedrängten und in seiner Existenz gefährdeten Bistums Basel. Seit 1559 Domherr im unter den Habsburgern rekatholisierten Konstanz, war er 1567 an der Synode zur Umsetzung der Konzilsbeschlüsse unter dem Bischof von Konstanz Kardinal Mark Sittich II. von Hohenems, Konzilsteilnehmer und Neffe von Papst Pius IV., beteiligt. 1570 hatte Blarer Gelegenheit, den Cousin des Bischofs, den späteren Heiligen und herausragenden Protagonisten der katholischen Reform Kardinal Carlo Borromeo in Konstanz kennenzulernen, mit dem er später als Bischof korrespondierte.
1578 Der Basler Domhof wird weitgehend neu gebaut.
1579 Der Bischof bringt mit Hilfe des Nuntius die schon von seinem Vorgänger aufgenommenen Bemühungen um ein Bündnis mit den sieben katholischen Orten der Eidgenossenschaft zum Erfolg. Es handelt sich um ein gegenseitiges Schutzabkommen, das dem Bischof insbesondere die Unterstützung bei der Wiederherstellung des alten Glaubens in seinem Herrschaftsbereich sichert.
Das Bündnis ist ein Auftakt zur faktischen Distanzierung vom Reich zugunsten von pragmatischen Allianzen mit unmittelbareren Nachbarn.
1581 Auf der Diözesansynode in Delémont werden die tridentinischen Reformbeschlüsse verkündet und ihre Durchführung in die Wege geleitet. Blarer konnte Petrus Canisius zur Teilnahme gewinnen. Die umfangreichen Statuten werden 1583 in Freiburg im Breisgau gedruckt.
  Blarer wählt Arlesheim als Schauplatz für den spektakulären Auftakt seiner Rekatholisierungskampagne, den er schon lange zuvor geplant hat. Vor der Ankunft des protestantischen Pfarrers aus Basel lässt er die Einwohnerschaft in der seit Jahrzehnten protestantischen Pfarrkirche versammeln, lässt sich begleitet von seinem Hof in die Kirche tragen, fordert die Anwesenden eindringlich zur Rückkehr zum alten Glauben auf und zelebriert persönlich eine Messe. Der Akt erregt Aufsehen bei den protestantischen Orten der Eidgenossenschaft.
  Die Rekatholisierungskampagne stösst in der Folge vor allem im Laufental auf energischen Widerstand und provoziert Proteste von Basel, das sich auf das Burgrecht beruft. Die Auseinandersetzung führt zur Bildung eines Schiedsgerichts aus je drei Vertretern der katholischen und der reformierten Orte der Eidgenossenschaft.
1583 Das Schiedsgericht beginnt in Baden zu tagen. Basel klagt gegen die vertragswidrigen Rekatholisierungsbestrebungen des Bischofs. Blarer dagegen antwortet mit einem Forderungskatalog, der sämtliche je von seinen Vorgängern besessenen Herrschaftsrechte auch über die Stadt umfasst. Die Verhandlungen ziehen sich mit Unterbrechungen lange hin.
1585 Stadt und Bischof kommen in Baden zu einem Vergleich: Gegen die Bezahlung der hohen Summe von 200'000 Gulden lässt der Bischof definitiv alle Ansprüche auf die im Laufe der Zeit an Basel verlorenen Rechte fallen, für die Rechte des Domkapitels wird eine Abfindungssumme von 50'000 Gulden vereinbart. Basel muss auf die bis zuletzt verteidigten Burgrechte im Birseck und im Laufental verzichten.
  Das Domkapitel widersetzt sich dem Vertrag in der Furcht, damit künftigen Möglichkeiten zum Wiedergewinn des Verlorenen einen Riegel zu schieben. Mit einer entsprechenden Argumentation verurteilt Papst Sixtus V. den Vertrag. Der Pragmatismus Blarers als Landesherr des bedrängten Kleinfürstentums wird so konfrontiert mit der gegenreformatorischen, idealistischen Zuversicht auf den schlussendlichen Triumph des gefestigten wahren Glaubens.
  Den Protestanten in den zuvor mit Basel verbündeten Gebieten wird im Vertrag zwar freie Glaubensausübung und Schutz vor zwangsweiser Glaubensänderung zugesichert, doch macht die Gegenreformation in den nun dem Einfluss Basels entzogenen Gebieten in der Folge wachsenden Fortschritt. Nach hartnäckigen Bemühungen ist der Protestantismus Ende 1589 im Laufental verschwunden. In den stadtnahen Gemeinden des Birseck zieht sich der Widerstand länger hin. Am längsten hält sich der protestantische Kult in Allschwil, der stadtnächsten Gemeinde des Fürstbistums, wo der Bischof das Einschreiten Basels fürchtet. Erst 1627 wagt der Neffe und Nachfolger Blarers, die Krisenzeit des dreissigjährigen Krieges nutzend und aus den frühen militärischen Erfolgen der katholischen Liga Zuversicht schöpfend, die zwangsweise Einführung des katholischen Kultes.
1586 Als erster Bischof seit der Verpfändung des Münzrechts an die Stadt von 1373 nimmt Blarer die bischöfliche Münzprägung wieder auf.
1587 Nach langen und schwierigen diplomatischen Bemühungen erreicht Blarer die Zurücknahme des päpstlichen Verbotes zur Ratifizierung des Vertrages und kann die Zahlungen Basels in Empfang nehmen. Seine Rolle im Zusammenhang mit der weiteren Verzögerung der Zustimmung durch das Domkapitel lassen aber vermuten, dass auch bei Blarer selbst nachträgliche Bedenken aufgekommen sind.
  Die Zahlung Basels trägt wesentlich zur finanziellen Sanierung des Fürstentums bei, und die bischöfliche Herrschaft wurde durch die endgültige Abwehr des in den Jura vordringenden Einflusses von Basel konsolidiert.
  Das Domkapitel kauft einen repräsentativen Sitz in Freiburg.
  Das Domkapitel verhandelt gesondert mit der Stadt und bemüht sich insbesondere um die Herausgabe des Münsterschatzes. Diese letztlich vergeblichen Bemühungen und die Ansprüche an das Münster und andere verlorene Güter in der Stadt werden zur Angelegenheit, die während der letzten zwei Jahrhunderte, die das Domkapitel Bestand hatte, beharrlich immer wieder von neuem aufgenommen wird.
  Ab 1590 versucht Blarer den Einfluss Berns auf den Südjura zurückzudrängen und auch hier den Katholizismus wiederherzustellen. Diese Pläne allerdings scheitern am anhaltenden Widerstand Berns. Ein Vertrag, der Bern die Stadt Biel gegen die Löschung der Burgrechtsverträge überlässt, kommt nicht zur Ratifizierung.
1592 In Pruntrut wird eine Druckerei gegründet. Schon zuvor hatte sich Blarer intensiv um neue liturgische Bücher bemüht. Auf die Veröffentlichung der Synodalstatuten in Freiburg im Breisgau 1583 folgte 1584 ein neues Basler Breviarium, ein Basler Martyrologium und 1585 ein Directorium; in München erschien 1586 ein Basler Missale. Ein zweisprachiges Rituale/Sacerdotale wird 1596 in Pruntrut gedruckt.
1593 Mit der Gründung des Jesuitenkollegs in Pruntrut begegnet Blarer dem akuten Bildungsnotstand in seiner Diözese und seinem Herrschaftsgebiet.
1598 Der Bischof errichtet in Undervelier den ersten staatlichen Hochofen zur Eisengewinnung. Die staatlichen Eisen- und Stahlwerke sind bis zum Ende des Fürstbistums eine seiner wichtigsten Einnahmequellen.
1606-1608 Dem Auftrag des Konzils von Trient entsprechend bemüht sich Blarer um die Errichtung eines Priesterseminars in der Diözese. Das Institut hat nicht lange Bestand und geht im dreissigjährigen Krieg unter.
  Blarer stützte seine Herrschaft nach dem Muster anderer geistlicher Fürstentümer und nicht zuletzt der weltlichen Herrschaft des Papstes auf einen systematischen und nachhaltig erfolgreichen Nepotismus. Seine Familie, deren Hauptsitz er in programmatischer Weise am "Eingang" zum Laufental in Aesch installierte und seinem Bruder die Vogtei Pfeffingen verlieh, die die Familie bis zum Untergang des Fürstbistums innehatte, gehörte fortan konstant zur Führungsschicht des Fürstbistums, ebenso wie die von Blarer berufene angeheiratete Familie Rinck von Baldenstein, aus der drei Fürstbischöfe hervorgingen, darunter der Neffe und Nachfolger Blarers, Wilhelm Rinck von Baldenstein.
  Bei seinem Tod hatte Blarer die weltliche Herrschaft des Bischofs konsolidiert und den zuvor stark bedrohten Bestand des Fürstbistums gesichtert. Der Einfluss Basels ist definitiv zurückgedrängt. Nur aus dem Bernischen Einfluss auf den Südjura konnte er sich nicht befreien. Die Verwaltung, die Finanzen und die kirchlichen Angelegenheiten sind reformiert, gestärkt und an die neuen Verhältnisse des Kleinfürstentums angepasst.
Jacob Christoph Blarer ist durchaus etwas wie ein Neubegründer des Fürstbistums. In der jurassischen Geschichtsschreibung und Unabhängigkeitsbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts wird er als landesherrliche Ideal- und Identifikationsfigur verehrt.

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