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Wilhelm Tell in alten Kirchenbüchern

von Werner Hug (Jahrbuch 2003 der SGFF)


Für manchen modernen Historiker ist Wilhelm Tell nichts weiter als ein Mythos. Ob man es sich da nicht etwas gar einfach macht? Sicher kein Mythos sind die hier beschriebenen Tell-Familien, die vom 16. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert hinein in der Schweiz nachweisbar sind. Und ihre noch nicht erforschten Vorfahren? Waren sie einfach ein Mythos?


Kirchenbuch Roggwil: Taufe des Sohnes Wilhelm des Wilhelm Tell, von Biberstein, hier wohnhaft, und der Verena Lanz von Roggwil am 12. April 1821 (geboren 6. April 1821).

Als Friedrich Schiller seinen «Wilhelm Tell» schrieb, lebten in der Schweiz noch Männer aus Fleisch und Blut, die diesen Namen trugen. Ihre Familien sind inzwischen ausgestorben und kaum jemand erinnert sich mehr an sie. Wer waren diese nie sehr zahlreichen Familien? Einiges über sie ist in den letzten Jahren aus alten Kirchenbüchern und andern alten Quellen bekannt geworden und in diesem Beitrag enthalten. Es handelt sich dabei um eine Ergänzung und Erweiterung des gleichnamigen Artikels im Basler Regio-Familienforscher vom September 1996, zusammengestellt von Werner Hug, Genealoge, Muttenz. 

1. Einleitung 

Es begann mit einem genealogischen Zufallsfund. Vor über zwanzig Jahren führte mich die Erforschung einer grösseren Ahnentafel auch nach Roggwil im Kanton Bern. Damals waren praktisch alle Kirchenbücher dieses Kantons noch in den Zivilstandsämtern aufbewahrt und nicht verfilmt. So sass ich denn im Zivilstandsamt von Roggwil und ging meinen Forschungen nach, als da plötzlich ein Name auftauchte, der so gar nicht zu den in Roggwil üblichen Familiennamen passte. Ein Wilhelm Tell liess hier in den Jahren 1819 und 1821 je einen Sohn auf den Namen Wilhelm taufen (der 1819 geborene starb nach zwei Jahren). Die Schrift war so klar deutlich, dass es keinen Zweifel gab. Der Vater der beiden Knaben hiess wirklich Wilhelm Tell und er stammte aus Biberstein, wie Pfarrer zusätzlich notierte. Die Mutter aber war aus Roggwil selbst und hiess Verena Lanz. 

Wie in aller Welt kam dieser Wilhelm Tell zu seinem Namen? War da eine alte Sagengestalt zu neuem Leben erwacht? Jedenfalls hatte ich bisher noch nie gehört, dass der Familienname Tell in alten Kirchenbüchern der Schweiz anzutreffen sei. Vorerst hatte ich aber nicht Zeit, mich weiter mit solchen Fragen zu befassen. Ich machte mir eine Notiz über den Fund und wandte mich wieder meinen Nachforschungen zu. 

Fast zur gleichen Zeit arbeitete ich an einer Genealogie über das im Baselbiet und in Riehen BS verbreitete Geschlecht Vögelin (Voegelin). Stammvater desselben war ein Uli Vögelin, der anno 1541 den Sennhof Oberbürten bei Lauwil BL von der Stadt Basel als Erblehen erhielt. Der vielen Vögelin wegen wurde dieser Sennhof später nur noch Vogelberg genannt. Schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts liess sich ein Christian Vögelin aus diesem Geschlecht in Riehen nieder und begründete damit den Riehener Stamm der Vögelin, auch Schäfer-Stamm genannt. Um diesen Stamm zu erforschen, nahm ich im Staatsarchiv Basel Einsicht in die alten Kirchenbücher von Riehen. In diesen Kirchenbüchern stiess ich erneut auf eine Familie Tell (anfänglich Dell, später Tell geschrieben). Ein Maurer namens Claus Tell (Dell) liess hier zwischen 1662 und 1679 sieben Kinder taufen, eines davon auf den Namen Wilhelm. Claus Tell stammte, wie ich später herausfand, aus Ostermundigen im Kanton Bern und wurde im Jahr 1666 in das Bürgerrecht von Riehen aufgenommen. Auch hier machte ich mir vorerst nur eine kurze Notiz, denn ich wollte mich von der Erforschung des Geschlechts Vögelin nicht abbringen lassen. 

Trotzdem interessierte mich die Sache natürlich, denn immerhin waren mir nun drei Orte in der Schweiz bekannt, in denen der Familienname Tell früher nachweislich vorkam: Roggwil, Biberstein und Riehen. Dazu kamen später noch das bis jetzt wenig erforschte Ostermundigen sowie einzelne Namenserwähnungen an andern Orten, von denen noch die Rede sein wird. Ich fragte mich, wievielen Menschen in der Schweiz diese Tatsache wohl bekannt sei, und kam nach einigem Herumfragen in einschlägigen Kreisen zum Schluss, dass diese Informationen den meisten Menschen in der Schweiz unbekannt sind. Sicher sind aber diese Zufallsfunde nicht nur für mich interessant. Ich habe mich deshalb ab 1995 vermehrt damit beschäftigt und versuche hier, den Schleier des Vergessens ein wenig zu lüften, der sich im Laufe der Zeit über diese alten Tell-Familien gelegt hat.

Sonderdrucke (33 Seiten) können von Autor zum Preis von sfr 15 bezogen werden (Werner Hug, Unterwartweg 43, 4132 Muttenz).


Betreut wird diese Seite von Wolf Seelentag : . Letzte Bearbeitung: 02 Dezember 2003.