Das Kriegsarchiv war von 1801-1905 im Wiener Kriegsgebäude "Am Hof" untergebracht, danach von 1905-1991 in der Stift-Kaserne und übersiedelte in den Jahren 1991-1993 in das neü zentrale Amtsgebäude des Österreichischen Staatsarchivs (A-1030 Wien, Nottendorfer Gasse 2-4). Das Archiv umfasst ca. 50 Regalfachkilometer an Archivalien: über 650.000 Archivalieneinheiten (Kartons, Faszikel, Bücher), mehr als 416.000 Karten und Pläne sowie ca. 300.000 Bilder.
Naturgemäss spielen in allen Armeen die Personalangelegenheiten eine bedeutende Rolle. So gab es auch in der Habsburger Monarchie kaum eine Familie, die nicht in irgendeiner Weise in Beziehung zum Militär getreten wäre. Nicht nur Familien aus dem alten Österreich und dem Heiligen Römischen Reich dienten im habsburgischen Heer, zahllose Angehörige der k.k. Armee stammten aus den Niederlanden, aus Frankreich, Spanien, Italien, aus dem katholischen Schottland und Irland sowie aus dem gesamten ost- und südosteuropäischen Raum. Der umfangreiche schriftliche Niederschlag der Personalverwaltung der k.(u.)k. Armee hat sich in konzentrierter Form im Wiener Kriegsarchiv erhalten. Diesem Umstand verdanken wir heute die vielfältigen Forschungsmöglichkeiten für die moderne Genealogie, Biographie und Prosopographie, insbesondere auch für die private Familienforschung. Für Forschungen im Wiener Kriegsarchiv sind auf jeden Fall gründliche deutsche Sprachkenntnisse erforderlich. Da Deutsch die Amtssprache der k.(u.)k. Armee war, sind auch die hier besprochenen Akten zu über 90 % in deutscher Sprache verfasst. Die übrigen Sprachen des Vielvölkerstaates (Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Rumänisch, Serbisch, Slowakisch, Slowenisch, Tschechisch, Ukrainisch, Ungarisch), andere europäische Sprachen (Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch) sowie die lateinische Sprache kommen nur sporadisch vor.
1.Die Akten der militärischen Behördenregistraturen 2.Die Personalakten und personenbezogenen Akten.
Das folgende Verzeichnis enthält nicht die Gesamtheit der im Kriegsarchiv verwahrten Personalakten und Behördenarchive, sondern beschränkt sich bewusst auf solche Bestände, in denen Daten zur slowakischen genealogischen Forschung zu erwarten sind. Die Rubrik "Umfang" enthält keine exakten Stückzahlen, sondern lediglich aufgerundete Mengenangaben. In der Rubrik "Literatur" sind jeweils nur Kurzzitate angegeben, die Vollzitate sind dem Literaturverzeichnis (Punkt 2.3.) zu entnehmen.
a) Die Registratur des k.k. Hofkriegsrates in Wien
Kurzbezeichnung : HKR.
Zeitraum: 1557-1848.
Umfang: 5.600 Kartons Akten und 12.000 Bände Geschäftsbücher.
Beschreibung: Der Bestand enthält den schriftlichen Niederschlag der
ältesten militärischen Zentralstelle des Habsburgerreiches vom Jahr
nach seiner Gründung (1557) bis zur Auflösung dieser
Kollegialbehörde im Jahre 1848. Der Aktenbestand ist sehr stark
skartiert, sodass für die Forschung vielfach nur die
Geschäftsbücher (Indizes und Protokolle) zur Verfügung stehen.
Ordnungsprinzip: Es handelt sich bei dem Bestand um eine geschlossene
Serie von Kanzleibüchern und Akten, wobei die Akten über die
Kanzleibücher (Index und Protokoll) zugänglich sind
("altösterreichisches Registratursystem"). Die Art der Hinterlegung
wechselte mehrmals, wobei sich schliesslich das Rubrikensystem
durchsetzte. Das heisst: Geschäftsfälle gleichen oder verwandten
Betreffs sind jährlich unter gemeinsamen Sachrubriken hinterlegt. Es
handelt sich demnach um einen Mittelweg zwischen einer
Nummernregistratur (bei welcher die Einlaufstücke nach numerus
currens hinterlegt werden) und dem reinen Sachaktensystem (bei welchem
die Akten gleichen oder verwandten Betreffs nach einem Aktenplan
jahresüberschreitend zu "Sachakten" zusammengefasst sind). Angaben
zur Person: Unterschiedlich, je nach Fragestellung. Da es sich beim
HKR um eine Zentralbehörde handelt, sind in den Akten bei weitem
nicht alle Personen enthalten, die zwischen 1557 und 1848 zur k.k.
Armee gehörten oder mit ihr in Kontakt traten. Besonders hoch ist die
Personaldatendichte für Offiziere; Unteroffiziere und gemeine
Soldaten hingegen wurden beim HKR meist nur im Zusammenhang mit
besonders positiven oder negativen Vorfällen "aktenkundig", z.B. im
Falle besonderer Auszeichnung oder im Falle einer kriegsrechtlichen
Verurteilung. Slowakische Belange: Man kann nach konkreten
oberungarischen Personen, Orten, Truppenkörpern, Institutionen und
Sachbegriffen suchen. Findbehelfe: Die jährlichen zeitgenössischen
Kanzleiindizes. Das Bestandsverzeichnis ist für die Forschung
weitgehend ungeeignet.
Literatur: INVENTAR; EGGER, Genealogische Quellen; W AGNER, Militärgrenze; REGELE, Hofkriegsrat.
b) Die Registratur des k. (u.)k. Kriegsministeriums und des Militär-Liquidierungsamtes in Wien
Kurzbezeichnung: KM / MLA
Zeitraum: 1848-1918/1931.
Umfang: 17.300 Kartons Akten und 9.000 Bände Geschäftsbücher.
Beschreibung: Das KM war die Nachfolgebehörde des HKR. Der Bestand
enthält demnach den schriftlichen Niederschlag dieser militärischen
Zentralstelle von seiner Errichtung im Jahre 1848 bis zum Zerfall der
Habsburger Monarchie im Jahre 1918, sowie für die Zeit der
Liquidierung dieser Behörde in den Jahren 1918-1931. Für die Zeit
vor dem Weltkrieg ist der Aktenbestand teilweise skartiert, während
die Akten ab dem Sommer 1914 fast voll ständig erhalten sind (mit
Ausnahme geringer Mengen, die nach 1918 an die Nachfolgestaaten
abgetreten wurden). Ordnungsprinzip: Es handelt sich um eine
geschlossene Serie von Kanzleibüchern und Akten, wobei die Akten -
wie beim HKR - über die Kanzleibücher (Index und Protokoll)
zugänglich sind. Die Akten sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen -
jährlich nach Rubriken abgelegt. (Vgl. Punkt 2.l.a.). Angaben zur
Person: Unterschiedlich, je nach Fragestellung. Da es sich beim KM um
eine Zentralbehörde handelt, sind in seinen Akten - ebenso wie beim
HKR - bei weitem nicht alle Personen enthalten, die zwischen 1848 und
1918 zur k.(u.)k. Armee gehörten oder mit ihr in Kontakt traten. Es
überwiegen auch hier die Personalangaben über Offiziere, jedoch ist
im Vergleich zum HKR eine deutliche Zunahme der Personaldatendichte
für Unteroffiziere und gemeine Soldaten feststellbar. Slowakische
Belange: Man kann - wie beim HKR - nach konkreten oberungarischen
Personen, Orten, Truppenkörpern, Institutionen und Sachbegriffen
suchen. Die Akten des MLA (1918-1931) sind für die genealogische
Forschung insofern von Interesse, als sie zahlreiche Uebergabelisten
von Personalakten an die Armeen der Nachfolgestaaten der Monarchie und
auch sonstige für diese Armeen relevante Personalvorgänge enthalten,
unter ihnen auch solche für die tschechoslowakische Armee.
Findbehelfe: Wie beim HKR die jährlichen zeitgenössischen
Kanzleiindizes. Das Bestandsverzeichnis ist für die Forschung
weitgehend ungeeignet.
Literatur: INVENTAR; EGGER, Genealogische Quellen; WAGNER, Kriegsministerium; WAGNER, Die k.(u.)k. Armee.
Wie in den meisten Militärarchiven bestehen auch im Wiener Kriegsarchiv grosse Unterschiede in den Forschungsmöglichkeiten nach Offizieren und Mannschaftspersonen. Entsprechend unterscheiden wir in der Folge auch:
1.Quellen für die Forschung nach Militärpersonen aller Ränge
2.Quellen für die Forschung nach Offizieren und Militärbeamten.
Kurzbezeichnung: ML / ST
Zeitraum: 1740-1820 (Geburtsjahrgänge ca. 1720 - ca. 1800).
Umfang: 12.600 Kartons.
Beschreibung: Musterungen, d.h. Inspizierungen von Mannschaft,
Pferden, Rüstungssorten und Finanzgebarung der Regimenter wurden im
kaiserlichen Heere bereits im 16. Jh. durchgeführt, kontinuierliche
schriftliche Aufzeichnungen haben sich jedoch erst ab ca. 1740
erhalten. Die Musterungen wurden ursprünglich halbjährlich
(Frühjahrs- und Herbstmusterung), ab 1768 nur noch jährlich
abgehalten. Ueber die Musterungen wurden von den inspizierenden
Kriegskommissären und Brigadieren Berichte ("Musterungs-Relationen")
verfasst und dem Hofkriegsrat in Wien eingesendet. Die umfangreichen
ML waren als Aktenbeilagen beigelegt. Sie enthalten die Namen aller
Soldaten eines Regiments im betreffenden Jahr, jedoch sind nicht für
alle Jahre des Zeitraumes 1740-1820 ML und ST vorhanden.
Ordnungsprinzip : Die ML sind nach Truppenkörpern (Regimentern) und
innerhalb eines Regiments nach Jahren (Halbjahren) geordnet, innerhalb
der Jahre (Halbjahre) nach Unterabteilungen (Kompanien, Eskadronen
etc.) in eigenen Heften abgelegt und innerhalb dieser nach dem
militärischen Rang geordnet. Die ST sind nach Truppenkörpern, Jahren
und Monaten in eigenen Monatsheften abgelegt. Angaben zur Person: Die
ML enthalten Familiennamen, Vornamen, Charge (Dienstgrad), Geburtsort,
Geburtsland, Altersjahre, Religion, Familienstand, Zivilberuf,
Körpermass, Namen und Alter der Kinder, militärische Laufbahn. Die
ST ("Monatstabellen") geben lediglich die personellen Veränderungen
innerhalb eines Monats wieder, während die den Monatstabellen
beiliegenden Assentlisten (AL) und Transferierungslisten (TL)
ähnliche Angaben wie die ML enthalten bzw. die Angaben fehlender ML
ersetzen. Slowakische Belange: Die Akten der oberungarischen bzw in
Oberungarn dislozierten Regimenter , Branchen und Korps. Findbehelfe:
Bestandsverzeichnis. Für Offiziere existieren ausserdem eine
alphabetische Personenkartei (Offzierskartei) und Indizes zu den
einzelnen Regimentern. Für die Suche nach Mannschaftspersonen muss
man den Truppenkörper wissen bzw. denselben aufgrund der
territorialen Zuständigkeit ermitteln; danach müssen die Akten in
zeitraubender Arbeit Jahr für Jahr durchgesehen werden.
Literatur. INVENTAR; EGGER, Genealogische Quellen; TEPPERBERG, Musterungs- und Standesakten.
b) Militärische Grundbuchsevidenz (Grundbücher, Grundbuchsblätter)
Kurzbezeichnung: GB.
Zeitraum: 1820-1918 (Geburtsjahrgänge ca. 1790-1900).
Umfang: 16.500 Kartons.
Beschreibung: 1820 wurde die umständliche Standesführung durch die
Musterlisten aufgegeben und in der k.k. Armee fortan für jeden
Soldaten (Offiziere und Mannschaftspersonen) je ein eigenes
Evidenzblatt ("Grundbuchsblatt") geführt. Diese GB, die mit dem
Liegenschafts-GB nichts zu tun haben, wurden von den Truppenkörpern
periodisch der Zentralstelle in Wien eingesendet. Mit der Heeresreform
von 1868 hörte die zentrale Evidenz beim k.k. Kriegsministerium auf.
Das heisst, es wurde von den Regimentern keine GB mehr nach Wien
eingesendet, sondern die Akten wurden dezentral bei den jeweiligen
Ersatztruppenkörpern aufbewahrt. Gemäss den Friedensbestimmungen von
Saint-Germain (1919) mussten die GB der Geburtsjahrgänge 1865-1900
von Soldaten, die nach dem Zerfall der Monarchie (1918) ihr
Heimatsrecht ausserhalb der Grenzen der Republik Österreich hatten,
in den Nachfolgestaaten verbleiben. Das heisst, das Kriegsarchiv
verwahrt von diesen Jahrgängen im wesentlichen nur die Akten
derjenigen Soldaten, die 1918 ihr Heimatsrecht auf dem Territorium der
heutigen Republik Österreich hatten (mit Ausnahme der GB für
Salzburg, Tirol und Vorarlberg, die in den entsprechenden
Landesarchiven erliegen). Der Grossteil der in den Nachfolgestaaten
verbliebenen Akten ist inzwischen vernichtet worden! So sind auch die
im Militärarchiv Tyrnau (Trnava) gelagert gewesenen GB der
Geburtsjahrgänge 1887-1900 grossteils der Vernichtung anheimgefallen,
während die GB der Geburtsjahrgänge 1865-l886 nach wie vor im
Militärarchiv Prag (Praha) verwahrt werden. Ordnungsprinzip: Es gibt
mehrere GB-Reihen mit jeweils verschiedenen Ordnungsprinzipien : 1.
die GB der k.k. Regimenter, Branchen und Korps (1820-1869) sind nach
eben diesen Einheiten geordnet; 2. die Offiziers-GB : Pensionisten und
Abgänge von Heer und Landwehr (1869- 1918/38) sind nach eben diesen
Standesgruppen geordnet; 3. die alphabetische Reihen:
a) alte Reihen: Geburtsjahrgänge ca. 1790-1864;
b) jüngere Reihen (Weltkrieg 1914-l9l8): Geburtsjahrgänge
1865-1900:
Sie sind nach Kronländern und Geburtsjahrgängen und innerhalb dieser
alphabetisch nach Personennamen geordnet. Angaben zur Person:
Familienname, Vorname, Geburtsort, Geburtsland, Geburtsjahr, Religion,
Familienstand, Zivilberuf, militärische Laufbahn, bisweilen auch
Personenbeschreibung, Sprachkenntnisse, Körpermass, Heirat und
Geburten der Kinder. Slowakische Belange:
zu 1 : von den GB der k.k. Regimenter, Branchen und Korps
kommen - wie bei den Musterlisten - die Akten der oberungarischen
bzw. in Oberungarn dislozierten Regimenter, Branchen und Korps in
Betracht; zu 3: von den alphabetischen Reihen ist nur die alte
Reihe der sogenannten "Fremden" relevant.
Ausserdem verwahrt das Kriegsarchiv 4 Bände von Abschriften der
GB-Indizes des Invalidenhauses Tyrnau (Trnava) für die Jahre
1820-1904, dessen Akten sich nicht im Kriegsachiv befinden.
Findbehelfe: Aufstellungsverzeichnis. Die GB der Regimenter, Branchen
und Korps sind ausserdem durch die zeitgenössischen grob
alphabetischen Indizes zugänglich (d.h. lediglich nach dem
Anfangsbuchstaben der Familiennamen). Die alphabetischen Reihen sind
direkt über das Alphabet zugänglich. Literatur: INVENTAR; EGGER,
Genealogische Quellen.
c) Militärmatriken (Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher)
Kurzbezeichnung : Matriken.
Zeitraum: 17 Jh. - 1918-1938.
Umfang: 6.000 Bände.
Beschreibung: Die Matriken stammen von den Regimentern, Branchen,
Korps und Militärspitälern der k.(u.)k. Armee, die jeweils eigene
Militärpfarren unterhielten, sowie von den Garnisonspfarren und den
sogenannten Militärsuperioraten. Der Bestand umfasst drei Reihen:
d) Krankenvormerkblätter der Militärspitäler
Kurzbezeichnung: Spitäler.
Zeitraum: 1914-1918 (Geburtsjahrgänge ca. 1865 - 1900).
Umfang: 6.300 Kartons.
Beschreibung: In den k.u.k. Krankenanstalten wurde für jeden
Patienten (Soldaten) ein Krankenblatt ("Vormerkblatt") angelegt.
Diese Akten sind wegen ihrer Personalangaben eine viel benützte
personengeschichtliche Quelle, insbesondere auch wegen des Fehlens der
Grundbuchsblattbestände in den Nachfolgestaaten. Ordnungsprinzip: Die
meisten Akten-Reihen sind alphabetisch-phonetisch geordnet. Angaben
zur Person: Bezeichnung der Krankenanstalt, Familien- und Vorname,
Truppenkörper, Charge, Geburtsjahr, Geburts- bzw. Heimatsort,
Religion, Zivilberuf, Datum des Zu- und Abganges aus der
Krankenanstalt; Diagnose, Krankengeschichte und Therapie. Slowakische
Belange: Man kann nur nach vorgegebenen Personennamen suchen. Es
kommen in erster Linie die Krankenblätter der Feldspitäler (755
Kartons) in Betracht. Die Akten der oberungarischen Garnisons-,
Reserve-, Kriegs- und Vereinsspitäler sind (ebenso wie die
Grundbuchsblätter des Weltkrieges) nach 1918 in der Tschechoslowakei
verblieben. Findbehelfe: Für die Akten der Feldspitäler existiert
ein Verzeichnis der Kartons. Grundsätzlich sind die Akten über das
phonetische Alphabet zugänglich.
e) Karteien und Listen über die Kriegsverluste des Weltkrieges 1914-1918.
Kurzbezeichnung: 1) Phonetik, 2) KGF, 3) TK.
Zeitraum: 1914-1918 (Geburtsjahrgänge ca. 1865-1900).
Umfang: 40 Millionen Karteikarten und 120 Kartons Akten.
Beschreibung:
f) Verlustlisten der Truppenkörper des Weltkrieges 1914-1918
Kurzbezeichnung: VL.
Zeitraum: 1914-1918 (Geburtsjahrgänge ca. 1865-1900).
Umfang: 240 Kartons.
Beschreibung: Die VL sind bei der Armee im Felde entstandene Akten,
die von den Offizieren an der Front verfasst und an das nächsthöhere
Kommando weitergeleitet wurden. Es gibt in der Bibliothek des
Österreichischen Staatsarchivs auch gedruckte, publizierte
Verlustlisten, die aber nur schwer benützbar sind. Ordnungsprinzip:
Nach Jahren und innerhalb dieser nach Truppenkörpern.
Angaben zur Person: Familienname, Vomame, Charge, Unterabteilung (Kompanie etc.), Gefecht; gefallen, verwundet oder vermisst; Datum und Ortsangabe. Slowakische Belange: Die VL derjenigen Regimenter, die sich vorwiegend aus Oberungarn ergänzten. Findbehelfe: Findbehelfe sind nicht vorhanden. Wenn der Truppenkörper und ein ungefähres Verlustdatum bekannt sind, kann man gezielt nach der entsprechenden Eintragung suchen.
g) Kriegsgräberakten des Weltkrieges 1914-1918
Kurzbezeichnung : Kriegsgräber.
Zeitraum: 1914-1918 (Geburtsjahrgänge ca. 1865-1900).
Umfang: 350 Kartons.
Beschreibung: Die Gräberabteilungen und Kriegsgräberinspektionen der
k.u.k. Militärkommanden und Militärverwaltungen hatten ihre
Aufzeichnungen über Bestattungen und Umbettungen von gefallenen
Kriegern laufend der Zentralstelle in Wien einzusenden. Da dies nicht
sehr konseqünt geschah, sind im Bestand bei weitem nicht alle k.u.k.
Kriegerfriedhöfe dokumentiert. Ordnungsprinzip: Nach Ländern,
Bezirken und Ortschaften. Angaben zur Person: Familienname, Vorname,
Charge, Truppenkörper, Geburtsjahr, Geburts- oder Heimatsort,
Todesdatum und Datum der Beerdigung, Bezeichnung der Grablage.
Slowakische Belange: Die Ortschaften in der heutigen Slowakei, die im
Gräberindex "Ungarn", verzeichnet sind. Findbehelfe: Grob
alphabetische Indizes nach Ortschaften (d.h. nach den
Anfangsbuchstaben der Ortschaften); 6 Bände:
h) Belohnungsakten des Weltkrieges 1914-1918 (Belohnungsanträge)
Kurzbezeichnung: BA (OBA und MBA).
Zeitrahmen: 1914-1918/1958 (Geburtsjahrgänge ca. 1865-1900).
Umfang: 4.000 Kartons.
Beschreibung: Die von der Armee im Felde der Belohnungsgruppe des
k.u.k. Armeeoberkommandos eingesendeten Belohnungsanträge bilden -
ebenso wie die Spitalsakten - einen wichtigen Ersatz für die
fehlenden Grundbuchsblattbestände des Weltkrieges. Ordnungsprinzip:
Es gibt getrennte Serien von Belohnungsanträgen für Offiziere (OBA)
und Mannschaften (MBA). Angaben zur Person: Familienname, Vorname,
Charge, Truppenkörper, Art der Auszeichnung ("Belohnung"),
Begründung der Auszeichnung (Schilderung der Waffentat durch den
vorgesetzten Antragsteller), Verleihungsdatum; ab Ende 1917 werden in
der Regel auch Geburtsjahr, Heimatsort und Assentjahr des Soldaten
angeführt. Slowakische Belange: Man kann nur nach vorgegebenen
Personennamen suchen. Findbehelfe: Mehrere alphabetische Karteien
1914-1918; ausserdem die gedruckten Personalverordnungsblätter
1918-1923 für das k.u.k. Heer, die k.k. Landwehr und die kgl.-ung.
Honv'ed.
Literatur. INVENTAR; EGGER, Genealogische Quellen; ALLMAYER-BECK. Ausserdem sei auf die zahlreichen einschlägigen Aufsätze des Historikers und ehemaligen Staatsarchivars Ernst (R. v.) RUTKOWSKI sowie auf das mehrbändige Generalstabswerk OESTERREICH-UNGARNS LETZTER KRIEG hingewiesen.
i) Das Militärgerichtsarchiv
Kurzbezeichnung: MGA
Zeitraum: 1790-1918.
Umfang: 20.000 Kartons Akten und 1500 Bände Geschäftsbücher.
Beschreibung: Da die Angehörigen der k.(u.)k. Armee bis 1918 einer
eigenen Militärgerichtsbarkeit unterworfen waren, hat sich aus der
Tätigkeit dieser Militärjustizbehörden (erster, zweiter und dritter
Instanz), insbesondere aus der Zeit des Weltkrieges 1914-1918, ein
umfangreiches Aktenmaterial erhalten. Der Bestand war um das Jahr 1920
etwa doppelt so gross wie heute, doch mussten in den Folgejahren
bedeutende Aktenmengen an die Nachfolgestaaten zur Erledigung der noch
nicht abgeschlossenen Justizfälle abgetreten werden.
Ordnungsprinzip:
Der Grossteil der Aktenkartons sind - ohne Berücksichtigung der
Gerichtsprovenienz - nach numerus currens aufgestellt. Nur für einen
kleinen Teil ist der ursprüngliche Zustand der Gerichtsprovenienz
wieder hergestellt. Angaben zur Person: Ausführliche
Personaldossiers, insbesondere für die Zeit des Weltkrieges
1914-1918. Slowakische Belange: Sind nur im konkreten Einzelfall
eruierbar. Findbehelfe: Das MGA ist derzeit für gezielte
Personenforschungen nicht geeignet, da die im Weltkrieg 1914-1918
angelegte umfangreiche Personenkartei von mehreren Millionen
Karteikarten im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde. Es existiert
lediglich ein Verzeichnis der Faszikel (Kartons). Ausserdem gibt es
für die Akten einiger weniger Gerichte eine neü Personenkartei, die
aber für die slowakische genealogische Forschung nicht relevant sind.
Literatur: INVENTAR; FODOR, Militärgerichtsakten; EGGER, Genealogische Quellen; WAGNER, Die k.(u.)k. Armee.
j) Evidenz der Unteroffizierszertifikate
Kurzbezeichnung: Zertifikatisten.
Zeitraum: 1872-1918 (Geburtsjahrgänge 1828-1893).
Umfang: 40 Bände Index und Protokolle.
Beschreibung: Längerdienende Unteroffiziere erwarben nach 12
Dienstjahren einen Anspruch auf Anstellung im Staatsdienst. Die
Anspruchsberechtigten wurden im Kriegsministerium evident geführt.
Die Namen dieser Zertifikatisten wurden chronologisch nach numerus
currens in das Protokoll eingetragen und im Index vermerkt. Die
dazugehörigen Akten erliegen in der Registratur des
Kriegsministeriums (Vgl. Punkt 2.1.b). Ordnungsprinzip: Chronologisch
nach numerus currens. Angaben zur Person: Nummer des Zertifikats;
Name, Charge, Truppenkörper, Religion und Geburtsdatum des
Anspruchsberechtigten; Jahr, in welchem er das 37. und 45. Lebensjahr
vollendet hatte; Geschäftszahl des Kriegsministeriums; Tag der
Einziehung des Zertifikats und Art der Zivilanstellung. Slowakische
Belange: Man kann nach konkreten Personennamen suchen.
Findbehelfe: Der zeitgenössische Personenindex zu den Protokollen. Literatur: EGGER, Papst Johannes Paul II.
a) Conduitelisten und Individualbeschreibungen der k.k. Regimenter, Branchen und Korps.
Kurzbezeichnung : CL.
Zeitraum: 1823-1869 (Geburtsjahrgänge ca. 1790 - ca. 1845).
Umfang: 1.300 Kartons.
Beschreibung: Die k.k. Armee musste ein Interesse daran haben,
jederzeit umfassend über Kenntnisse und Fähigkeiten ihrer Offiziere
informiert zu sein. Aus diesem Grunde wurden seit dem 18. Jh.
fallweise CL angelegt, die jedoch erst ab 1823 als geschlossene Serie
erhalten sind. Ordnungsprinzip : Die CL sind - analog zu den
Musterlisten und Grundbüchern - nach Regimentern, Branchen und Korps
geordnet und innerhalb dieser nach Militärjahren (1. Oktober bis 30.
September) in eigenen Heften abgelegt. Angaben zur Person: Charge
(Dienstgrad); Rangdatum (Datum der Ernennung in die jeweilige Charge);
Vor- und Zuname; Geburtsdaten (Geburtsdatum, Geburtsjahr oder
Altersangabe); Geburtsort und Geburtsland; Religionbekenntnis;
Familienstand; fallweise Datum der Heirat; Anzahl der versorgten und
unversorgten Kinder; finanzielle Verhältnisse; fallweise Angaben
über den Vater; bisherige militärische Laufbahn in der k.k. Armee
und in fremden Armeen; Anzahl der Dienstjahre; etwaiger früherer
Beruf; Gesundheitszustand, körperliche Beschaffenheit; persönlicher
Charakter, Gemütsbeschaffenheit; besondere Talente (Begabungen);
Sprachkenntnisse; militärische Fähigkeiten, allgemeine und
militärische Ausbildung (Schulen) und Kenntnisse; ob Reiter bzw.
Pferdekenner; mitgemachte Kriegseinsätze (Feldzüge, Schlachten,
Gefechte); Benehmen im Dienst (gegen Höhere, Gleichgestellte und
Untergebene); Benehmen ausserhalb des Dienstes (gegenüber der
Zivilbevölkerung); Eifer und Ambition; Fähigkeiten im Umgang mit den
eigenen Finanzen; ob Alkoholiker, Glücksspieler, Schuldenmacher oder
Streitsüchtiger; Qualifikation zur Beförderung; Anmerkungen und
Unterschriften der Vorgesetzten. Slowakische Belange: Die Akten der
oberungarischen bzw. in Oberungarn dislozierten Regimenter, Branchen
und Korps.
Findbehelfe: Bestandsverzeichnis. Als Behelf ist ausserdem der SCHEMATISMUS FUER DAS K.(U )K. HEER, Wien 1790-1918, heranzuziehen, der ab dem Jahrgang 1819 mit einem Personenindex versehen ist.
Literatur: INVENTAR; EGGER, Genealogische Quellen.
b) Qualifikationslisten
Kurzbezeichnung : QL
Zeitrahmen: 1869-1918 (Geburtsjahrgänge ca. 1820 - ca. 1890).
Umfang: 3950 Kartons.
Beschreibung: Mit der Heeresreform von 1868 wurde das bisherige
Formular der Conduitelisten abgeschafft und ab 1869 das neü Formular
der QL eingeführt. Die Listen enthalten nun nicht mehr die Offiziere
eines Jahrganges eines Regiments, sondern es gibt für jeden Offizier
eine eigene QL. Ordnungsprinzip : Die QL sind alphabetisch nach
Personennamen geordnet. Angaben zur Person: Truppenkörper (Regiment);
Charge (Dienstgrad); Rangdatum (Datum der Ernennung in die jeweilige
Charge); Vor- und Zuname; Geburtsdatum, Geburtsort und Geburtsland;
Heimatsrecht; Religionsbekenntnis; Beruf des Vaters; allgemeine und
militärische Ausbildung (Schulen); Eintritt in das Heer/die
Landwehr. Familienstand; Anzahl der versorgten und unversorgten
Kinder; Zivilberuf; finanzielle Verhältnisse; Dekorationen
(Auszeichnungen); militärische Laufbahn; dienstliche Verwendungen und
Garnisonsorte; mitgemachte Feldzüge; Leistungen und Verdienste im
Felde; sonstige Verdienste; besonder Kenntnisse (Länderkenntnisse);
besondere Geschicklichkeiten; Sprachkenntnisse;
Charaktereigenschaften, Geistesgaben; militärische Kenntnisse und
Fähigkeiten; Diensteifer; Benehmen (vor dem Feinde, dienstlich und
ausserdienstlich); Gesundheitsumstände, Kriegsdiensttauglichkeit;
Qualifikation zur Beförderung; Anmerkungen und Unterschriften der
Vorgesetzten. Slowakische Belange: Man kann nach konkreten
Personennamen suchen. Findbehelfe: Der Bestand ist direkt über das
Alphabet zugänglich. Ausserdem existiert ein grobes
Bestandsverzeichnis (Verzeichnis der Kartons).
Literatur: INVENTAR; EGGER, Genealogische Quellen; DEA'K; W AGNER, Die k.(u. )k. Armee.
c) Nachlässe, Donationen und Depots
Kurzbezeichnung: NL.
Zeitraum: 1618-1996.
Umfang: 1.600 Kartons.
Beschreibung: Die NL sind kein aus dem Geschäftsgang organisch
erwachsener Bestand, sondern eine im Kriegsarchiv durch Donationen und
Depots entstandene Sammlung von Schriftgut privater Provenienz, die
auch heute noch laufend Zuwächse zu verzeichnen hat. Ordnungsprinzip:
Nach numerus currens. Angaben zur Person: Unterschiedlich, je nach
Beschaffenheit des NL. Slowakische Belange: Man kann nach konkreten
Personennamen, Ortsnamen und Sachbegriffen suchen. Findbehelfe:
Detailverzeichnis der NL mit Personenindex sowie Orts- und Sachindex.
Literatur: INVENTAR; BROUCEK, Nachlässe und Donationen.
d) Reserveoffziersschulen
Kurzbezeichnung: ROS.
Zeitraum: 1914-1918.
Umfang: 75 Kartons.
Beschreibung: Die ROS sind ein Teilbestand der Militärerziehungs- und
Bildungsanstalten (Siehe unten). Der Bestand enthält
Rangierungslisten mit Personalangaben der Reserveoffiziers-Anwärter
und ihre Prüfungserfolge in den einzelnen Lehrfächern der
Reserveoffiziers-Kurse. Ordnungsprinzip: Die Akten sind teils nach
Truppenkörpern (Regimentern), teils nach Schulorten (Garnisonen)
geordnet. Angaben zur Person: Charge und Name des Aspiranten;
Heimatgemeinde und Heimatland; Tag der Präsentierung zur aktiven
Dienstleistung; Konduite, Charaktereigenschaften und Sprachkenntnisse;
bleibender Aufenthalt (Ergänzungsbezirk); Benotung (Klassifikation)
in den einzelnen Prüfungsgegenständen. Slowakische Belange: Die
Akten der oberungarischen Regimenter und Garnisonen (Schulorte).
Findbehelfe: Bestandsverzeichnis nach Truppenkörpern (Regimentern)
und Garnisonen (Schulorten).
Weitere Personalaktenbestände für Offiziere und Militärbeamte: